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Rendsburg : Das Los der "Praktiker" im Eiderpark

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

35 Rendsburger Mitarbeiter der insolventen Baumarkt-Kette Praktiker können in eine Transfergesellschaft wechseln. Bis zum 21. Oktober müssen sie sich entscheiden. Gleichzeitig wird um eine Nachfolge am Standort gerungen. Eine Schlüsselrolle nimmt „Obi“ ein.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Rensburg | Sie haben die Wahl. In den Tagen des Ausverkaufs müssen sich 35 Vollzeit-Angestellte bei „Praktiker“ entscheiden. Treten sie einer kürzlich eingerichteten Transfergesellschaft bei? Dann bekämen sie für die Laufzeit ihrer Kündigungsfrist 75 Prozent des letzten Gehalts und könnten die Zeit nutzen, um sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Zweite Option: Die Mitarbeiter der insolventen Baumarkt-Kette verzichten auf die Vorteile dieser Auffanglösung. In diesem Fall würde höchstwahrscheinlich die betriebsbedingte Kündigung folgen. Pest oder Cholera – das ist die missliche Lage, in der sich die Stammbelegschaft des Baumarktes im Eiderpark befindet.

Träger der Transfergesellschaft ist der TÜV Nord Transfer in Essen. Bis zum 21. Oktober müssen dort die Verträge vorliegen. Keinen Anspruch haben geringfügig Beschäftigte. Bei „Praktiker“ in Rendsburg sind das 19 Männer und Frauen. Nur deren sozialversicherungspflichtige Kollegen bekommen die Chance auf eine Atempause. Doch auch sie mündet in Ungewissheit: „Wer in die Transfergesellschaft wechselt, ist raus und muss sich am Ende der Laufzeit um einen Job bemühen“, sagt Günther Rotter, Betriebsrat in Rendsburg und Mitglied des Gesamtbetriebsrats bei „Praktiker Deutschland“. Der 58-jährige Werkzeug-Spezialist hätte im Januar sein 20. Dienstjubiläum bei „Praktiker“ gefeiert. Dazu wird es nicht mehr kommen. Über die Stimmung unter den „Praktikern“ möchte Rotter nicht sprechen. Nur über seine eigene. Und die sei von „Frust“ geprägt. „Ich hätte gerne die Möglichkeit, für meine Kollegen das Bestmögliche herauszuholen. Dafür brauche ich jedoch Informationen und Gesprächspartner. Beides gibt es derzeit leider nicht.“

So ist es: Vom Verwalter des Eiderparks, der Völkel Company in Hamburg, kommen keine Nachrichten. Nicht einmal Antworten. Erst auf mehrfache Nachfrage ließ die Völkel-Geschäftsführung gestern von sich hören: Der Eigentümer des Objektes werde „Informationen zum gegebenen Zeitpunkt an die Presse herausgeben“, heißt es in einer Mail.

Was Völkel nicht verrät: Es gibt Gespräche. Nach Informationen der Landeszeitung ist „Praktiker“ in Rendsburg nur Untermieter. Hauptmieter ist Branchenprimus „Obi“ – und dessen Mietvertrag mit den Eiderpark-Besitzern Beheermaatschappij Intermediate East-West B.V. in Amsterdam läuft noch bis Februar 2015. Findet sich kein Nachfolger, wäre „Obi“ zur Eigennutzung der ehemaligen „Praktiker“-Räume de facto gezwungen. Mit 8500 Quadratmetern Verkaufsfläche dürften diese aber am unteren Rand dessen liegen, was „Obi“ auf seiner Homepage als ideales Standortprofil angibt: Minimum 15 000 Quadratmeter Grundstücksfläche. Auch die Zufahrt über die Friedrichstädter Straße, die nur über eine kurze Spur für Linksabbieger verfügt, gilt als nicht ideal. Eine „Obi“-Sprecherin wollte „zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein offizielles Statement“ zum Standort Rendsburg abgeben.

Über ihre Möglichkeiten in der Transfergesellschaft werden die „Praktiker“-Beschäftigten heute auf einer Versammlung durch den TÜV Nord Transfer informiert. Der letzte Verkaufstag wurde ihnen schon mitgeteilt: 30. November.

Damit sind sie einen Schritt weiter als im benachbarten „ProMarkt“. Beim mit 1600 Quadratmetern Ladenfläche deutlich kleineren Elektrofachmarkt läuft der Abverkauf bereits seit dem 5. August. „Es gibt noch kein Schließungsdatum“, sagt Sprecher Andreas Krämer vom ProMarkt-Mutterkonzern Rewe in Köln. Gesucht werde weiter nach einer Lösung für Rendsburg. Bis zur Insolvenz arbeiteten im ProMarkt 22 Beschäftigte. Der bisherige Marktmanager gehört schon nicht mehr zum Haus. Er habe sich, so ein Mitarbeiter am Telefon, „umorientiert“.

„Praktiker“-Betriebsrat Rotter bittet alle Kunden unterdessen, während des Ausverkaufs fair mit den Mitarbeitern umzugehen. Aggressives Feilschen führe zu nichts. Rotter: „Die Preisentscheidungen werden nicht mehr im Haus, sondern extern getroffen.“

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