Hertie-Haus in Rendsburg : Darum springen Hertie-Investoren ab

Symbol der Rendsburger Innenstadt-Schwierigkeiten: Das ehemalige Hertie-Haus.
Symbol der Rendsburger Innenstadt-Schwierigkeiten: Das ehemalige Hertie-Haus.

Der Rendsburger Unternehmer Michael Demandt rechnet vor, warum ein Neubau am Standort des Ex-Kaufhauses nicht annähernd rentabel ist.

shz.de von
29. Mai 2015, 12:39 Uhr

Sie ist der Ladenhüter unter den Ex-Warenhäusern – die leere Hertie-Immobilie am Altstädter Markt wird seit Jahren wie sauer Bier angeboten. Zuletzt war immerhin von konkreten Verhandlungen die Rede. Doch stets hieß es am Ende: kein Abschluss, kein Verkauf, kein Abriss – Stillstand. Jetzt hat sich der Rendsburger Investor Michael Demandt eingehend mit der Altstadt-Ruine beschäftigt. Ein Neubau mit etwa 30 Mietwohnungen schwebte ihm vor. Der versierte Bauingenieur hat beim Berliner Insolvenzverwalter die Unterlagen angefordert und nachgerechnet. Seine Bilanz ist erschütternd: Wer im Sanierungsgebiet zwischen Marienkirche und Altstädter Markt etwas Neues errichten und vermieten will, kommt nicht ansatzweise auf seine Kosten, selbst mit öffentlicher Förderung nicht, so Demandt: „Es ist ein ganz einfaches Zahlenspiel, und das sagt jedem Investor: An diesem Standort geht es nicht. Das ist meine Einschätzung. Wir kommen beim Hertie-Grundstück nicht annähernd zu einem Ergebnis.“ Die Kalkulation, die diesem Urteil zu Grunde liegt, setzt sich aus Schätzwerten zusammen – und aus der Erfahrung, die ein Mann wie Demandt mitbringt. Der 68-Jährige besitzt ein Wohnungsbauunternehmen mit 20 Millionen Euro Jahresumsatz und 42 Angestellten. Der Rendsburger baut Mietwohnungen, damit wurde er vermögend. „Für den Grunderwerb des Hertie-Grundstücks haben wir in unserer Kalkulation 1,8 Millionen Euro angesetzt“, sagt der Ingenieur. Hinzu kommen nach seiner Berechnung 200  000 Euro Erwerbsnebenkosten (Steuer, Notar, Gericht) und 400  000 Euro für den Abriss des Gebäudes. Weitere 500  000 Euro sind nötig, um den weichen Untergrund zwischen Altem Rathaus und Stegengraben durch Pfahlgründung nachhaltig zu stabilisieren. Zwischenergebnis: Knapp drei Millionen Euro muss ein Investor in die Hand nehmen, bevor auf der innerstädtischen Fläche überhaupt ein Grundstein für Neues gelegt werden kann.

Danach kämpft ein Bauherr mit der nächsten Hürde: Der Größe des Vorhabens sind Grenzen gesetzt. Zwei Stockwerke plus Dachgeschoss wären erlaubt, mehr nicht – dieses Signal bekam Demandt aus der Verwaltung. Zwar gibt es für die Hertie-Fläche keinen Bebauungsplan. Es gilt aber die Baunutzungsverordnung. Sie gibt bundesweit das Spektrum möglicher örtlicher Bestimmungen vor. Im konkreten Fall darf der Neubau die Häuser in der unmittelbaren Umgebung nicht überragen. Nach Demandts Rechnung sind auf drei Etagen maximal 2250 Quadratmeter vermietbare Fläche möglich. Zusammen mit den Kosten für die Erschließung des Geländes kommt er auf einen Gesamtpreis von 3050 Euro pro Quadratmeter. Das sei Hamburger, aber mitnichten Rendsburger Niveau, so der Investor. Rechnerisch müsste er später einen Mietpreis von mehr als 20 Euro pro Quadratmeter verlangen. 6,50 Euro sind in Rendsburg üblich. Auch eine Subventionierung durch Bund und Land könnte die Kluft nicht schließen. „Selbst wenn das Land die Abbruchkosten übernimmt, nützt es nichts. Wissen Sie, was das Grundstück wert ist?“, fragt Demandt und antwortet gleich selbst: „Einen Euro.“

Einen Ausweg aus der vertrackten Situation sieht der 68-Jährige nicht. Jeder Investor, der bei Verstand sei, werde zu einem ähnlichen Ergebnis kommen wie er. Auch Eigentumswohnungen rechneten sich nicht. Die Zeit spiele jedoch möglichen Interessenten und nicht dem Insolvenzverwalter in die Karten. Zuständig für das Haus ist Sebastian Mogos-Lindemann von der Firma CR Investment Management. „Er muss jedes Jahr Grundsteuern zahlen. Die Frage ist, wie lange er das noch durchhält.“ Demandt sagte Mogos-Lindemann gestern schriftlich ab.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen