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Landeszeitung

22. August 2017 | 23:12 Uhr

Das ist die schönste Kuh im Kreis

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jüngstes Tier zum „Grand Champion“ bei Rinderschau in Jevenstedt gekürt / Schwarzbunte setzte sich gegen starke Konkurrenz durch

Wenn „Summer“ im Stall steht, ist sie eine von vielen. Und auch für den Laien sieht sie aus wie eine ganz normale schwarzbunte Kuh. Für die Preisrichter bei der Kreisrinderschau jedoch war sie etwas ganz Besonderes – und trägt deshalb seit Mittwochabend den Titel „Grand Champion“. Summer ist damit die schönste Kuh im Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Bei ihrer alles entscheidenden Bewertung haben Cord Hormann und Phillip Ellerbrock aber nicht etwa auf die längsten Wimpern, die treuesten Augen, die rosigste Nase oder die schönsten Flecken geachtet. Vielmehr kommen in dem Urteil ganz praktische Faktoren zum Tragen: Für Summer sprach unter anderem, dass sie unter allen Teilnehmerinnen „das beste Euter hat. Und noch dazu ein schönes, breit angelegtes Becken“, so die beiden Preisrichter. Außerdem sei sie geschlossen in der Schulter und habe eine starke Oberlinie, womit die Wirbelsäule gemeint ist. Heiko Wendell-Andresen aus dem Vorstand der Genossenschaft Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH), die die Schau veranstaltet hat, erklärt, worauf es ankommt: „Das Euter spielt die wichtigste Rolle. Es muss festansitzend sein.“ Das bedeutet, dass das Euter weit oben am Körper sitzen sollte. Wichtig sei außerdem, so der Beringstedter, dass die Kuh hohe und geschlossene Klauen hat, elegant ist und Ausstrahlung besitzt, dazu gehört unter anderem ein langer Hals, ein edler Kopf und ein breiter Rippenabstand. Und während er das erzählt, gerät Wendell-Andresen ins Schwärmen. „Einer schönen Kuh sieht man an, dass sie problemlos und gesund in der Milchproduktion eingesetzt werden kann.“ Für alle, die sich in der Landwirtschaft nicht auskennen, zieht er einen Vergleich: „Eine gute Kuh ist wie ein Rennwagen. Wenn alles zusammenpasst und funktioniert, dann erzielt sie auch gute Ergebnisse.“

Weil eine betagte Kuh nicht mit einer jungen zu vergleichen ist, treten die Rinder bei der Tierschau in drei verschiedenen Altersklassen an: Färsen (Kühe, die erst einmal gekalbt haben), Kühe, die zwei- bis dreimal gekalbt haben und ältere Kühe (vier oder mehr Kalbungen). Dabei profitieren die älteren Tiere etwa davon, dass sie meist über breitere Rippen verfügen, während die jüngeren ein festansitzenderes Euter haben. Um mit Kühen derselben Liga zu konkurrieren, wird eben unterteilt. Summer ging als jüngste Kuh auf der ganzen Schau in den Ring. Sie wurde am 22. Januar 2015 geboren und ist erst seit einem guten Monat eine Kuh – da hat sie zum ersten Mal gekalbt. Bei der Schau trug sie passenderweise die Startnummer 1.

Von Aufregung war im Vorfeld – zumindest bei den Tieren – aber nichts zu merken. Schon zu Hause wurden sie von ihren Haltern beispielsweise geschoren. Eine Prozedur, für die Jungzüchter Hinnerk Templin rund zwei Stunden pro Tier braucht. Der 22-Jährige aus Felm hat sich seit vergangenem Donnerstag auf das Ereignis vorbereitet: Seine drei Kühe durften seitdem in Strohboxen stehen, wurden gewaschen und mit Kraftfutter aus der Wanne gefüttert. „So ist das für die Tiere nichts Ungewöhnliches mehr, wenn sie auf der Schau aus Wannen und Eimern fressen und trinken sollen.“ Er habe seine Tiere durchaus ein wenig verwöhnt, gesteht Templin, der bereits mit zwölf Jahren erste Erfahrungen auf Schauen gemacht hat und deshalb auch nicht aufgeregt war.

In Jevenstedt angekommen, wurden alle Kühe noch einmal gewaschen und letzte Hand angelegt. Bei großen Veranstaltungen auf Landes- oder Bundesebene werden den Tieren richtige Schaufrisuren verpasst. Mitunter werden sogar Profis aus den Vereinigten Staaten von Amerika eingeflogen, wo der Ursprung für die Rinderpräsentationen liegt. „Da kommt sogar Kuhhaarspray zum Einsatz“, weiß RSH-Pressesprecherin Melanie Gockel. Soweit gehen die Bauern aus Rendsburg-Eckernförde aber nicht. Vereinzelt surren noch einmal Schergeräte auf, wenn irgendwo ein bisschen ausgebessert wird, und Babyöl am Euter betont Adern und Drüsengewebe. „Das unterstreicht den Milchcharakter des Tieres“, erklärt Hinnerk Templin. Ellen Schramm hingegen half im Team von Heiko Wendell-Andresen aus, der mit 13 Tieren bei der Kreisschau angetreten war. Zu Schramms Aufgaben gehörte es am Wettkampftag unter anderem, die Kuhschwänze durchzubürsten. „Die ganze Vorbereitung ist schon harte Arbeit, aber wenn alles gut läuft, dann ist das wirklich schön.“ Und der Einsatz hat sich gelohnt – denn letztlich hatte die 22-Jährige Siegerkuh Summer unter ihren Fittichen.

„Summer hat das wirklich gut gemacht, sie war total entspannt“, sagt Wendell-Andresen. „Das liegt daran, dass sie schon als Kalb bei zwei Schauen mit meinem Sohn Justus mitgegangen ist.“ Die Qualität der präsentierten Tiere sei sehr hoch gewesen, deshalb habe er auch nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Summer als Gesamtsiegerin aus dem Wettkampf hervorgeht, gibt der Landwirt zu. „Das war schon eine enge Entscheidung, aber ich hätte im Vorfeld auch eher auf eine meiner anderen Kühe getippt“, sagt Wendell-Andresen. Der frisch gekürte „Grand Champion“ gehört ihm allerdings nicht allein, sondern dem Züchterclub Canadian Cattle Club. Dem Namen entsprechend kommt die neue Schönheitskönigin ursprünglich aus dem nordamerikanischen Land. Dort hat sich bereits ihre Mutter bei vielen Schauen einen guten Namen erarbeitet – und ihre guten Gene offensichtlich weitervererbt. Die nutzen nun den Züchtern: Die Nachkommen gekürter Kühe erzielen am Markt häufig höhere Preise.

Summer selbst merkt von ihrem Sonderstatus nichts. Sie steht nun wieder als eine von vielen im Stall und blickt einem Leben mit weiteren Tierschauen entgegen.

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erstellt am 14.Jul.2017 | 00:00 Uhr

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