„Mittelalter Live“ : Christliche Ritter erobern Warder

Schwertschaukampf: Reinhard Bleicken (l.) und Heiko Fabian von der Gruppe „Gladii Borealis“ („Schwertern des Nordens“).
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Schwertschaukampf: Reinhard Bleicken (l.) und Heiko Fabian von der Gruppe „Gladii Borealis“ („Schwertern des Nordens“).

Vier Tage herrschte im Arche-Tierpark „Mittelalter Live“. Mehr als 5000 Besucher ließen sich Schwertkämpfe und Sklavenmarkt nicht entgehen.

shz.de von
02. Juni 2014, 06:00 Uhr

Schwertschaukämpfe, Katapultabschüsse und Sklavenmarkt: Mehr als 5000 Besucher traten die Zeitreise ins Mittelalter an, zu der die Arche Warder vom Himmelfahrtstag bis gestern eingeladen hatte. 160 Darsteller in historischen Gewändern waren im Tierpark zu Gast, um das Veranstaltungsmotto „Mittelalter Live“ mit Leben zu erfüllen.

Zwei spektakuläre Gerätschaften wurden von Ralf Wieczorrek aus Nortorf vorgeführt: eine Blide und ein Skorpion. Die Blide, die zum Inventar der Arche gehört und wie ein Katapult funktioniert, hat Wieczorrek restauriert. Den Skorpion, mit dem man Speergeschosse abfeuern kann, hat er komplett selbst gebaut. „Beide Geschütze wurden bereits im vierten Jahrhundert vor Christus eingesetzt und waren bis ungefähr ins 14. Jahrhundert im Gebrauch“, erläuterte Wieczorrek, der sich bei Mittelalter-Veranstaltungen in den „Grafen Ralf von Nortorf“ verwandelt. „Mit dem Aufkommen des Schießpulvers wurden diese Geschütze obsolet.“ Alle zwei Stunden führte Wieczorrek die Blide vor. Kinder aus dem Publikum durften mithelfen, das historische Geschütz startklar zu machen, und die kleinen Helfer waren hellauf begeistert, wenn sie sahen, wie die Blide einen 20 Kilogramm schweren Stein immerhin 50 Meter weit katapultierte.

Wo sonst die Arche-Ziegen weiden, konnte man am Wochenende Schwertkämpfer hautnah in Aktion erleben. Reinhard Bleicken aus Heikendorf und Heiko Fabian aus Brunsbüttel zeigten, was sie beim wöchentlichen Training in der Schwertschaukampfschule in Kellinghusen gelernt haben. Bleicken und Fabian gehören zu den „Gladii Borealis“, den „Schwertern des Nordens“, und wollen auch am kommenden Wochenende beim „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ (MPS) in Hohenwestedt ihre Kampfkünste demonstrieren. Ebenfalls beim Spektakel in Hohenwestedt dabei sein wird Jochen Timmermann aus Kellinghusen, der vor einem Zelt neben dem „Gladii Borealis“-Lager kleine Holzschalen drechselte. Nebenan zeigte Michael Romahn aus Harsefeld bei Stade, wie man einen englischen Langbogen baut.

Um 14 Uhr setzte sich an jedem Veranstaltungstag ein besonderer Umzug in Bewegung. „Vorsicht! Vorsicht! Tierkarawane!“, warnte Esel-Tierpfleger Thomas Petersen die Besucher. Esel-Wallach „Chiron“ und Jana Gudehus führten den Umzug durch den Mittelalter-Markt an, es folgten Shetlandpony „Ferdinand“, das Schleswiger Kaltblut „Uschi“, Ziegen und Rinder. Am Ende der Karawane ritt Claudia Bartlick mit einem Brahma-Huhn im Arm auf dem Altdeutschen Niederungsochsen „Lille“. Nachdem die Tierpfleger dem Publikum zum Abschluss des Umzugs ihre Schützlinge kurz vorgestellt hatten, machten sich auch schon Markus Sölter und seine Wikinger-Freunde bereit für ihren Streifzug durch die Arche. Die Wikinger griffen sich ein Dutzend Männer, Frauen und Kinder für ihren Sklavenmarkt. Die Nordmänner mussten von den Einheimischen erfahren, dass Warder unlängst christianisiert worden und der Sklavenhandel darum nun verboten sei, ließen sich daraufhin zu einem Pfaffenmord hinreißen, was wiederum zu einem kurzen, aber heftigen Kampf zwischen Wikingern und christlichen Rittern führte.

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