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Streik : Das lange Warten auf den nächsten Zug

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Rendsburger Bahnhof fallen in den kommenden Tagen mehr als die Hälfte aller Verbindungen aus. Reisende nehmen die Probleme mit Humor.

Um 13.57 Uhr verlässt gestern die Regionalbahn in Richtung Neumünster den Rendsburger Bahnhof. Danach ist der Bahnsteig 1 wie leer gefegt. Auf den Plattformen zu den Gleisen 2, 3 und 4 sieht es nicht anders aus. Nur ein paar Krähen hüpfen an den leeren Wartebänken vorbei – dann entschwinden auch sie. Der aktuelle Bahnstreik hat den Rendsburger Bahnverkehr voll im Griff. Und das wird noch ein paar Tage so bleiben: Nach Angaben der Lokführer-Gewerkschaft GDL soll der Streik noch bis einschließlich Montag, 10. November, um 4 Uhr andauern soll.

Unter den Zugausfällen und Verspätungen hat Nori Wiepert zu leiden. Der Rendsburger arbeitet seit einem halben Jahr als Teamleiter im Schichtdienst für den Dienstleister Perry & Knorr in Flensburg. „Unabhängig vom Streik sind Verspätungen bei der Bahn an der Tagesordnung“, erzählt er. Damit er dennoch pünktlich zur Arbeit kommt, nimmt er meist einen Zug früher als nötig. Am Donnerstag hat er um 14.30 Uhr Dienstbeginn. Auf der Internetseite der Bahn hatte Wiepert gesehen, dass es um 12.03 Uhr eine Verbindung geben sollte. Da das nicht der Fall war, sitzt er seitdem am Bahnsteig und wartet. Ob er nach seinem Dienst zurück nach Rendsburg kommt, weiß er nicht. „Wenn gar nichts geht, kann ich mich bei einem Arbeitskollegen einquartieren“, meint er. Wiepert regt sich nicht darüber auf. Nervig sei es aber schon, gibt er zu. Wenig später – um 13.09 Uhr – fährt ein Zug nach Flensburg ein. Wiepert wird seine Schicht pünktlich antreten können.

So viel Glück hatte gestern nicht jeder. „Seit heute morgen um acht ist noch keine Bahn in Richtung Kiel gefahren – jetzt ist es gleich 13.30 Uhr“, berichtet Wiltrud Endriß. Die 66-Jährige arbeitet seit ihrer Pensionierung an zwei Tagen in der Woche für die Rendsburger Bahnhofsmission. Manchmal sei sie der seelische Mülleimer für entnervte Bahnreisende, sagt sie. Die Ausfälle durch den erneuten Streik würden die meisten aber überwiegend humorvoll nehmen. „Es sind eher die Jugendlichen, die motzen“, weiß Endriß aus Erfahrung. Damit die Schüler der Rendsburger Schulen zum Unterricht und wieder nach Hause kommen, soll laut Notfallplan der Bahn alle zwei Stunden ein Zug nach Nortorf und einer nach Owschlag fahren.

Ob das tatsächlich klappt, ist offen. Rendsburger, die am Wochenende mit der Bahn reisen wollen, sollten viel Zeit einplanen. Selbst für eine Auskunft im Kundencenter muss man derzeit lange anstehen.

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