Langwedel : Clowns bringen Kanzlerin zum Lachen

Vor seinem Zirkuswagen: Heiko Mielke ist immer für einen Spaß zu haben. Am 17. Juni geht es für ihn zu Angela Merkel.
Vor seinem Zirkuswagen: Heiko Mielke ist immer für einen Spaß zu haben. Am 17. Juni geht es für ihn zu Angela Merkel.

Organisation „Clowns ohne Grenzen“ ist zu Gast bei Angela Merkel in Berlin. Hilfsaktion hofft auf Preisgelder für weitere Reisen in Krisengebiete.

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12. Mai 2015, 06:00 Uhr

Sie helfen in Krisengebieten und zaubern armen, von Leid betroffenen Menschen ein Lächeln ins Gesicht: Mitglieder der Organisation „Clowns ohne Grenzen“ reisen seit acht Jahren durch die Welt (wir berichteten). Für ihren unermüdlichen Einsatz werden sie jetzt belohnt – Nächsten Monat werden sie nicht nur bei Angela Merkel in Berlin zu Gast sein, sondern können auch auf ein Preisgeld sowie auf den Sonderpreis der Kanzlerin hoffen. Mit dabei ist auch Gründungsmitglied Heiko Mielke aus Langwedel.

Der Verein hatte sich im vergangenen Jahr bei „startsocial“ beworben. Wer sich dort meldet, erhält die Chance, sein Projekt mit zwei Coaches weiterzuentwickeln. Rund 300 soziale Initiativen aus Deutschland hatten sich 2014 für den Wettbewerb qualifiziert. 100 von ihnen wurden mit Experten aus der Wirtschaft, dem öffentlichen Sektor und dem Non-Profit Bereich unterstützt. „Das wir diese Möglichkeit hatten, ist schon ein Gewinn für uns“, sagt Heiko Mielke von „Clowns ohne Grenzen.“ Gemeinsam mit den Profis wurden Themen wie Kommunikationsstruktur, Außenwirkung, Versicherungen für den Verein und reisende Clowns, aber auch Krisenmanagement behandelt. „Dabei geht es uns unter anderem darum, was wir machen, wenn unserem Team vor Ort etwas passiert. Oder wenn einer von uns psychische Probleme erleidet“, erklärt Mielke. Denn die ehrenamtliche Arbeit ist nicht immer leicht. Krisengebiete wie die türkisch-syrische Grenze, Albanien oder Erdbebenregionen in Peru werden bereist. „Seit der Gründung vor acht Jahren hat es 24 Reisen in zwölf Länder gegeben und wir haben über 1000 Shows gespielt“, berichtet der Langwedeler, „allein letztes Jahr haben wir zusammen über 500 Tage ehrenamtliche Arbeit geleistet.“

Damit diese ehrenamtlichen Tätigkeiten auch finanziert werden können, halfen die Experten während der Projektarbeit auch bei Finanzierungsmöglichkeiten. Wo bekomme ich Geld her? Wie erreiche ich Stiftungen? Von 70 Clowns die dem Verein angehören, sind bislang 50 gereist. „Und die Warteschlange ist lang“, berichtet Mielke, „der Wille zu helfen ist bei allen riesig, aber leider fehlt es an Kapazitäten.“ Dennoch sind einige Reisen schon fest geplant: So geht es für Heiko Mielke in diesem Jahr nach Albanien und Peru. Weitere Clowns sind an der türkisch-syrischen Grenze sowie in Indien/Tibet unterwegs. Auch das jüngst vom starken Erdbeben erschütterte Gebiet in Nepal wird voraussichtlich von „Clowns ohne Grenzen“ unterstützt.

Nach der viermonatigen Beratungsphase mit den Experten wurden aus den Teilnehmern die besten 25 startsocial-Projekte gewählt. Unter dem Motto „Hilfe für Helfer“ werden diese nun zur Bundespreisverleihung am 17. Juni nach Berlin ins Bundeskanzleramt eingeladen. Sieben dieser Initiativen erhalten Preisgelder in Höhe von insgesamt 35  000 Euro. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auch die Schirmherrschaft hat, vergibt einen Sonderpreis. „Wer gewinnt, wird tatsächlich erst vor Ort bekanntgegeben“, sagt Mielke. In die engere Wahl kamen vor allem Konzepte, die durch ihre gesellschaftliche Relevanz und Wirksamkeit überzeugten und die während der Beratungsphase die größten Fortschritte erzielten. Einen deutlichen Schwerpunkt bilden in diesem Jahr Projekte, die sich für Flüchtlinge engagieren. Neben „Clowns ohne Grenzen“ sind auch zwei weitere Initiativen aus Schleswig-Holstein dabei: „Letzte Hilfe Kurse“ aus Rendsburg sowie „Radio sonnengrau“ (Lübeck).

Die Chancen auf einen Sieg schätzt Heiko Mielke hoch ein. „Bei einem Zwischentreffen mussten wir einen Vortrag halten – und den haben wir gerockt. Da gab es Standing-Ovations“, berichtet Mielke stolz. Angst vor der Kanzlerin habe er nicht. Und das, obwohl es das erste Mal ist, dass professionelle Clowns eine Darbietung im Kanzleramt abliefern. „Ob ich nun vor der Kanzlerin spiele oder vor jemand anderem ist mir egal“, gibt sich der Pädagoge gelassen. Und selbst wenn es mit einem Sieg nicht nicht klappt, sei keiner der Mitglieder enttäuscht. „Die Teilnahme hat sich schon beim Ausfüllen des Bewerbungsbogen gelohnt. Wir haben sehr viel über den Verein gelernt“, freut sich das Gründungsmitglied. Dennoch gibt sich Mielke selbstbewusst: „Wer sollte gewinnen, wenn nicht wir?“

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