Fussball : „Das Pfeifen ist nun mal mein Leben“

Ausgezeichnet: Helmut Sell ist Schiedsrichter des Jahres.
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Ausgezeichnet: Helmut Sell ist Schiedsrichter des Jahres.

Helmut Sell (74) ist Schiedsrichter des Jahres des Kreisfußballverbandes Rendsburg-Eckernförde

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17. Januar 2018, 11:20 Uhr

Sichtlich überrascht war er schon, aber auch ein bisschen stolz. Helmut Sell vom SSV Nindorf wurde jetzt im Borgstedter „Lindenhof“ eine besondere Ehre zuteil. Der 74-Jährige wurde als Schiedsrichter des Jahres 2017 im Kreisfußballverband (KFV) Rendsburg-Eckernförde ausgezeichnet. „Es freut mich, dass sich der Schiedsrichter-Ausschuss für mich entschieden hat“, sagte Sell. Die Auszeichnung wird seit 2002 vergeben.

Seit März 1981 ist er als Unparteiischer im KFV tätig. Der aktuell drittälteste Referee im KFV pfeift zwar nicht höherklassig, dennoch gilt er auf den Plätzen im Kreis als Institution. Wenn Sell pfeift, dann kann nichts schief gehen, heißt es bei den Vereinen. Dieses Image hat sich der 74 Jahre alte Büdelsdorfer über die Jahre erarbeitet. Sein Motto lautet „Mehr sehen als hören“. Damit sei er gut gefahren. Das hätten die Spieler gespürt und dadurch habe er nie Ärger auf dem Platz bekommen. Er habe den Spielern den nötigen Respekt entgegengebracht und die Spieler ihm, beschreibt der Rentner, der sich als Moderator bei der Spielleitung sieht, sein Erfolgsrezept. Wenn es erforderlich ist, dann gibt es auch klare Ansagen. Ein flotter Spruch ist dem Ex-Torwart von Vineta Audorf, Eintracht Rendsburg und Hockey-Torhüter des Rendsburger TSV aber meistens lieber.

Dass Sell, der dem Fußball seit seinem siebten Lebensjahr verbunden ist, seine Spiele mit viel Fingerspitzengefühl leitet, belegen auch die erst etwa zehn Platzverweise, die er in seiner Laufbahn verteilt hat. „Fingerspitzengefühl eignet man sich erst im Lauf der Jahre an. Es ist einem aber auch ein wenig in die Wiege gegeben und steht in keinem Lehrbuch“, sagt Sell, der es pro Saison auf etwa 60 Spiele bringt. Für die Schiedsrichter-Ansetzer war und ist Helmut Sell ein Segen, denn er ist auch kurzfristig bereit, eine Spielleitung zu übernehmen. Ehefrau Ursula muss dann schon mal zurückstehen. „Die Schiedsrichter-Tasche ist immer gepackt. Ich bin immer auf dem Sprung. Pfeifen ist nun mal mein Leben.“ Sein Engagement würdigte der Schleswig-Holsteinische Fußballverband bereits mit der goldenen Schiedsrichter-Ehrennadel.

Große Sorgen bereitet Sell jedoch eine Entwicklung auf dem Feld. Der Ton und das Verhalten von Spielern, Trainern und Zuschauern seien rauer geworden, es werde zu viel an den Leistungen der Unparteiischen kritisiert – und es wundere ihn nicht, dass junge Schiedsrichter schnell die Lust am Pfeifen verlieren. Allerdings empfiehlt er dem Nachwuchs, die Flinte beziehungsweise Pfeife nicht allzu schnell ins Korn zu werfen. Er selbst denkt keinesfalls ans Aufhören und wird weiter in der Kreisklasse B und der Frauen-Verbandsliga pfeifen. Und die gepackte Tasche ist weiterhin immer griffbereit.

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