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Preisschock in Rendsburg : Chinesen treiben Mieten hoch

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach Übernahme durch Staatsfonds in Fernost: Die BGP-Hausverwaltung kündigt für Hunderte Wohnungen Preisanstieg um bis zu 20 Prozent an.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 08:55 Uhr

Rendsburg | Anika Jürgensen wurde das Schreiben ihrer Hausverwaltung am Montag zugestellt. Die Zahlen darin hatten es in sich: Ab dem 1. August soll die 27-jährige Mutter von zwei Kindern für ihre Wohnung im Rotenhöfer Weg 48,33 Euro mehr zahlen als bisher. Die Kaltmiete steigt um 14,2 Prozent auf 388,33 Euro. Das teilte ihr die BGP-Hausverwaltung mit. Zur Begründung heißt es in dem Brief: „Diese Miete entspricht nicht mehr der Miete, die in der Gemeinde Rendsburg für vergleichbaren, frei finanzierten und nicht gebundenen Wohnraum gezahlt wird.“

Da es für Rendsburg keinen Mietspiegel gibt, zählt die BGP drei Vergleichswohnungen an der Liegnitzer Straße auf – als Berechtigungsnachweis für die Anhebung. Die Wohnungen entsprechen nach Auffassung der Hausverwaltung nach Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage der Wohnung von Anika Jürgensen.

Die BGP-Hausverwaltung in Berlin teilte auf Anfrage mit, Mieterhöhungen unterlägen grundsätzlich den Vorgaben des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). „Selbstverständlich richtet sich auch die BGP nach diesen Vorgaben“, mailte ein Sprecher. Das BGB lasse Mieterhöhungen von maximal 20 Prozent innerhalb von drei Jahren zu. Das gelte für alle gesetzlichen und privaten Wohnungsunternehmen gleichermaßen.  „BGP hat in den vergangenen Jahren die Mieten bei den betroffenen Wohneinheiten nicht erhöht. Die Mieten werden jetzt um etwa 15 Prozent angepasst. Von unseren 1426 Wohneinheiten in Rendsburg sind 685 Wohneinheiten, also weniger als die Hälfte, davon betroffen.“

Es handelt sich um das Immobilienpaket der einstigen Rendsburger Wohnungs-Gesellschaft (RWG). Davon trennte sich die Stadt vor Jahren, um Schulden loszuwerden. Nach mehreren Eigentümerwechseln wurden die Objekte im Herbst an einen chinesischen Staatsfonds verkauft (wir berichteten).

Nun wird einmal mehr die Kehrseite des schnellen Geldes sichtbar: Die neuen Eigentümer aus Fernost halten kräftig die Hand auf, ohne erkennbare Gegenleistung. Viele Wohnungen sind technisch veraltet und müssten dringend saniert werden. Das Badezimmer in der Wohnung von Anika Jürgensen sieht aus wie ein Relikt aus den 60-ern. Bohrlöcher in den Kacheln und andere Schäden zeugen davon, dass hier über Jahrzehnte nur geflickschustert, aber nicht fachkundig renoviert wurde. Sogar die Kloschüssel hat einen Riss. Auch an anderer Stelle zeigt sich der Verschleiß: Die Balkontür ist undicht, einige Wände haben feuchte  Stellen.

Anika Jürgensen jedenfalls sieht nicht ein, warum sie mehr als bisher zahlen soll. Fast 50 Euro sind für sie und ihren Mann, der die vierköpfige Familie alleine ernährt, viel Geld. Die Referenzwohnungen in der Liegnitzer Straße erkennt sie als Begründung nicht an. „Die kenne ich doch gar nicht, die können mir einen vom Pferd erzählen.“ Unbegreiflich findet die 27-Jährige auch, warum ihre Mutter, die in der baugleichen Wohnung eine Etage tiefer wohnt, rund 80 Euro weniger Miete zahlt. Die Einverständniserklärung will die Mieterin nicht unterzeichnen.  Immobilienbesitzer dürfen nicht einseitig eine Mieterhöhung festsetzen, sondern müssen zuvor die Zustimmung des Mieters einholen.

Anika Jürgensen verbündet sich jetzt im Internet mit anderen Betroffenen.  Beim Kieler Mieterverein rechnet man mit einer Beschwerdewelle. Da die BGP-Post erst kürzlich zugestellt wurde, war bis gestern erst ein Fall bekannt.  Hier sei die Miete sogar um 20 Prozent angehoben worden, hieß es. Mehr ist innerhalb von drei Jahren gesetzlich nicht erlaubt. 

Rechtsanwältin Dana-Kristin Gerngroß von der Kanzlei Kühl in Rendsburg rät Mietern, die Einverständniserklärung nicht ohne Prüfung zu unterschreiben. „Wenn jemand die höhere Miete trotzdem zahlen will, dann nur unter Vorbehalt.“  Die Nennung von Vergleichswohnungen sei „rechtlich die unsicherste Möglichkeit. Man kann viele formelle Fehler machen“.

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