Der Grosse Lärm-Test : Das sind Rendsburgs Ruhestörer

Auf Schienen, Straßen oder in der Luft – in der Region Rendsburg gibt es zahlreiche Lärmquellen. Besonders Bewohner in der Nähe der Eisenbahnstrecke, wie zum Beispiel an der Ecke Dorfstraße/Am Kamp in Osterrönfeld (Foto) sind regelmäßig einer extremen Geräuschkulisse ausgesetzt. Betroffene können ab sofort an einer Befragung zum Lärm im Internet teilnehmen.
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Auf Schienen, Straßen oder in der Luft – in der Region Rendsburg gibt es zahlreiche Lärmquellen. Besonders Bewohner in der Nähe der Eisenbahnstrecke, wie zum Beispiel an der Ecke Dorfstraße/Am Kamp in Osterrönfeld (Foto) sind regelmäßig einer extremen Geräuschkulisse ausgesetzt. Betroffene können ab sofort an einer Befragung zum Lärm im Internet teilnehmen.

Ob unter der Hochbrücke, neben dem Hubschrauberlandeplatz oder an einer viel befahrenen Straße – der große Lärmtest zeigt, wo es im Rendsburger Raum richtig laut. wird.

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10. Mai 2015, 12:52 Uhr

Rendsburg | Fühlen Sie sich von dem Eisenbahnlärm belästigt? Zu welcher Tageszeiten ist es besonders störend? Und welche Geräusche sind am lautesten? Diese und viele weitere Fragen können Bürger, die in der Nähe der Bahnstrecke wohnen, bis Ende des Monats im Internet beantworten. Denn das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat zu einer deutschlandweiten Befragung aufgerufen. Sie ist Teil des sogenannten Lärmaktionsplans, der seit dem 1. Januar dieses Jahres für die Haupteisenbahnstrecken erstellt wird. Lärmkarten und die Ergebnisse der Bürgerbefragung sollen darüber Aufschluss geben, welche Wohngebiete besonders stark und häufig vom Bahnlärm betroffen sind.

Der Plan selbst enthält zwar noch keine konkreten Maßnahmen zur Lärmminderung, doch auf seiner Grundlage können langfristige Änderungen angeregt werden, um die Lärmbelastung zu senken, so ein Sprecher des EBA. Dazu könnten zum Beispiel die Errichtung von Lärmschutzwänden oder der Einbau von Schallschutzfenstern gehören. Einige Rendsburger und Osterrönfelder haben auf der digitalen Lärmkarte des EBA bereits Orte eingezeichnet, an denen der Lärmpegel besonders extrem ist – in der Schleife oder kurz hinter der Schwebefähre zum Beispiel.

Aber wie laut sind die Züge in Rendsburg und Osterrönfeld wirklich? Und welche anderen Ruhestörer gibt es in der Stadt? Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft die Lärm-App des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Mit dieser Applikation wird das Smartphone zum Messgerät und zeigt in großen Zahlen den Dezibelwert an.

Mit 63 Dezibel ist es auf dem Holzsteg am Obereiderhafen angenehm ruhig – zumindest wenn nicht gerade ein Zug vorbeifährt. Dann steigt der Pegel prompt vom grünen in den roten Bereich auf 86 Dezibel. Während die Bahn dort einen markanten Ruhestörer darstellt, fällt sie ein paar hundert Meter weiter, im Parkhaus in der Nienstadtstraße nicht besonders auf. Wer in der obersten Etage parkt, hört bereits den Verkehr auf der Eisenbahnstraße rollen, bei schlechtem Wetter kommt der Regen hinzu, der laut auf das Dach prasselt. Ein Zug fällt da kaum ins Gewicht. Aber genau wie hier ist auch auf dem Thormannplatz und am Kanaltunnel die Geräuschkulisse immer von Anzahl und Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge abhängig. Bis zu 87 Dezibel können hier gemessen werden.

Mit 101 Dezibel ist ein Güterzug auf der Hochbrücke der akustische Spitzenreiter in Rendsburg und Osterrönfeld. Wer solchen Lärm woanders sucht, kann auch in die Disco gehen oder die Kreissäge anschmeißen – so steht es in einer Tabelle des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Diese ist Teil der Lärm-App des Verbandes und hilft bei der Einordnung: Ist es im Großraumbüro schon so laut, dass der Geräuschpegel Stress verursacht? Diese Frage kann mit der kostenlosen Applikation schnell beantwortet werden. Sie ist im App-Store frei verfügbar und misst über die Lautsprecher des Smartphones oder Tablet-PCs den Geräuschpegel.  Einwandfreie Ergebnisse gibt es bei dieser Messung zwar nicht, aber zumindest Richtwerte, die bei der Einschätzung helfen können. Neben der reinen Messung und der Vergleichstabelle hilft die Applikation auch bei Gesundheitsfragen wie: Ab wann ist Lärm für das Gehör schädlich? Wie kann man sich bei der Arbeit vor Lärm schützen? Und  wie können Hörschäden überhaupt erkannt werden? Das alles wird bei Android-Geräten zwar auf einer spartanisch wirkenden Benutzeroberfläche dargestellt,  bei Apple-Geräten ist die Optik deutlich ansprechender, aber die Bedienung ist gleichermaßen intuitiv und führt schnell zu spannenden Erkenntnissen. So ist es am Obereiderhafen mit 63 Dezibel etwas lauter als bei einem Gespräch, kommt dort jedoch ein Zug vorbei, steigt der Pegel auf 86 Dezibel und ist damit so hoch wie bei einer Drehbank.

Wer auf der Schwebefähre steht und darauf wartet, dass ein Containerschiff vorbeifährt, bekommt nur 76 Dezibel auf die Ohren. Das vermutlich lauteste Geräusch, das nicht von Fahrzeugen verursacht wurde, hören die Rendsburger mitten in der Stadt. Auf dem Altstädter Markt sorgt mehrfach täglich das Glockenspiel am Alten Rathaus für eine Geräuschkulisse von 95 Dezibel und bringt damit regelmäßig die Gespräche der Passanten ins Stocken. Großer Vorteil dieser kunstvollen Lärmquelle ist jedoch ihre Berechenbarkeit: Sechs mal am Tag, ab 10 Uhr alle zwei Stunden, erklingen die 18 Glocken. Weniger vorhersehbar sind die Einsätze von Rettungshubschrauber „Christoph 42“. Wer sich bei einem Start in unmittelbarer Nähe zum Landeplatz postiert, kann dort bis zu 100 Dezibel messern. Das toppt nur noch die Bahn: Osterrönfelder, die direkt unter der Brücke wohnen, werden von Güterzügen mit 101 Dezibel beschallt. Aus dieser Perspektive hat der Bahnstreik gewisse Vorzüge.

Die Befragung des Eisenbahn-Bundesamtes im Internet auf:   www.laermaktionsplanung-schiene.de

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