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Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 06:40 Uhr

Rendsburg : Das Ringen ums Landestheater

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburg müsste jährlich 100 000 Euro mehr bezahlen – falls die Schleswiger aus der Theater GmbH aussteigen sollten.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 11:18 Uhr

Die Blicke aller Gesellschafter des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters sind derzeit auf Schleswig gerichtet. Gelingt es der Stadt an der Schlei, bis zur Gesellschafterversammlung im Juni genügend Geld für den Bau eines neuen Theaters aufzutreiben – oder scheitert sie? Im Aufsichtsrat des Kulturbetriebes hofft man auf die erste Variante, geht aber hinter vorgehaltener Hand von der zweiten aus. Und das könnte die Steuerzahler in der Region am Nord-Ostsee-Kanal bares Geld kosten. Sollten im schlimmsten Fall Schleswig und der Kreis Schleswig-Flensburg aus der Landestheater GmbH aussteigen, müsste sich Rendsburg auf Mehrkosten von 100  000 Euro pro Jahr einstellen.

Um das Landestheater zu finanzieren, bringt die öffentliche Hand in diesem Jahr etwa 18 Millionen Euro auf. Das Land übernimmt den Löwenanteil. Auf die am Theater beteiligten Städte und Kreise entfallen 4,8 Millionen Euro. In einem Vertrag ist festgehalten, für wieviel Prozent dieser jährlich neu festzulegenden Summe jeder Gesellschafter aufkommen muss. Rendsburgs Anteil beträgt 10,67 Prozent, das entspricht aktuell einer halben Million Euro. Genauso viel zahlen die Schleswiger.

Im Aufsichtsrat fürchtet man eine Kettenreaktion für den Fall, dass Schleswig dauerhaft keine eigene Spielstätte mehr zur Verfügung hätte. „Dann lohnt sich für die Stadt eine Beteiligung an der Theater GmbH nicht mehr“, sagt ein Insider. Sollte Schleswig kündigen, dürfte auch der Kreis Schleswig-Flensburg sein Engagement hinterfragen. Entschlössen sich die Kreispolitiker ebenfalls dazu, die Theaterbeteiligung aufzugeben, würden nach heutigem Stand über 800  000 Euro in der Kasse von Generalintendant Peter Grisebach fehlen.

Wie könnte diese Lücke gestopft werden? Mehrere Varianten sind denkbar. Kurzfristig, davon geht Aufsichtsratsvorsitzender Pierre Gilgenast aus, müssten alle anderen Gesellschafter einspringen. Mittelfristig sei es das Ziel, neue Gesellschafter ins Boot zu holen. Das dürfte schwierig werden. Beispiel Itzehoe: Die Stadt an der Stör hat zwar mehrfach Interesse an einem stärkerem Engagement in der Gesellschaft bekundet, es gibt jedoch keine Bestrebungen, dafür mehr Geld auszugeben.

In der Rendsburger Kommunalpolitik gibt es eine klare Tendenz pro Theater. „Eine Erhöhung unseres Beitrags ist kein Selbstgänger, aber wir werden darüber reden müssen, wenn es zu diesem Worst Case kommen sollte“, sagt SPD-Fraktionschef Helge Hinz. Thomas Krabbes, Vorsitzender der CDU-Fraktion, will die „einzigartige Struktur des Landestheaters“ bewahren. Er könne sich vorstellen, vorübergehend mehr Geld in die Hand zu nehmen. Um jedoch zu einer tragfähigen Lösung zu kommen, müsse man mittelfristig neue Gesellschafter gewinnen und über neue Wege nachdenken, beispielsweise über Kooperationen mit den Theatern in Kiel und Lübeck. Fritjof Wilken, Chef der Fraktion Modernes Rendsburg, kann sich nicht vorstellen, dass Schleswig und der Kreis Schleswig-Flensburg austreten. Für seine Fraktion stehe jedoch fest: „Wir werden uns dafür einsetzen, das Theater zu erhalten.“

Aufsichtsratschef und Bürgermeister Pierre Gilgenast hofft weiterhin, dass die Stadt Schleswig dem Landestheater treu bleibt. Falls nicht, setzt er auf Schützenhilfe aus Kiel: „Ich glaube nicht, dass uns das Land im Stich lassen würde.“

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