zur Navigation springen

Neue Apotheken-Notdienste : „Das ist eindeutig keine Verbesserung“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Interview spricht die Ärztin Gloria Lawrenz über Probleme bei der Versorgung mit Medikamenten ab 2015.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Die Neuordnung der Apotheken-Notdienste ab dem 1. Januar 2015 (wir berichteten) stößt nicht überall auf Gegenliebe. Nicht einmal alle Apotheker sind vollends davon überzeugt. Vor allem machen sich aber die Ärzte Sorgen um die Versorgung ihrer Patienten mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Gloria Lawrenz (60) ist seit 24 Jahren niedergelassene Ärztin in Alt Duvenstedt – zunächst zehn Jahre lang als Hausärztin, seit 2000 als Fachärztin für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin. Zudem ist sie seit 2007 Leiterin des hausärztlichen Notdienstes im Notdienst-Bezirk Rendsburg und Abgeordnete für den Kreis Rendsburg-Eckernförde bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH). Im Interview mit Redaktionsmitglied Oleg Strebos spricht sie über mögliche Probleme durch die neue Notdienst-Regelung, über anstehende Gespräche und über die mangelnde Kommunikation der Apothekerkammer mit den Ärzten.

 

Frau Lawrenz, wie bewerten Sie die Neuordnung der Apotheken-Notdienste ab Januar 2015?

Gloria Lawrenz: Es ist eine deutliche Verschlechterung in der Patientenversorgung an Sonntagen und Feiertagen.

 

Worin sehen Sie die größten Probleme?

Die Erreichbarkeit von Notdienst-Apotheken an Sonn- und Feiertagen hat sich hier deutlich verschlechtert. Die Entfernungen zu den diensthabenden Apotheken werden für viele Bürger in vielen Fällen größer. Man braucht nur in den Notdienstplan für Januar 2015 für den Notdienstbezirk Rendsburg zu schauen. Dann sieht man gleich, was die Neuordnung für Rendsburg und Umgebung bedeutet. Gleich am 1. Januar haben die Apotheken in Elsdorf-Westermühlen, in Fleckeby und die Apotheke am Prüner Gang in Kiel Dienst. Am 2. Januar sind Apotheken in Jevenstedt, Kropp und Gettorf dienstbereit. Da sieht man gleich, wie sehr das Netz der dienstbereiten Apotheken ausgedünnt wurde.

 

Was bedeutet das für die Patienten, die nachts oder am Wochenende dringend Medikamente benötigen?

Die KVSH hat vor sieben Jahren ein sehr effizientes Notdienst-System auf die Beine gestellt. Es gibt in Schleswig-Holstein 30 Anlaufpraxen mit einem dazugehörigen Radius von rund 30 Kilometern für den fahrenden hausärztlichen Notdienst. Und die Menschen, die zu uns kommen, sind ja nun nicht gesund – sonst würden sie nicht kommen. Die Mehrzahl von ihnen braucht ein Medikament. Und in Rendsburg und Umgebung gibt es viele Menschen, die kein Auto haben und auch nur schwer an eine Fahrgelegenheit herankommen. Ich denke dabei zum Beispiel an die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, eines davon hoch fiebernd erkrankt und ohne liebevolle Großeltern, die auf die Schnelle ein Auto zur Verfügung stellen können. Wie, bitte, soll diese Mutter denn am Feiertag oder in der Nacht nach Elsdorf-Westermühlen oder Fleckeby kommen – vor allem im Winter? Oder wie sollen das alte Menschen schaffen? Soweit mir bekannt ist, sind Bus- und Bahnverbindungen an Sonn- und Feiertagen in Schleswig-Holstein nicht gerade üppig – sofern es sie überhaupt gibt.

 

Welche Probleme befürchten Sie in welchen Gebieten am ehesten?

Problematisch wird es vor allem in den ländlichen Gebieten werden. In den größeren Städten wie Kiel, Lübeck oder Flensburg dürften sicher weniger Schwierigkeiten auftreten. Aber Kleinstädte mit ländlicher Umgebung werden ein Problem bekommen.

 

Gibt es aus Ihrer Sicht auch Vorteile, die für die Neuordnung sprechen?

Das kann ich nicht beantworten, da ich die Motive der Apothekerkammer für die Neuordnung nicht kenne. Die Apothekerkammer hat vor ihrem Beschluss nicht mit der KVSH gesprochen, sodass wir von dieser neuen Verordnung nichts wussten und damit ziemlich überrascht wurden.

 

Was werden Sie beziehungsweise was wird die KVSH nun unternehmen?

Wir haben noch drei Monate Zeit, etwas dagegen zu tun. In dieser Woche ist – soweit ich weiß – ein Gespräch zwischen der Apothekerkammer und Monika Schliffke (Vorstandsvorsitzende der KVSH, Anmerkung der Redaktion) sowie dem Leiter der Notdienstabteilung Alexander Paquet geplant. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein erhält Kenntnis, die Imland-Klinik und der Leiter des Gesundheitsamtes beim Kreis (Armin Kalmbach, Anm. d. Red.) wurden von mir informiert. Und ich habe mich in dieser Sache auch an den Landrat (Dr. Rolf-Oliver Schwemer, Anm. d. Red.) gewandt.

 

Wie stellen Sie sich eine mögliche Neuordnung vor?

Da ich wie gesagt das Motiv für diese Neuordnung nicht kenne und mir bislang keine Unzufriedenheit mit dem bisherigen System der regionalen Regelung zu Ohren gekommen ist, kann ich zu einer möglichen Verbesserung nichts sagen. Das, was ich hier sehe, ist aus meiner Sicht für unseren Notdienstbezirk Rendsburg eindeutig keine Verbesserung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert