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Passionskantate : „cappella piccola“ souverän

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Peter-Pauls-Kirche wurde die Passionskantate aufgeführt. Diese erwies sich als zu schwer für das Orchester.

Vor 300 Jahren wurde Carl Philipp Emanuel Bach geboren. Grund genug, sich näher mit dem Werk des zweitältesten Johann-Sebastian-Bach-Sohnes zu beschäftigen und ein Werk von ihm aufzuführen. Der Hohenwestedter Kantor Norbert Klose hat in langwieriger Probenarbeit mit der „cappella piccola hohenwestedt“, dem erweiterten Winterbeker Kammerorchester und fünf Solisten die Passionskantate „Die letzten Leiden des Erlösers“ einstudiert. Carl Philipp hat schon kurz nach dem Antritt seiner neuen Stelle als Musikdirektor in Hamburg die Passionskantate im produktiven Jahr 1769 veröffentlicht. Sie ist damit genauso alt wie die Peter-Pauls-Kirche in Hohenwestedt.

Carl Philipp lebte in einer Umbruchzeit. Damals hatte dieser Bach-Sohn den Ruf, den sein Vater in unserer Zeit hat. Die Übergangszeit von der barocken zur klassischen Epoche brachte Abwechslung, Neuigkeiten, Herausforderungen. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass „Die letzten Leiden des Erlösers“ generell wenig aufgeführt werden: Sie sind aus heutiger Empfindung mit zwei vollen Stunden viel zu lang. Sie sind musikalisch-handwerklich sehr schwer und enthalten viel Abwechslung in der Musik. Ohrwürmer sind selten. Vor allem ist diese Passionskantate, das zeigte die Aufführung allzu deutlich und oft, viel zu schwer für dieses nicht-hauptberufliche Orchester.

Neben gelungenen Passagen wirkten andere ungeschliffen roh und grob. Im Vergleich dazu klang die „cappella piccola hohenwestedt“ erheblich souveräner. Sehr hilfreich erwies sich der vollständig mitgelieferte Text und der Abriss über das Leben dieses weithin unterschätzten Komponisten, der die Leidensgeschichte in drastischer Deutlichkeit und Ausführlichkeit vertont hat.

Fünf Solisten bedeuten auch eine Herausforderung an die Honorarkasse. Mit Agnes Lipka und Inken Hahnemann (Sopran), Karin Kunde (Alt), Martin Fleitmann (Tenor) und Jan Träbing (Bass) waren diese Partien professionell besetzt – wobei gelegentlich Agnes Lipka und Jan Träbing mit ihren großen Stimmen schon übergewichtig wirkten. Anders als im Programmblatt genannt, gelang es trotz „meisterhafter polyphoner Stimmführung“ nicht durchgängig, „den Hörer in seinen Bann zu ziehen.“ Norbert Klose hatte ein hohes Ziel gesetzt, es aber nicht durchgängig erreicht.

Dennoch gab es zum Schluss minutenlang stehenden Beifall aus der Gemeinde. Das war verdiente Zustimmung für den Extrem-Einsatz aller Mitwirkenden, besonders der „cappella piccola hohenwestedt“, denen mit dem Orchester die Fuge in Rezitativ Nr. 13 (Auf dass wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben) in herausragender Weise gelungen war.

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