Rendsburg-Eckernförde : Buskosten schränken Schulwahl ein

Der Schulbus wird nur vom Kreis gefördert, wenn die Kinder die vom Wohnort aus nächstgelegene Schule besuchen.
Der Schulbus wird nur vom Kreis gefördert, wenn die Kinder die vom Wohnort aus nächstgelegene Schule besuchen.

Nur der Weg zur nächstgelegenen Schule wird vom Kreis gefördert. Härtefälle werden aber komplett von Elternbeiträgen befreit.

shz.de von
11. Mai 2015, 18:48 Uhr

Das Thema Schülerbeförderung sorgt weiter für Ärger im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Nach der Diskussion um kostenlose Fahrten zur Schule gibt es nun neue Kritik: Das geltende System der Bezuschussung unterlaufe die freie Schulwahl, wettern die Kreiselternbeiräte. Denn die Entscheidung für eine weiterführende Schule, die nur ein Stückchen weiter entfernt liegt als die nächstgelegene, kann Eltern hunderte Euro mehr im Jahr kosten.

Schülerbeförderung soll nicht grundsätzlich kostenlos sein – das hat der Kreistag im März entschieden. Jetzt wird klar: Damit hat sich der Kreis eine Menge Arbeit aufgehalst. Der einfachste Auftrag an den Regionalentwicklungsausschuss betrifft doch wieder einen Erlass der Kosten. Denn finanziell schwache Eltern, die bisher nur die Hälfte der Beiträge von 84 Euro im Jahr und 24 Euro für das zweite Kind zahlen mussten, sollen komplett davon befreit werden. „Das ist ein eindeutiger Auftrag des Kreistages“, sagt Ausschussvorsitzender Tim Albrecht (CDU). Die Freistellung werde den Kreis bis zu 7000 Euro kosten, schätzt er.

Weniger Spielraum sieht er darin, einen anderen Teil der Satzung zu ändern: Der Passus schreibt vor, dass der Elternanteil nur greift, wenn die Kinder die dem Wohnort am nächsten gelegene Schule besuchen. Ist das nicht der Fall, fördert der Kreis die Beförderung nicht – und auf die Eltern kommen hohe Kosten zu.

Das betrifft etwa die Familie Solterbeck aus Bistensee. Wenn die Söhne Kjell (10), Palle (8) und Lewe (4) eines Tages alle zur Schule gehen, müssen ihre Eltern Annika (40) und Henning (41) vermutlich rund 1000 Euro für den Schulbus im Jahr bezahlen. Kjell besucht derzeit die Grundschule in Ascheffel und wechselt nach den Sommerferien aufs Gymnasium. Das Problem: Für die meisten Kinder aus dem Einzugsbereich der Grundschule ist die Jungmannschule in Eckernförde das nächstgelegene Gymnasium. Nur für Kjell aus Ahlefeld-Bistensee nicht. Wenn der Kreis den Schulweg bezuschussen soll, muss er das 11,9 Kilometer entfernte Kronwerk-Gymnasium in Rendsburg besuchen. Die Jungmannschule ist den Eltern zufolge nur 1,2 Kilometer weiter weg. Sie wollen aber, dass ihr Sohn „mit den Kindern, mit denen er die Kindergarten- und Grundschulzeit verbracht hat, auf die weiterführende Schule gehen kann“, sagt Annika Solterbeck. „Gerade mir als Schulsozialpädagogin ist bewusst, wie wichtig es für Kinder ist, möglichst nicht alleine auf eine weiterführende Schule zu wechseln.“ Gerade im ersten Jahr des „immer anstrengender werdenden Schulalltags“ sei es wichtig, dass die Kinder vertraute Mitschüler haben.

„Wir wollen, dass unsere Kinder ihre sozialen Bezüge behalten“, sagt auch Henning Solterbeck. Die Regelung in der Satzung habe zur Folge, dass sich Eltern nicht ohne weiteres für eine Schule entscheiden können, wie es das Gesetz erlaube. „Freie Schulwahl besteht nur, wenn man es sich leisten kann.“ Das sehen auch die Kreiselternbeiräte so, wie während der jüngsten Sitzung des Regionalentwicklungsausschusses klar wurde.

Für Kjells Weg zur Jungmannschule werden 331,50 Euro jährlich fällig – statt 84 Euro. Für seine beiden Brüder vermutlich eines Tages ebenfalls, „weil wir uns zum Wohl unserer Kinder entscheiden werden“. Deshalb fühlen sich Annika und Henning Solterbeck „von der Politik im Stich gelassen“. Die Kommunalpolitiker haben die Sorgen der Eltern als Anregung aufgefasst, die Schulbus-Satzung in dieser Hinsicht zu prüfen. Doch die Verwaltung macht bereits wenig Hoffnung auf Erfolg, weil die Satzung einem landesweiten Tarifverbund folge, in dem Sonderlösungen kaum möglich seien.

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