Fahrsicherheitstraining : Damit die Vollbremsung gelingt

Vollbremsung bei nasser Fahrbahn: Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Wagen der LZ-Redakteurin zum Stehen kommt.
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Vollbremsung bei nasser Fahrbahn: Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Wagen der LZ-Redakteurin zum Stehen kommt.

Wie reagiert das Fahrzeug bei nasser Fahrbahn? Wie muss die Ladung im Kofferraum gesichert werden? All das kann trainiert werden – bei einer Gemeinschaftsaktion unserer Zeitung mit den Itzehoer Versicherungen.

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14. Juli 2015, 17:00 Uhr

Regennasse Fahrbahn, plötzlich ein Hindernis: Da geht jeder Autofahrer in die Vollen. Aber auf Kommando bremsen, das ist gar nicht so einfach. Auch, wenn das Tacho nur 50 Stundenkilometer anzeigt. Diese Erfahrung machen die Teilnehmer eines Fahrsicherheitstrainings auf dem ehemaligen Flugplatz „Hungriger Wolf“.

Volker Stolley schaut ernst. „Da sind Sie an die physikalischen Grenzen gestoßen“, sagt er. Auf den fragenden Blick von Suzuki-Fahrerin Sabine Sopha erklärt der Fahrtrainer: „Der Wagen liegt im Straßengraben“. Die LZ-Redakteurin hat es schon geahnt. Tapfer hatte sie mit voller Kraft auf die Bremse getreten. Und dann passierte – nichts. Einfach gar nichts. Der Fuß lässt die Bremse wie verlangt nicht locker. Doch der Splash bleibt nicht stehen, rutscht meterweit über die Fahrbahn. Eine unangenehme Erfahrung, die das bisherige Vertrauen in das kleine Auto stark erschüttert.

Seit mehr als zehn Jahren bietet das „Verkehrsinstitut Nord“ (VIN) Fahrtraining auf dem ehemaligen Flugplatzgelände an. „Kein Alkohol am Vorabend“ verlangt die Teilnehmer-Information. Und „gut ausgeruht“ sollen die Fahrer erscheinen. Denn das mehrere Stunden dauernde Training verlangt volle Konzentration – egal, ob es um die Bremsübungen, das Slalom-Fahren, Einparken oder um das Thema Ladungssicherung geht.

Trainer Michael Breitling wirft einen Blick in den Kofferraum einer Teilnehmerin, schüttelt den Kopf. Alles liegt lose herum, einschließlich eines Radkreuzes. „Bei einer Vollbremsung wird das zum Geschoss“, warnt er und empfiehlt, solche schweren Gegenstände gut zu befestigen oder in der Klappe unter dem Kofferraum – wenn vorhanden – abzulegen. Eine volle Getränkekiste einfach abstellen – auch das findet keine Gnade vor den Augen des Fachmanns. „Sie muss gesichert sein, so dass sie nicht verrutschen kann“, erfahren die Teilnehmer. Entweder mit rutschhemmenden Matten, mit Gurten oder Decken, die in Zwischenräume gestopft werden. „Wer geht denn bei Ihnen einkaufen?“, will angesichts von so viel Aufwand eine der Frauen von dem Trainer wissen.

Als es dann auf den Slalom-Parcours geht, wird klar: Es macht schon Sinn, die Ladung zu sichern. Wenn sich das Fahrzeug schräg in die Kurve legt, rutschen alle losen Gegenstände hin und her. Auch bei einer Vollbremsung machen sich nicht befestigte Teile selbstständig. So wie die Handtasche auf dem Beifahrersitz. Frauen, die das gute Stück nicht hinter den Sitzen sichern wollen, können sie auch angurten oder beispielsweise den Trageriemen über die Rückenlehne hängen. Auch Trinkflaschen gilt es, gut zu befestigen, bevor der Wagen für den Parcours um die Pilone Fahrt aufnimmt. „Schauen Sie dort hin, wo Sie hinfahren wollen“, rät Tim Hellfeuer. Also auf die Lücken zwischen den Pilonen.

Nach 38 Jahren unfallfrei am Steuer – da meint die Redakteurin, alles zu wissen. Wie sie die Hände am Lenkrad hält? Nun ja, natürlich manchmal ganz lässig. Was falsch ist, wie sie erfährt. „Hände auf 9 und 15 Uhr“, lautet die Anweisung. Denn nur so könne der Fahrer jederzeit und ausreichend reagieren. Und wo soll der Daumen liegen? Die Teilnehmer schauen sich fragend an. „Locker oben auf dem Lenkrad“, lautet die Antwort und nicht eingehakt, denn das könne im Falle eines Unfalls zum Bruch führen. Einen kaputten Wagen hätte es gegeben, wenn das Bremsmanöver auf der nassen Fahrbahn unter realen Bedingungen stattgefunden hätte. Eines ist jetzt gewiss: Der Abstand zum Vordermann wird bei Nässe künftig großzügig ausfallen, die Geschwindigkeit gedrosselt. Wenn es neue Reifen gibt, wird nicht gespart. Denn „die richtige Bereifung ist entscheidend“, erklärt Volker Stolley. Und natürlich spiele der Asphalt eine Rolle – auch eine neue Decke sei glatt.

Einmal die Grenzen des eigenen Autos ausgetestet zu haben und auch die der eigenen Reaktionsfähigkeit – das ist eine ausgesprochen lehrreiche Erfahrung.

Hier können Sie sich online für das Fahrtraining anmelden: shz.de/fahrsicherheitstraining

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