Rendsburg : Das Leben des Brückenbauers

Stabil und einfach schön: Friedrich Voß hat mit der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke sein Meisterstück geschaffen. Foto: H. Doose
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Stabil und einfach schön: Friedrich Voß hat mit der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke sein Meisterstück geschaffen. Foto: H. Doose

Museumsleiter Martin Westphal bereitet eine Ausstellung über Friedrich Voß vor.

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03. April 2013, 09:16 Uhr

Rendsburg | Ein Leben für den Stahl, verpackt in neun kleinen Kartons. In den Rendsburger Museen im Kulturzentrum liegt der Nachlass des Brückenbauers Friedrich Voß - bis zum September soll daraus eine Ausstellung werden. "Es handelt sich hier lediglich um einen Teil der Dokumente aus Voß’ Leben, viel ist bei einem Bombenangriff 1942 zerstört worden", erklärt Museumsleiter Martin Westphal. Der Nachlass des begnadeten Brückenbauers wurde von der Fielmann-Stiftung für das Museum erworben.

"Er war ein Brückenfanatiker", sagt Westphal nach einer ersten Durchsicht der Dokumente, die in drei großen Umzugskartons angeliefert wurden. Inzwischen ist das Material vorsortiert- und beim Stöbern in den Kartons bestätigt sich der Eindruck des Museumsleiters: Hunderte von Fotos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden sich hier. Aus Rheine, Magdeburg, Hochdonn, Friedrichstadt - und immer wieder aus Rendsburg. Hier hat Friedrich Voß zwischen 1911 und 1913 sein Meisterwerk abgeliefert. Vielleicht lag es auch daran, dass der Ästhet der erste war, der eine Brücke nicht allein nach dreidimensionalen Zeichnungen fertigte - er baute aus Pappe, Kleister und Gips ein Modell im Maßstab 1:500, an dem alle Linien gut deutlich wurden. Dass Voß sein Leben dem Brückenbau gewidmet hat, geht aus vielen Schriftstücken hervor. So beispielsweise aus einem Terminkalender von 1948 - auf vielen Seiten finden sich hingeworfene Zeichnungen von Brücken - so, als könnten sie sofort gebaut werden. Und Tochter Herta Ehrich berichtet in einem Aufsatz über ihren Vater, dass dieser selbst kurz vor seinem Tode 1953 mit über 80 Jahren zu einem Kontrollgang auf der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke unterwegs war.

Die diversen Schriftstücke bergen auch Informationen, die bisher unbekannt waren. Zum Beispiel, dass Voß als Honorar für die Eiderbrücke in Friedrichstadt 1915 ein Honorar von 28 000 Reichsmark erhalten sollte. Darin enthalten waren Entwurf, Bauleitung und -aufsicht sowie sämtliche Reisespesen. Oder ein undatiertes Angebot der Technischen Hochschule München, in Bayern eine Professur für Brückenbau anzutreten. Für den Bau der Rendsburger Brücke soll Voß übrigens zwischen 12 000 und 15 000 Mark erhalten haben.

Martin Westphal hat jetzt die Aufgabe, aus dem Nachlass eine Ausstellung zu schmieden, die den Besuchern sowohl den Brückenbauer als auch den Menschen Friedrich Voß näherbringen soll.

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