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Zelt unter der Brücke : Campen für Liebe und Toleranz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rendsburgs Straßen-Puppenspieler Frank Tedsen hält unter der Holsteinbrücke eine Woche lang Mahnwache für christliche Werte

„Frieden! Hoffnung! Liebe!“ prangt in großen, bunten Buchstaben auf der Stoffbahn, die über dem Zelteingang hängt. Das weiße, zwei Meter hohe Zelt steht unter der Holsteinbrücke, nahe der Weißen Brücke. Passanten betrachten neugierig das Lager. „Erinnert mich an die 60er, 70er Jahre und Woodstock“, bemerkt einer von ihnen. Und damit trifft er es recht gut. Seit gestern früh hält Frank Tedsen (43) hier eine Mahnwache, mit der er für jene Werte eintritt, welche Hippie-Generation und christliche Kirche verbindet und deren Losungsworte über dem Zelt im Wind flattern.

Frank Tedsen ist in der Stadt bekannt als Puppenspieler, der seit 25 Jahren in Rendsburgs Straßen auftritt. Tag und Nacht wird er nun mindestens bis zum Sonnabend unter der Brücke verbringen, gelegentlich abgelöst von Freunden. Schlafsäcke und Decken spendete das Rote Kreuz, reichlich Thermoskannen und Strom für Licht und Musik stehen bereit. Was motivierte den Puppenspieler zu seiner ungewöhnlichen Aktion? „In den sozialen Netzwerken und anderswo wird sehr gegen Fremde und Flüchtlinge gehetzt“, sagt Tedsen. Und unabhängig davon: „Es kann nicht sein, dass die Leute Angst haben, auf die Straße zu gehen.“ Am Bahnhof etwa habe er neulich gesehen, wie Leute „Schaukämpfe“ veranstaltet hätten. „Schon als kleiner Junge hatte ich den Antrieb, gegen so etwas einzutreten.“

Jeden, der möchte, lädt Tedsen in sein Zelt ein, zu Kaffee, Tee, Keksen und einem Gespräch: Über die Flüchtlingssituation, über Einbrüche, Gewalt und Randalismus in den Straßen. „Jeder sollte den anderen respektieren, wie er ist, auch unabhängig von seiner Religion.“ Deshalb möchte Tedsen neben dem Bürgermeister Vertreter verschiedener Religionen einladen. „Jeder ist auf das Herzlichste willkommen“, sagt er, und: Über Kekse als Mitbringsel würde er sich freuen. „Das Wichtigste ist, dass wir in Rendsburg ein friedliches Miteinander haben und dass niemand Angst haben muss.“

Die ersten Gäste um 11.30 Uhr sind Freunde von Frank Tedsen. Ralf Bauer (47) findet die Idee super: „Er lässt sich ja öfter mal etwas einfallen.“ So verschenke Tedsen schon seit längerem Fotos und Karten mit dem Motto seiner Mahnwache an Freunde und Bekannte. Auch eine Freundin ist begeistert: „Ich finde es richtig klasse, dass er sich so für diese Ziele einsetzt.“ Je nachdem, wie die Woche verläuft, will Frank Tedsen seine Mahnwache eventuell verlängern. Ein Problem könnten ihm dabei Schwalben bereiten: Sollten die sich in den nächsten Tagen vorzeitig entschließen, unter der Brücke zu nisten, müsste der Puppenspieler weichen. Naturschutz ginge in diesem Fall vor Friedensbemühungen.

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erstellt am 08.Feb.2016 | 14:04 Uhr

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