Zu Ehren Bachs : Das Beste aus 1111 Kompositionen

Sänger und Musiker machten ihre Sache gut, angespornt und geleitet von Volker Linhardt.
Sänger und Musiker machten ihre Sache gut, angespornt und geleitet von Volker Linhardt.

Zu Ehren Johann Sebastian Bachs: Konzertabend mit Kantatenchor St. Marien, Naturtrompeten-Ensemble und Solisten.

shz.de von
11. Juni 2018, 09:49 Uhr

Rendsburg | „Bach verkündet uns, dass das Irdische nicht alles ist, dass es noch eine höhere Welt gibt“, zitiert Volker Linhardt den Musikwissenschaftler Christoph Wolff. Wie sehr das zutrifft, konnte man selbst in drei Stunden, 333 Jahre nach der Geburt des weltweit am meisten gespielten Komponisten erfahren. Für „bach 333 musik & mehr“ hatte Volker Linhardt aus über 1111 Werken für sein neues Konzertformat Sätze aus der Johannes- und Matthäus-Passion sowie aus Kantaten und Solowerken zusammengestellt.

Ein Abend, nicht nur zu Ehren Bachs, für den Volker Linhardt als Gäste herausragende Solisten zur Ergänzung des ebenfalls in besonderer Qualität singenden Kantatenchors St. Marien engagiert hatte. Darunter das Naturtrompeten-Ensemble Russell Gilmour aus London (gerade in Deutschland unterwegs, auch ein Grund für Terminkollisionen an diesem mit Kultur so überreichlich bestückten Wochenende), Miriam Meyer (Sopran), Juliane Sandberger (Alt), Michael Connaire (Tenor), Jan-Hendrik Jensch (Bass), Volker Mühlberg (Violine), Milo Machover (Traversflöte), Anabel Röser (Oboe), Rainer Luxem (Lesungen) und Volker Linhardt selbst an der großen Orgel. Er dirigierte nicht nur, sondern spielte auch die berühmte d-Moll-Toccata BWV 565. Zuerst vorwärts, nach Rainer Luxems Lesung „Im Knast“ sogar gespiegelt rückwärts nach einer Idee des Komponisten Enjott Schneider. Zunächst von ihm als Klamauk gedacht. Auch wer das nicht wusste, erkannte sogar darin die Größe dieses Werkes. Kurios: Weder die Tonart d-Moll, die Orgel als Instrument oder gar Johann Sebastian Bach als Komponist gelten als gesichert.

Volker Linhardt hat mit diesem Bach-Programm aus verschiedenen Genres viel mehr als nur einen „schönen und spannenden Abend“ zusammen gestellt. Die besondere Note mit Pause – dem Wetter sei gedankt – kam gut an. Ebenso die herausragenden Leistungen der Solisten, gesanglich als auch instrumental auf wohlklingenden historischen Instrumenten.

Abwechslungsreicher, eindrucksvoller und unverkrampfter ist das Werk Johann Sebastian Bachs kaum darzustellen. Diese Edelsteine aus seinem Werk in Form zweier Konzerte mit Erfrischungspause bleiben unvergesslich als Erinnerungen an den Abend des 9. Juni 2018. „Bei Bach geht alles“ hatte Volker Linhardt zuvor verkündet. Von „Du wollest dem Feinde nicht geben die Seele deiner Turteltauben (aus der Ratswahl-Kantate BWV 71; Psalm 74,19) bis „Gute Nacht, du Stolz und Pracht! Dir sei ganz, du Lasterleben, gute Nacht gegeben.“ (aus „Jesu, meine Freude BWV 227): Der Streifzug kreuz und quer durch Bachs Schaffen ist gelungen. Bitte mehr davon.

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