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Landeszeitung

13. Dezember 2017 | 10:27 Uhr

Da kommen Schnecken ins Rutschen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schnexagon – neues Mittel gegen die Schleimer wird bei den „Sehestedter Naturfarben“ hergestellt / Keine Giftstoffe enthalten

von
erstellt am 10.Nov.2015 | 11:25 Uhr

Farben ohne Kunststoff-Zusätze. Lacke ohne Kunstharz. Was Marten Riedl herstellt, ist weder für Mensch noch Umwelt schädlich. „Es ist für mich absolute Herzenssache“, sagt der 35-jährige Sehestedter. Dennoch hat er „selbst zuerst geschmunzelt“, als er von einem Schneckenmittel hörte, das die schleimigen Kriechtiere ganz ohne Gift fernhalten soll. Inzwischen ist er mit seinem Unternehmen „Sehestedter Naturfarben“ an den Versuchen beteiligt und wird das neue Mittel voraussichtlich herstellen.

Die Idee stammt von der Kieler Biologiestudentin Nadine Sydow. Da alle bisherigen Mittel zur Schneckenabwehr nur mäßig erfolgreich waren (Schneckenzäune, Bierfalle) oder giftig sind, fand sie einen anderen Ansatz. „Schnecken können ihr Klebsekret an verschiedene Untergründe anpassen“, so ihre Ausgangsbasis. Selbst an glatten Haustüren können sie sich senkrecht nach oben schleimen. Also suchten die Kieler Studentin und ihre Mitstreiter nach einem Mittel, das Schnecken ins Schleudern bringt. „Unser Material verwirrt sie mit widersprüchlichen Informationen, sie rutschen ab wie auf Seife“, erklärt Nadine Sydow.

„Leider ist die Schneckensaison vorbei“, sagt Marten Riedl. In der Hand hält er einen Terrakotta-Blumentopf, dessen obere Umrandung dunkel glänzt. Das ist der „Schnexagon“-Anstrich. Ohne Schnecke kann der junge Unternehmer die Wirkung nicht demonstrieren, was er sehr bedauert. Aber im Internet gibt es Videos, die diese zeigen. Das Mittel soll in erster Linie „Arion vulgaris“, die Spanische Wegschnecke, von ihrem Weg abbringen. Die rötlichen Nacktschnecken haben sich in den vergangenen Jahren zu einer wahren Plage entwickelt, die Tiere vertilgen ganze Lupinen (die weißen) oder fressen das Salatbeet kahl. Der Anstrich kann auf senkrechte Barrieren wie Zäunen, Töpfen, aber auch auf Stein und Glas aufgebracht werden. Die verschiedenen Zusammensetzungen und Untergründe hat Marten Riedl getestet. Und er ist überzeugt: „Schnexagon würde auch als waagerechte Barriere funktionieren“.

Über die Inhaltsstoffe schweigt der Tüftler sich aus. „Die sind geheim.“ Er ist sich sehr sicher, dass andere seine Wirkstoffkombination nicht nachbauen können. „Sie verfügen nicht über das nötige Wissen und über einen entscheidenden Link“, sagt er selbstbewusst. Der Sehestedter verfügt mit seinen 35 Jahren bereits über große Erfahrung auf dem Gebiet der Farb- und Lackherstellung. Das Unternehmen „Sehestedter Naturfarben“ wurde 1982 von seinem Vater Adolf Riedl in Sehestedt gegründet. Nach einem Hausbrand war der Elektriker und Volkswirt auf die Idee gekommen, alles ökologisch zu renovieren. Er experimentierte mit natürlichen Materialien.

Heute ist das Holzöl des kleinen Betriebes sehr gefragt. „Es ist auch für den Laien gut anzuwenden“, erläutert Marten Riedl. Es enthalte keine Kunstharze, die die Holzporen verkleben. „Holz ist ein Naturmaterial, das muss atmen“, erläutert er die Unternehmensphilosophie. „Gesund wohnen“ lautet sein Lebenskonzept. Er schwärmt von Hanf als einem „tollen Baustoff“. Denn: „Er verträgt Feuchtigkeit und verliert dabei nicht seine Dämmfähigkeit.“ Er kennt auch alte Rezepte, wie für die Kalk-Kasein-Farbe. „Quark ist das Bindemittel“, erklärt er. „Früher wurde die Hausfrau angehalten, Quark aufzuheben, und der Maler hat damit dann die Farbe angemischt“. Dass ökologische Farben schlechter decken als die übliche Ware, bestreitet er. Allerdings gesteht er, dass sie mehr kostet. Das liege an den Rohstoffen, die teurer seien als die üblicherweise verwendeten.

Studiert hat Marten Riedl Biotechnologie-Verfahrenstechnik und hat auch ins Bauingenieurswesen „hineingeschnuppert“, um für seine Berufung gut vorbereitet zu sein. Seine Eltern hätten ihn nie gedrängt, das Unternehmen zu übernehmen. Aber seit 2006 leitete er die Produktion, seit 2010 hat er die Firma vollständig übernommen. Dass es noch existiert, ist einem Glückstreffer zu verdanken. Seine Mutter machte einen Gewinn, der beim Überleben half. Der 35-Jährige will keine riesigen Geldgewinne machen. „Es ist mein Reichtum, dass ich eine Arbeit habe, hinter der ich hundertprozentig stehen kann“, sagt Marten Riedl. Es sei sein Ehrenkodex, dass er die Inhaltsstoffe seiner Produkte moralisch vertreten könne. „Das wir grüner denken müssen, wird immer klarer“, lautet seine Überzeugung.

Hundertprozentig steht er hinter Schnexagon. Es enthält keine Giftstoffe. Sechs bis acht Wochen soll ein Anstrich halten, „aber ich bin mir sicher, dass er weitaus länger hält“, sagt Riedl. Kapazitäten zur Herstellung des Mittels hat er ausreichend. Wahrscheinlich wird das Schneckenabwehrmittel deutschlandweit in Baumärkten zu kriegen sein. Für das Sehestedter Unternehmen und Gartenbesitzer bedeutet es einen Glücksgriff – für die Schnecken einen Umweg zu ungeschützten Nahrungsquellen.


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