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Fussball : „Das ist der Lohn für harte Arbeit“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Exklusiv-Interview mit der Landeszeitung spricht Christian Heider über die Aufstiegschancen und seine Zukunftspläne mit dem RTSV.

Platz eins – 25 Punkte. In den letzten fünf Jahren  stand der Rendsburger TSV nach zwölf Spielen in der Fußball-Verbandsliga Nord-Ost nie so gut da wie jetzt. Am Wochenende ist die Mannschaft von Christian Heider (42) spielfrei. Zeit, um mit dem Trainer über eine erste Zwischenbilanz zu sprechen. Am Ende des Artikels haben Sie die Möglichkeit, uns in einer Umfrage Ihre Meinung mitzuteilen.

Herr Heider, in der jüngsten Vergangenheit ist der Rendsburger TSV noch nie so gut in eine Saison gestartet. Ist der Aufstieg in diesem Jahr endlich fällig?

Heider: Das ist noch ein sehr langer Weg.

Ein Drittel ist immerhin schon geschafft.

Das stimmt, aber es ist eine sehr ausgeglichene Spielklasse. Das, was wir bisher erreicht haben, liegt an dem Fleiß der Mannschaft. Ich sehe uns nicht als den absoluten Favoriten.

Der Kader hat aber durchaus die Qualität für den Titel, oder?

Wir haben besonders mit Thore Bannow und Franjo Grbavac gute Fußballer verloren und den Kader verkleinert, weil der mir mit 25 Mann einfach zu groß war. Ich baue jetzt auf Spieler, von denen ich glaube, dass sie sich zu Leistungsträgern entwickeln, wie beispielsweise Serdzan und Mosad Redzepovski oder auch Yannik Herzig, die keiner so richtig auf dem Zettel hatte. Zudem haben wir eine ganz junge Mannschaft. Zuletzt war Christian Sievers mit seinen 27 Jahren der älteste Spieler im Kader.

Was macht den derzeitigen Erfolg aus?

Das ist der Lohn für harte Arbeit. Die Spieler setzen die Dinge, die ich ihnen an die Hand gebe,  zum Großteil sehr gut um. Und umgekehrt denke ich, dass sie das Vertrauen in mich haben, dass meine Vorgaben richtig sind und sie weiterbringen. Es passt momentan einfach alles. Aber wir dürfen uns darauf natürlich nicht ausruhen, sondern müssen den Weg weitergehen.

Könnte man sagen, dass die Chance auf den Aufstieg in dieser Saison so groß ist wie lang nicht?

Wenn die Jungs so weitermachen und wir verletzungsfrei durch das Jahr kommen, werden wir bestimmt ein Wörtchen um den Titel mitreden, auch wenn es bis zum Ende eine enge Kiste bleiben wird.  Wenn ich die Spiele Revue passieren lasse, in denen wir Punkte liegen gelassen haben, war lediglich die erste Halbzeit gegen Molfsee nicht gut. Ansonsten habe ich bisher keine Mannschaft gesehen, die wirklich besser war als wir.

Wer ist aus Ihrer Sicht der größte Konkurrent?

Es haben bestimmt sieben oder acht Mannschaften die Chance auf die Spitze. An erster Stelle ist aber der TSV Klausdorf zu nennen, der einen sehr abgebrühten Fußball spielt und sich selten aus der Ruhe bringen lässt.

Der RTSV stellt mit 30 Toren den besten Angriff und mit 20 Gegentreffern die anfälligste Abwehr der Topteams. Sie kennen die Weisheit von der Offensive, die Spiele gewinnt und der Defensive, die Titel holt?

Na klar (schmunzelt).

Wo liegt der Grund für diese beiden extremen Werte?

Es ist grundsätzlich ein Problem des Systems. Im modernen Fußball spielt auf dem Platz nicht jeder seine eigene Brause, sondern  es arbeiten Teams und Gruppen zusammen, die Viererkette oder im Mittelfeld, wo Pärchen agieren. Wenn ich mir unsere Spiele aufrufe, würde ich sagen, dass wir immer an die 65 Prozent Ballbesitz hatten. Daraus haben wir viele Treffer durch viele verschiedene Torschützen erzielt. Wenn man aber dem Gegner mit 35 Prozent Ballbesitz dann so viele Tore erlaubt, dann passt da etwas nicht.

Und das ist genau was?

Ich habe das so ausgemacht, dass sich bisweilen jeder auf den anderen verlässt. Wenn man zwei Mann im Mittelfeld hat, weiß eigentlich jeder was er zu tun hat. Der eine deckt die linke Seite ab, der andere die rechte. Spielt man mit vier Mittelfeldspielern, passiert es bei uns, dass der eine denkt, er müsse den Weg nicht machen, weil sein Nebenmann zuständig sei. Da fehlt es an der Abstimmung. Die Art und Weise, wie wir unsere Gegentore bekommen ist manchmal haarsträubend. Dass wir es können, haben auf der anderen Seite die Topspiele gegen Laboe und Klausdorf gezeigt, die wir  zu null gewonnen haben.

Also ist die mangelnde Konstanz die größte Baustelle?

Die Mannschaft hat sicherlich noch Probleme  damit, das vorgegebene System über 90 Minuten umzusetzen. Da haben wir noch Probleme. Aber da muss man ihr noch Zeit geben. Und ehrlich gesagt, spielt das Team einen wirklich schön anzusehenden Fußball, so ansehnlich wie seit Jahren nicht mehr.

Wie steht es um den Verein? Im Umfeld gibt es einiges zu tun.

Wir sind in diesem Bereich noch lange nicht dort, wo ich hin möchte. Als Unterbau für die Liga schwebt mir eine U23 vor. Die Planungen dafür fangen jetzt an. Das Problem dabei ist, dass ich zwar ein tolles Training und eine super Ausbildung versprechen kann, die Mannschaft aber  zunächst nur in der Kreisklasse spielen würde. Insgesamt sind die Strukturen natürlich sehr verbesserungswürdig. Wir haben weder einen Liga- noch einen Fußballobmann. Um das so aufzubauen, wie es sein sollte, braucht man eine Menge Geld und Sponsoren. Es geht darum, Strukturen zu schaffen. In unserer Region sehe ich im Moment keinen Verein, der so etwas schaffen könnte wie beispielsweise der Preetzer TSV. Dort gibt es eine sehr ordentliche Jugendabteilung, je ein Team in der SH- und Verbandsliga und noch eine dritte Mannschaft. Ich denke, dazu müsste man die Kräfte bündeln. Bei uns am Nobiskrug spielen Mannschaften aus drei Vereinen. Da frage ich mich, warum das so ist und ob das noch sinnvoll ist.

Wäre ein Aufstieg vor diesem Hintergrund eher hinderlich oder förderlich?

Wir haben eine junge Mannschaft und könnten uns in der SH-Liga weiter entwickeln, aber wir müssten im Falle des Aufstiegs unseren Kader verbreitern. Das Grundgerüst allerdings soll bestehen bleiben. Für den Nachwuchs in dieser Region wäre es wichtig, wenn sie wieder einen Verein hätten, der in dieser Klasse spielt. Denn sonst wandern die Talente alle ab, nach Kropp, Heide oder in den Kieler Raum.

Gelingt dem Rendsburger TSV in dieser Saison der Aufstieg in die Schleswig-Holstein-Liga?

Ja, die Mannschaft ist auf dem richtigen Weg und wird in diesem Jahr endlich ganz oben stehen.
26 Stimmen
26,8%
Nein, für den RTSV wird es am Ende wieder einmal nicht reichen.
71 Stimmen
73,2%
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erstellt am 21.Okt.2013 | 10:45 Uhr

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