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Damit die Büroschere nicht zur Waffe wird

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Polizei-Hauptkommissar Dietmar Benz zeigt, wie aggressiven Behörden-Besuchern zu begegnen ist

Gewalttaten wie im Rendsburger Finanzamt, als Anfang September ein Beamter erschossen wurde, können zwar nicht verhindert werden, Verwaltungsmitarbeiter können jedoch Risiken minimieren. Locher, Schere und Blumenvase auf dem Schreibtisch, ein in der Zimmerecke abgestellter Regenschirm – in den Händen eines Gewalttäters können diese Gegenstände des Büroalltags schnell zur Gefahr für Behördenmitarbeiter werden. Davor warnt derzeit Hauptkommissar Dietmar Benz im Kreishaus. Er klärt in jedem der rund 300 Büros darüber auf, wo sich mögliche Waffen befinden und wie sich die Beamten schützen können.

Der Einsatz des Polizisten von der Präventionsstelle der Polizeidirektion Neumünster ist Teil des Konzeptes „Gewaltfreier Arbeitsplatz“, eine Grundsatzerklärung dazu hatte der Kreistag Ende März verabschiedet. Denn es kommt in den Amtsstuben vermehrt zu aggressiven Situationen. „Mitarbeiter der Verwaltung haben oft eine Negativ-Rolle“, sagt Dietmar Benz. Ob beim Jugend- und Sozialdienst, in der Bußgeldstelle oder im Bauamt – oft müssten die Mitarbeiter etwas ablehnen, entziehen oder Gebühren erheben. „Das sind für Bürger gefühlt schmerzliche Eingriffe in ihr Leben“, so Benz. Viele suchten dann den einfachsten Weg, ihrem Ärger Luft zu machen. Der ende häufig beim Sachbearbeiter. Dietmar Benz rät jedem zunächst, die eigene Einstellung zu beachten. Wer einem Besucher schlecht gelaunt gegenübertrete, fördere Aggressivität womöglich. Es gelte, sich davon frei zu machen. Bereits bekannte, notorische Pöbler können gleich zu zweit empfangen werden. Besonders wichtig sei es, Grenzen aufzuzeigen, das Gespräch also abzubrechen, wenn jemand ausfallend wird. Behördenmitarbeiter können sich bei Gesprächen im Büro Benz zufolge auch durch die Sitzordnung einen Fluchtweg offen halten. Zudem sei es wichtig, spitze und harte Gegenstände wie Scheren, Brieföffner und Locher außer Reichweite aufzustellen. Das gelte auch außerhalb des Büros. Ein in der Teeküche liegen gelassenes Kuchenmesser könne gefährlich werden.

Dietmar Benz und die Leiterin des Personalwesens beim Kreis, Sigrid Holm, sind sich sicher, dass die steigende Aggressivität auf Misstrauen gegenüber Behördenhandeln zurück geht. Viele Menschen könnten ein Nein kaum noch akzeptieren. Das komme in Behörden jedoch häufig vor. Das Sicherheitskonzept habe bereits bei zwei Übergriffen seit seiner Einführung geholfen, so Sigrid Holm.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 13:10 Uhr

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