zur Navigation springen
Landeszeitung

21. September 2017 | 00:06 Uhr

Namensstreit : CDU gibt NS-Dichter den Vorzug

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Umwidmung der Heinrich-Eckmann-Straße in Hohenwestedt ist gescheitert. Die SPD-Fraktion wollte den Namen eines jüdischen Arztes etablieren.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 18:06 Uhr

Der als Vertreter der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Literatur geltende Schriftsteller Heinrich Eckmann (1893 bis 1940) wird in seiner Heimatgemeinde Hohenwestedt auch weiterhin mit einem Straßennamen geehrt. In der Gemeindevertretersitzung sprach sich die CDU-Mehrheitsfraktion geschlossen gegen eine Umbenennung aus. Die von der SPD befürwortete Umwidmung in „Dr.-Bamberger-Ring“ lehnte der Gemeinderat mit neun zu fünf Stimmen ab.

Die Initiative geht auf eine Hohenwestedter Familie zurück. Als die Gemeinde im Frühjahr Namensvorschläge für ein Neubaugebiet suchte, brachten Morten Rüther (15) und dessen Eltern Anna Rüther und Volker Neubauer den Namen „Dr.-Bamberger-Ring“ ins Spiel. In einer E-Mail an die Fraktionsvorsitzenden schrieb die Familie am 6. März, dass „Hohenwestedt mit der Benennung einer neuen Straße die große Chance hat, ein seit Jahrzehnten bestehendes Ungleichgewicht in der Straßenbenennung zu korrigieren und mit dem Bekenntnis zur Geschichte des Ortes im ‚Dritten Reich‘ ein Zeichen für Toleranz, Miteinander und gegen Ausgrenzung zu setzen. Hohenwestedt ist nur einer von vielen Orten, in denen Adolf Hitler eine Nacht verbracht hat. Es ist aber die einzige Gemeinde in Deutschland, die noch heute den in Hohenwestedt geborenen Blut-und-Boden-Dichter Heinrich Eckmann mit einer Straße ehrt.“ Ein Vorstoß in den 70er-Jahren, den Namen „Heinrich-Eckmann-Straße“ zu ändern, sei „im Sande verlaufen“. Hohenwestedt habe „nun die Gelegenheit, diese Schieflage in den Straßennamen zumindest soweit zu korrigieren, indem sie den Arzt Dr. Ernst Bamberger ehrt. Bamberger wurde in Hohenwestedt beerdigt. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft wurde ihm 1934 die kassenärztliche Zulassung und vier Jahre später die Approbation entzogen. Seine Klinik übernahm ein ‚arischer‘ Mediziner. Dr. Bamberger zog sich zurück in das zum Amt Hohenwestedt gehörende Dorf Remmels und wurde 1941 gezwungen, den Judenstern zu tragen. Sein Versuch, ein Visum für die Ausreise nach Schweden zu erhalten, scheiterte. Er nahm sich 1941 das Leben, weil ihm die Ausreise verweigert worden war und er fürchtete, deportiert zu werden.“

Anna Rüther, Volker Neubauer und Morten Rüther schickten ihre E-Mail auch an Daniel Günther nach Kiel. „Die CDU-Fraktion Schleswig-Holstein unterstützt den Namensvorschlag Dr.-Bamberger-Ring ausdrücklich“, antwortete Günther am 17. März, „die CDU-Fraktion erachtet es als wünschenswert, dass sich der in der Gemeinde Hohenwestedt beerdigte Dr. Bamberger im Straßenbild wiederfindet und damit Teil einer aktiven Geschichtspolitik und Erinnerungskultur werden kann.“

Die Gemeindevertreter gaben am 26. April hinsichtlich des Neubaugebiets dem Straßennamen „An der Kleinbahn“ den Vorzug (wir berichteten). In der Einwohnerfragestunde der gleichen Sitzung forderte Michael Schneider die Umbenennung der Heinrich-Eckmann-Straße. Der Bauausschuss nahm den Vorschlag auf und diskutierte im Juni über die Umbenennung der Heinrich-Eckmann-Straße in Dr.-Bamberger-Ring. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch votierten nun die komplette siebenköpfige CDU-Fraktion plus Klaus Böhle (FDP) und Rolf Teichgräber (SPD) gegen diese Umbenennung. „Wir sollten den Namen Heinrich-Eckmann-Straße so belassen und nicht irgendwas Neues einführen“, sagte CDU-Fraktionschef Jürgen Wahlfeldt. „Ich persönlich hätte die Umbenennung in Dr.-Bamberger-Ring gern gesehen“, betonte der Bauausschussvorsitzende und stellvertretende Bürgermeister Udo Ahlf (SPD). Der zweite stellvertretende Bürgermeister Werner Butenschön (FDP) bedauerte, dass sein Vorschlag, Zusatzschilder mit einem Hinweis auf die NS-Gesinnung Eckmanns anzubringen, während der Sitzung nicht zur Abstimmung kam.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen