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Landeszeitung

19. November 2017 | 22:53 Uhr

Flüchtlinge : Containerdorf ohne Menschen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Fast alle Bewohner der Rendsburger Landesunterkunft für Asylsuchende leben in einem früheren Kasernengebäude.

von
erstellt am 12.Jul.2017 | 10:58 Uhr

Die Landesunterkunft für Asylsuchende in Rendsburg steht zu 79 Prozent leer. Das Innenministerium beziffert die Kapazität mit 1640 Plätzen. Bei einer Vollauslastung mit vier Personen pro Zimmer und Container kämen an der Schleswiger Chaussee sogar 2152 Menschen unter. Bei der jüngsten Erhebung am 19. Juni lebten dort aber nur 223 Menschen, darunter 44 Kinder und acht Schwangere. Bis auf wenige Ausnahmen wohnen sie in der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne, deren 198 Zimmer aber nicht alle belegt sind. Die 340 Container neben dem drei- bis vierstöckigen Haus sind fast vollständig ungenutzt. In zwei Doppel-Containern wird Deutschunterricht für Erwachsene und Kinder gegeben. In den Boxen mit Waschmaschinen herrscht gar kein Betrieb. Türen und Fenster der Container sind verschlossen.

Wie berichtet, hatten Bund und Land zum 1. Juli 2016 auf dem Areal eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende eröffnet. Die Menschen warten dort auf ihre Verteilung in die Kommunen oder die Abschiebung. Einige Wochen später quartierte das Landesamt für Ausländerangelegenheiten (LfA) die Bewohner in die frisch umgebaute Kaserne um. Bis Herbst lebten auf dem Gelände knapp 500 Menschen, berichtete die kommissarische Leiterin Jessica Beitz gestern. Doch nach Angaben des Innenministeriums sank Anfang 2016 die Zahl der Neuankömmlinge. Das Land legte daher die ehemals 15 Einrichtungen bis Jahresende an den vier Standorten Boostedt, Neumünster, Glückstadt und Rendsburg zusammen. Pläne für eine Verkleinerung der Anlage an der Schleswiger Chaussee gibt es nicht, teilten die LfA-Sprecherin Nele Brüser und Barbara Ostmeier, fachpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion für Integration, mit. Das Innenministerium will nach Aussage von Sprecherin Dörte Mattschull gegebenenfalls die Kapazitäten inklusive Reserven anpassen, „ohne die notwendige Flexibilität für den Fall eines kurzfristigen Anstiegs zu gefährden.“ Kay Richert, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, erläuterte, dass die Entwicklung der Geflüchtetenzahl nicht absehbar sei. „Besonders die aktuellen Entwicklungen in Italien geben Grund zur Annahme, dass die Zahl der Flüchtlinge auch in Deutschland wieder steigen kann. Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht richtig, die Unterbringungskapazitäten auf dem aktuellen Niveau zu halten.“

In der Rendsburger Unterkunft leben zurzeit Menschen aus 14 Nationen. Die meisten stammen aus Armenien, der russischen Förderation und dem Iran. Acht LfA-Mitarbeiter und 20 Angestellte des Johanniter-Betreuungsverbands kümmern sich um sie. Im Durchschnitt erfolgt pro Woche eine Abschiebung. Zwei bis sechs Personen werden in die Kreise verteilt. Zehn bis 30 Leute kommen monatlich neu an. Martin Gold von den Johannitern berichtete von einer guten Stimmung in der Freizeithalle. Michael Heinrich, Leiter der Polizeistation, berichtete, dass Diebstähle, Körperverletzungen und häusliche Gewalt im selben Maße wie außerhalb der Anlage vorkämen.

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