Ex-Bundespräsident : Christian Wulff im Nordkolleg

Christian Wulff im Februar dieses Jahres bei der Enthüllung seiner Büste im Bundespräsidialamt. Vom 30. Juni 2010 bis zum 17. Februar 2012 war er Bundespräsident.
Christian Wulff im Februar dieses Jahres bei der Enthüllung seiner Büste im Bundespräsidialamt. Vom 30. Juni 2010 bis zum 17. Februar 2012 war er Bundespräsident.

Kongress zur musikalischen Jugendbildung: Das ehemalige Staatsoberhaupt besucht als Chef des Deutschen Chorverbands die Rendsburger Kulturakademie.

shz.de von
14. Juli 2018, 06:30 Uhr

Erstklassige Referenten zeichnen das Nordkolleg in Rendsburg aus. Doch ein ehemaliges Staatsoberhaupt als Vortragender ist selbst für die renommierte Bildungseinrichtung am Gerhardshain etwas Besonderes: Ex-Bundespräsident Christian Wulff wird am 24. August im Nordkolleg zu Gast sein. In seiner ehrenamtlichen Funktion als neuer Chef des Deutschen Chorverbandes hält er einen Vortrag über den Stellenwert des gemeinsamen Musizierens und darüber, wie Schulen an das Singen heranführen können. Wulffs Auftritt zählt zum Programm des ersten Ostsee-Kultur-Kongresses, der sich mit „Neuen Aspekten musikalischer Jugendbildung“ auseinandersetzt. Organisatoren sind das Nordkolleg und der Landesmusikrat.

100 Besucher und fast 30 Referenten werden zu dem vom 23. bis 25. August dauernden Kongress erwartet. „Eine Konferenz dieser Größenordnung haben wir hier noch nicht gehabt“, sagt Nordkolleg-Geschäftsführer Guido Froese. Er ist davon überzeugt, dass das Thema den Aufwand rechtfertigt: „Der Musikunterricht an den Schulen hat einen zu geringen Stellenwert.“ Es gebe zu wenig ausgebildete Musiklehrer. Nicht immer werde die vom Bildungsministerium vorgegebene Zahl an Musikunterrichtsstunden tatsächlich erreicht. Der Landesmusikrat sieht das genauso. Geschäftsführer Hartmut Schröder bezeichnet die Situation der musikalischen Bildung an manchen Schulen als „katastrophal“. Er macht deutlich: Vor allem an den Grundschulen würden die Kinder oftmals von Lehrern unterrichtet, die im Fach Musik nicht ausgebildet sind.

Der Kongress will beide Zielgruppen ansprechen: Musiklehrer und fachfremde Lehrer. Genauso sind Schulmusikbeauftragte, Schulleiter und Musiker willkommen. Nordkolleg-Chef Froese betont: „Es ist nicht unser Ziel, den Schulmusikunterricht zu ersetzen, sondern Impulse zu geben, was man aus dem Musikunterricht machen kann.“ Positive Beispiele gibt es aus dem gesamten Ostseeraum. In Dänemark und Schweden ist es üblich, dass Schüler einmal jährlich ein Konzert besuchen. Dass Profi-Musiker in den Unterricht kommen, um mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, könne ebenfalls neue Horizonte eröffnen. Aber auch in Deutschland gibt es laut Froese viele gute Ideen, zum Beispiel die Möglichkeit, dass Schüler bei der Generalprobe eines Orchesters zwischen den Musikern sitzen dürfen, um ihnen bei der Arbeit zuzusehen.

Die Gesamtkosten des Kongresses liegen bei 50 000 Euro. Eigentlich zu viel für das Nordkolleg. Allerdings: „Der Bund gibt uns einen Zuschuss über 40 000 Euro“, so Froese. So können die Teilnahmegebühren niedrig gehalten werden. 45 Euro werden für die drei Tage fällig (Anmeldungen: www.nordkolleg.de/seminare).

Den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff können die Zuhörer nicht nur als Vortragenden, sondern auch als Teilnehmer einer Diskussionsrunde über den Musikunterricht an Schulen erleben. Dabei sein werden die Kieler Schulministerin Karin Prien (CDU) und der Präsident des Landesmusikrates, Dr. Volker Mader.

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