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Landeszeitung

20. Oktober 2017 | 08:12 Uhr

Das Rätsel um die toten Tafeln

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Displays an Fähre verwirren Autofahrer / Wasser- und Schifffahrtsdirektion: Schilder sollen über „besondere Betriebssituationen“ aufklären

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 11:03 Uhr

„Wie lange dauert es wohl noch?“ Viele der Autofahrer, die jeden Tag in der langen Blechschlange vor der Fähre Nobiskrug stehen, stellen sich diese Frage. Der Blick schweift dann auf eine der fünf elektronischen Anzeigentafeln. Nicht wenige Fahrer sind der Ansicht, dass die zwei Jahre alten Geräte die Wartezeit vor der Fähre anzeigen sollen. Doch tatsächlich zeigen die Displays in der Aalborgstraße und Kieler Straße die meiste Zeit über gar nichts an. Die Antwort überrascht: Die Autofahrer sollen gar nicht auf die Dauer der Wartezeit hingewiesen werden. Laut Wasser- und Schifffahrtsdirektion sind die Tafeln zum Anzeigen von „besonderen Betriebssituationen“ der Fähre da.

Harald Lütje (67) wohnt in der Schleife und überquert regelmäßig den Kanal mit der Fähre. Wie viele andere Bürger ging er lange Zeit davon aus, dass die Tafeln die Wartezeit abbilden. „Egal, mit wem man darüber spricht, alle denken das“, sagt er. Er hat beobachtet: „Seitdem es die Tafeln gibt, haben sie vielleicht vier Mal etwas angezeigt.“ Zuerst dachte der Rendsburger an eine Reparatur, aber nachdem das Display wochenlang schwarz blieb, war klar: Das kann nicht die Ursache sein.

Der 67-Jährige ist überrascht. 100 000 Euro hat man für die Wechseltextanzeiger, wie sie korrekt heißen, ausgegeben. „Da hat man ja richtig investiert, und bewirkt nicht so viel.“ Seiner Meinung nach hätte man sich das Geld in dem Fall sparen können. „Dann hätten auch die alten Klappschilder, die per Hand bedient wurden, behalten können. Die stimmten auch nicht.“ Lütje ist vor allem um die Sicherheit der Verkehrsteilnhemer besorgt. „Hier passieren abenteuerliche Sachen. Die Wendemanöver einiger Autofahrer sind sehr gefährlich.“ Die Strecke ist teilweise durch die Kurven nicht einsehbar, was viele Fahrer aber nicht kümmert. „Viele fahren einfach auf die Gegenspur.“ Wenn dann die Autos von der Fähre entgegen kommen, kann es brenzlig werden. Auswärtige wüssten gar nicht, was los sei. Besonders schlimm ist die Situation, wenn die Rader Hochbrücke gesperrt oder nur halbseitig befahrbar ist. „Beim letzten Mal reichte die Warteschlange bis zum Recyclinghof.“ Zudem wird das Einfädeln von der Aalborgstraße in die Kieler Straße fast unmöglich. „Keiner lässt den anderen rein.“

Um die Situation zu entschärfen, sind die Verkehrsteilnehmer gefordert. Seitens der Wasser- und Schifffahrtsdirektion gibt es keine Pläne, die Funktionen der Tafeln zu erweitern. „Es gab mal Gedankenspiele, die Wartezeit anzeigen zu lassen. Das wäre aber aufwändig, dazu müssten überall Kontaktschleifen gelegt werden“, sagt Jörg Winkelmann vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Der Schiffsführer gibt die Texte über Fährausfall, Verspätung oder zu hohen Wasserstand direkt von der Brücke ein. Und von dieser aus kann der Kapitän das Stauende nicht einsehen.

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