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Interview : „Das deutsche Bier ist wirklich gut“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dafydd Jones, Student aus der Partnerstadt Lancester, ist für ein Praktikum zu Gast in Rendsburg und packt beim „Herbst“ mit an.

Drei Jubiläen kann Rendsburg während des Stadtfestes mit seinen Partnerstädten feiern. Vertreter aus Estland, Polen und den Niederlanden sind dafür angereist. Mit der Partnerstadt Lancester gibt es zwar kein Jubiläum, von dort ist aber trotzdem jemand zu Besuch, der gleich für mehrere Wochen bleibt. Dafydd Jones absolviert gerade ein Praktikum im Rathaus und feiert am Freitag seinen 24. Geburtstag in Rendsburg. Mit unserem Redaktionsmitglied Anne Welkener sprach er über sein Heimatgefühl, seine Sicht auf Deutschland und die Arbeit im Rathaus.

Herr Jones, Sie sagen von sich selbst, Sie seien ein Britannier, der sein Kopfkissen gern in Wales hätte. Was meinen Sie damit?

Dafydd Jones: Ich bin in London geboren, aber meine ganze Familie ist walisisch. Deshalb auch der außergewöhnliche Vorname. Das spricht sich: Dawiff. Obwohl ich in London aufgewachsen bin, waren wir in den Ferien immer in Wales. Trotzdem werde ich wohl nie dorthin ziehen, dafür ist Wales mir einfach zu klein. Aber man weiß ja nie. Ich hätte auch nicht gedacht, mal in Rendsburg zu sein.

Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin vor etwa einem Jahr im Rahmen meines Studiums nach Heidelberg gegangen. Dort hat mir eine Dozentin empfohlen, mich in der Partnerstadt von Lancester, wo ich studiere, um ein Praktikum zu bemühen. Obwohl ich mich erst vor einem Monat bei Frau John vom Fachbereich Bildung gemeldet habe, bin ich jetzt für gute drei Wochen Praktikant im Rathaus.

Was studieren Sie?

German Studies – das ist eine komische Mischung aus Kulturwissenschaften, Übersetzung und Germanistik. Das ist sehr fächerübergreifend. Ich hatte Vorlesungen zu deutscher Geschichte und deutscher Wirtschaft. Auch Französisch habe ich studiert, das hilft beim Übersetzen.

In Deutschland haben Sie auch für Ihre Bachelor-Thesis geforscht. Worum geht es in Ihrer Abschlussarbeit?

Ich schreibe über das Thema „Jazzmusik in der DDR in den 50-er und 60-er Jahren“. Jazz interessiert mich, und die DDR ist das Spezialgebiet meines Dozenten. Für die Forschung war ich unter anderem im DDR-Museum in Berlin.

Seit einer Woche sind Sie nun in der Kanalstadt. Wie gefällt es Ihnen hier?

Rendsburg ist eine schöne kleine Stadt, sehr fröhlich. Das hat glaube ich viel mit dem Wasser und der frischen Luft zu tun. Alle grüßen mich freundlich, das ist in anderen Städten nicht so.

Wie sieht es denn mit den Vorurteilen gegenüber uns Deutschen aus? Sehen Sie hier einige bestätigt?

Es wird gesagt, dass die Deutschen Fleisch lieben und gern Bier trinken, das stimmt. Das deutsche Bier ist auch wirklich so gut wie sein Ruf. Und die Deutschen sind sehr effizient – alles geht schneller.

Auch die Bürokratie?

Nun ja, hier gibt es schon eine Menge Papierkram. Besonders in der Verwaltung der Universität habe ich das gemerkt. Die Öffnungszeiten sind kurz und komisch. Wenn man freitags jemanden erreichen möchte, hat man schlechte Karten, weil das Büro von 9 bis 10 Uhr geöffnet ist – mittwochs. Ständig braucht man irgendwelche Stempel oder hört „Da bin ich nicht zuständig“.

Jetzt arbeiten Sie selbst in einer deutschen Verwaltung. Wofür sind Sie zuständig?

Ich unterstütze meine Kollegen beim Rendsburger Herbst. Dass wir jetzt die Jubiläen mit den Partnerstädten haben, ist prima. So kann ich die ausländischen Gäste betreuen, ein bisschen dolmetschen und Reden für den Bürgermeister übersetzen. Ich helfe aber auch bei der Technik für die Musikveranstaltungen.

Sie sprechen fließend und beinahe akzentfrei Deutsch. Wann haben Sie das gelernt?

Ich hatte drei Jahre lang in der Schule Deutschunterricht. Dann war ich vor einigen Jahren für sieben Monate in der Nähe von Hamburg. Aber seit ich nach Heidelberg gegangen bin, habe ich das meiste gelernt.

Gibt es trotzdem noch Wörter, die Ihnen schwer fallen?

Eigentlich alle Wörter mich Ch- am Anfang. Das schlimmste ist Chirurgie. Aber ich liebe die Redewendung „doppelt gemoppelt“.

Kommt es für Sie in Frage, nach Deutschland auszuwandern?

Ich könnte mir vorstellen, für ein paar Jahre hier zu leben, aber meine Tante hat auch gesagt: „Nur ein paar Jahre, dann komme ich zurück nach England“, und jetzt ist sie schon über 30 Jahre hier.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 20:08 Uhr

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