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Rendsburg-Eckernförde : Computer-Desaster beim Kreis

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Landesrechnungshof wirft der Verwaltung im Kreishaus vor, die Informationstechnik zu vernachlässigen. Die SPD kritisiert den Landrat: Er habe am falschen Ende gespart.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Die jüngsten Probleme sind nur die Spitze des Eisbergs: Dass in diesem Jahr bereits mehrmals die gesamte Telefonanlage im Kreishaus ausfiel und nur mit Mühe wieder in Gang gebracht wurde, ist offenbar das Symptom jahrelanger Vernachlässigung der gesamten Informationstechnik (IT). SPD-Kreistagsmitglied Hans-Jörg Lüth hat dafür jetzt deutliche Worte gefunden: „Das ist ein Versagen der Verwaltung insgesamt.“

Ein Bericht des Landesrechnungshofes habe ans Licht gebracht, dass Computer und Programme in dem Haus an der Rendsburger Kaiserstraße 8 und seinen Außenstellen bereits seit zehn Jahren vernachlässigt wurden. So könne die Verwaltung nicht leistungsfähig arbeiten, wettert Lüth. Seine Kritik trifft auch Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer und dessen Haushaltspolitik. „Der Kreis darf sich nicht kaputt sparen“, warnt Lüth.

Datenschutz, Vergaberecht und Technikausstattung – der Landesrechnungshof habe in seinem Prüfbericht ein „vernichtendes Urteil“ über den IT-Zustand beim Kreis Rendsburg-Eckernförde gefällt, sagte Hans-Jörg Lüth bei der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. Das Thema sollte eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden, doch Lüth war es wichtig, die drängendsten Probleme bereits im öffentlichen Teil anzusprechen.

Seit der letzten Prüfung 2004 habe es kaum eine Verbesserung gegeben, berichtete er. Zum Beispiel werde zum Teil noch mit dem Betriebssystem Windows XP gearbeitet, obwohl dafür vom Hersteller gar keine Sicherheitsaktualisierung mehr angeboten werde. Zudem seien Geräte in der Vergangenheit erst ersetzt worden, wenn sie altersbedingt ausgefallen sind. „Von der IT hängt alles ab. Wenn die nicht richtig funktioniert, läuft es in der Verwaltung nicht rund“, so Lüth ärgerlich. Es nütze nichts, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben, gleichzeitig aber von der Substanz zu leben. „Es wurde am falschen Ende gespart.“ Diese Kritik richtete sich auch gegen Schwemer, der gerade den dritten Budgetentwurf mit Überschuss vorgelegt hatte.

„Ich muss selbstkritisch sagen, dass der Prüfbericht 2004 in der Verwaltung nicht zu einer Besserung der Lage geführt hat“, räumte der Landrat gegenüber der Landeszeitung ein. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass nach seiner Amtsübernahme 2008 nichts passiert sei. Bis zum Abschluss der Prüfung im November 2013 habe er jedoch nichts von dem Mängelbericht des Jahres 2004 gewusst.

Den Vorwurf, die Verwaltung kaputt zu sparen, will er sich jedoch nicht gefallen lassen. Es habe nicht am Geld gelegen, sagte er. Für die IT-Ausstattung gebe es heute noch Rückstellungen aus den vergangenen Jahren. Die Personalaufwendungen liegen ihm zufolge im Schnitt der anderen Kreise. Das Problem habe in der zuständigen Abteilung gelegen. Zudem seien die drängendsten Probleme bereits beseitigt worden. Mit Svend Rix ist im März ein neuer Leiter der nun eigenständigen IT-Abteilung eingestellt worden. Zudem haben dessen Mitarbeiter bereits 250 von 400 Rechnern gegen moderne „Thin Clients“ ausgetauscht. Diese Geräte ersetzen die alten Computer an jedem Arbeitsplatz und lösen laut Rix das Problem des veralteten Betriebssystems.

Zudem ist der Kreis einem öffentlichen IT-Verbund beigetreten, über den Neuanschaffungen abgewickelt werden. So brauche sich die Verwaltung nicht mehr mit aufwändigen Vergabevorgängen aufhalten. Im kommenden Jahr werden die Mängel laut Schwemer weiter abgebaut.

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