Kreis Rendsburg-Eckernförde : Das Hochwasser macht Bauern zu schaffen

Kein See, sondern Weidefläche: Karsten Voss steht auf seinem Feld, das wegen der Regenmassen der vergangenen Wochen überschwemmt ist.Schaupp
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Kein See, sondern Weidefläche: Karsten Voss steht auf seinem Feld, das wegen der Regenmassen der vergangenen Wochen überschwemmt ist.Schaupp

Landwirten aus dem Kreis drohen durch die Regenmassen der vergangenen Wochen Einbußen bei der Ernte und Mehrkosten.

shz.de von
17. Januar 2015, 17:00 Uhr

Heinkenborstel | Seit Dezember regenete es – von einigen kurzen Unterbrechungen abgesehen – ohne Unterlass. Die Wassermassen haben auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. So dürfte ab dem 1. Februar Gülle ausgebracht werden, was jedoch nicht erlaubt ist, wenn die Böden derart wassergesättigt sind wie vielerorts im Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Wenn wir jetzt Dünger ausbringen, würde er nicht auf dem Feld bleiben, sondern ins Grundwasser sickern, und das wollen wir nicht“, erklärt Klaus-Peter Lucht, Präsident des Kreisbauernverbandes. Das bedeutet, dass erst später gedüngt werden kann als erlaubt, was wiederum zur Folge hat, dass Pflanzen, die auf diese Weise wichtige Nährstoffe erhalten, später und langsamer wachsen. Das ist verbunden mit Ernte-Einbußen für die Landwirte.

Besonders problematisch könnte es aus einem anderen Grund für Getreidebauern werden: Weizen und Wintergerste werden im Herbst des Vorjahres ausgesät. Schon fünf Tage stehendes Gewässer schaden dem Saatgut in der Erde. „Mit Pech muss der Acker wieder umgebrochen und beispielsweise Sommerraps gesät werden, um auf dieser Fläche überhaupt etwas ernten zu können“, so Lucht. Für den Landwirt sind das doppelte Kosten: Zum einen hat er weniger Ertrag und zum anderen muss er die Kosten für das erneute Aussäen tragen.

Karsten Voss aus Heinkenborstel hat immer wieder mit überschwemmten Flächen zu tun. Schon seit Wochen ist eines seiner Felder zwischen Aukrug und Heinkenborstel überflutet. „Auf meiner Fläche liegt der tiefste Punkt in der Gegend. Wenn es viel regnet, sammelt sich hier das Wasser“, erklärt Voss. Eigentlich ist das Feld des Milchviehbauern dräniert. Das bedeutet, dass das Wasser im Boden durch einen Graben in Richtung des Flusses Fuhlenau abgeleitet wird. Regnet es jedoch zu viel, kann der Graben die Wassermassen nicht bewältigen und überschwemmt die Fläche – zusätzlich zum Regen. „Im Grunde ist das hier ein Rückhaltebecken für Starkregenereignisse“, sagt Voss, der leiderprobt ist. „Diese Fläche ist 16 Hektar groß. Davon stehen zehn Hektar oft unter Wasser.“ So schlimm wie zuletzt sei es in den vergangenen zehn Jahren allerdings nur zweimal gewesen.

Voss nutzt die Fläche, um hier Heu für seine Tiere zu machen sowie als Weideland. „Durch das Wasser gehen die Gräser, die für meine Kühe gut zu verwerten sind, kaputt. Stattdessen wächst zum Beispiel Schilfgras.“ Um seinen Tieren gut verwertbares Futter anbieten zu können, wird er nach dem ersten Schnitt auf der Fläche entsprechende Saat einbringen müssen.

Bleibt es nun trocken, würde es etwa fünf bis sieben Tage dauern, bis nur noch Pfützen von den Wassermassen übrig sind. „Aber erst in etwa vier Wochen ist der Boden trocken genug, dass ich düngen kann. Bewirtschaftungstechnisch werde ich hier irgendwann verhungern.“

Bei all der Arbeit und den zusätzlichen Kosten, die Voss nun ins Haus stehen, hat er seinen Humor aber trotzdem behalten: „Wenn es jetzt kalt wird und friert, kann man hier Schlittschuh laufen. Und das auch noch ohne die Gefahr zu ertrinken, wenn man einbricht. Das Wasser ist ja schließlich nur 30 bis 40 Zentimeter tief.“

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