Rader Hochbrücke : Dänen pochen auf sechs Spuren

Der dänische Verkehrsminister Ole Birk Olesen zeigte sich standhaft.
Foto:
Der dänische Verkehrsminister Ole Birk Olesen zeigte sich standhaft.

Delegierte aus dem Königreich besichtigen das Bauwerk. Entscheidung zu erweiterter Fahrbahn ist noch offen.

shz.de von
03. März 2017, 12:00 Uhr

Mit Klebeband befestigte Bestandspläne zierten das Mauerwerk unter der Rader Hochbrücke, zwischen den Pfeilern auf der Südseite tummelten sich rund 30 Abgeordnete des dänischen Verkehrsausschusses. Unter ihnen war auch der Verkehrsminister Ole Birk Olesen, der vor wenigen Tagen in einem Brandbrief die schleswig-holsteinische Planungskompetenz in Sachen Fehmarnbelt-Querung in Frage gestellt hatte. Zu diesem Thema konferierte Olesen bereits im Landtag mit Torsten Albig. Nun trafen sich die Delegierten mit den deutschen Verantwortlichen für den Neubau der Rader Hocbrücke. Neben der Besichtigung des Bauwerks standen Fachvorträge und ein Einblick in die Betriebszentrale in Neumünster auf dem Plan.

Diskussionspunkt blieb der Wunsch der Dänen nach einer sechsspurigen Fahrbahn. „Unserer Meinung nach sind sechs Spuren absolut notwendig“, so der Abgeordnete Kristian Pihl Lorentzen. „Das Verkehrsaufkommen ist jetzt schon so hoch, wie es erst für 2030 vorausgesagt war. Eine neue Brücke mit nur vier Spuren zu bauen, ist in unseren Augen nicht sinnvoll.“ Die Verkehrszählungsdaten des Bundes untermauern die Position der Dänen. Die Auswertung zeigte, dass sich die Anzahl der Lastwagen und Busse, die täglich die Rader Hochbrücke überqueren, zwischen 2010 und 2015 um 2426 Fahrzeuge erhöht hat, inzwischen nutzen 7751 der tonnenschweren Fahrzeuge täglich die Rader Hochbrücke. Prozentual gesehen ergibt das einen Zuwachs von 46 Prozent. Mittlerweile fahren somit knapp drei Millionen Lastwagen und Busse jährlich über die Kanalüberquerung (wir berichteten). Mario Schönherr, Projektleiter der Planungsgesellschaft „Deges“, gab sich zögerlich gegenüber den Zahlen und Forderungen. „Wir überprüfen im Moment, ob sechs Spuren wirklich notwendig sind“, so der Diplom-Ingenieur. Das Verkehrsaufgebot sei tatsächlich enorm angestiegen. „Ein Teil des Verkehrs könnte aber auf die geschlossene Röhre des Kanaltunnels zurückzuführen sein“, sagte Schönherr weiter. Viele hätten die Baustelle umfahren und die Brücke genutzt, um einem Stau zu entgehen. „Wir untersuchen nun, ob die gesperrten Fahrbahnen einen Einfluss auf den Brücken-Verkehr hatten. Die Entscheidung ist offen.“ Das Ergebnis müsse man abwarten. Die Brücke werde ohnehin sieben Meter breiter gebaut. „Im Notfall könnte man auch auf den Standstreifen ausweichen“, so Schönherr. Wer für die Mehrkosten einer sechsspurigen Fahrbahn aufkommen würde, wurde bei dem gestrigen Treffen in Anwesenheit der Öffentlichkeit nicht weiter erörtert. Sechs Spuren wären aber nicht nur teurer, sie könnten auch zu einer neuen Staufalle werden. „Wenn wir die Brücke sechsspurig bauen, muss der Verkehr später zwangsläufig auf vier Spuren zurückgeführt werden“, so Schönherr. „Das sorgt in vielen Fällen für Staus oder stockenden Verkehr.“

Bis 2026 muss der Neubau der Rader Hochbrücke fertig sein. Zunächst wird neben der bestehenden Kanalquerung eine 16 Meter breite Fahrbahn errichtet. Ist der erste Teil des Neubaus fertig, wird die alte Brücke abgerissen und eine zweite Fahrbahn wird neben die erste gebaut. Mit dem Neubau verschiebt sich die Brücke um etwa 15 Meter Richtung Nord-Osten.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen