zur Navigation springen

Rendsburgs kleinster Kinosaal : Business-Class für Filmfans

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Schauburg eröffnet heute „Truffaut’s Filmlounge“ . Der kleinste Kinosaal der Stadt bietet Platz für 22 Gäste.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2017 | 09:49 Uhr

Der kleinste Kinosaal in Rendsburg bietet den größten Luxus. 22 dunkelgrüne Ledersessel haben Karen und Hans von Fehrn-Stender für ihr neues cineastisches Schmuckstück im Schauburg-Filmtheater anfertigen lassen. In der ersten Reihe kann man per Knopfdruck sogar die Rückenlehnen verstellen. Vier Hocker warten darauf, dass die Gäste ihre Beine hochlegen. „Das ist ein bisschen wie in der Business-Class“, sagen die Hausherren in Anspielung auf die Premium-Angebote der Fluggesellschaften. An der Wand links neben dem Eingang hängt ein Portrait des Filmregisseurs Francois Truffaut, den Hans von Fehrn-Stender für dessen Werke verehrt. Der neue Anlaufpunkt für Filmfans ist auch als Hommage an den berühmten Franzosen zu verstehen: Heute wird „Truffaut’s Filmlounge“ offiziell in Betrieb genommen.

Noch bis vor eineinhalb Jahren hatten die Fehrn-Stenders die Räumlichkeiten an einen Geschäftsmann vermietet, der dort ein Eiscafé betrieb. Als dieser den Vertrag nicht verlängern wollte, sahen die Eigentümer die Gelegenheit gekommen, um ihr Hauptgeschäft auszubauen. Karen von Fehrn-Stender: „Mein Mann hat irgendwann gesagt: ’Lass uns doch ein Kino daraus machen’.“

Manche Idee übernahm der Kino-Chef von anderen Lichtspielhäusern, zum Beispiel die Konzeption der in die Wand eingelassenen Bücherregale, die die Club-Atmosphäre der Lounge unterstreichen. Zudem wurde der Raum nach der Devise „Weniger ist mehr“ eingerichtet. Problemlos hätte eine weitere Vierer-Sitzreihe hineingepasst, aber das wäre zulasten der Beinfreiheit gegangen. Und diese ist gigantisch: Bei 130 Zentimeter Abstand zum Vordermann kann man sogar die Beine übereinanderschlagen, ohne jemanden zu stören Die Sitzflächenbreite der Sessel beträgt 60 Zentimeter, fünf Zentimeter mehr als üblich.

Auch wenn „Truffaut’s Filmlounge“ ein räumlich kleines Projekt ist, verging von der ersten Idee bis zum Abschluss der Bauarbeiten über ein Jahr. Allein die Genehmigungsverfahren nahmen viereinhalb Monate in Anspruch. In Bau und Einrichtung haben die Eigentümer der Schauburg 130  000 Euro investiert. Allein die Filmtechnik verschlang 50  000 Euro. Dafür gibt es auf der vier Quadratmeter großen Leinwand gestochen scharfe Bilder und im Saal einen erstklassigen Ton. Um die Sitzreihen herum wurden Lautsprecher montiert. Das Ergebnis ist ein Sound in Dolby Surround-7.1-Qualität. „Das ist sogar noch besser als in den anderen fünf Kino-Sälen, wo wir die Version 5.1 haben“, sagt Hans von Fehrn-Stender. Mit der neuen Lounge bringt es die Schauburg auf 540 Kinoplätze. Das ist fast so viel wie in der Anfangszeit, als es nur einen einzigen Kino-Saal gab. In jenen passten 550 Menschen. Die Schauburg feiert Ende des Jahres ein rundes Jubiläum. Sie wird 90 Jahre alt.

In der Lounge werden täglich zwei Vorstellungen angeboten: jeweils um 17.30 Uhr und um 20 Uhr. „Wir möchten den neuen Kinosaal für Filme nutzen, die es wert sind, mehr als nur einen Tag im Kommunalen Kino gezeigt zu werden“, so Karen von Fehrn-Stender. Dabei stehen französische und amerikanische Filme, aber auch deutsche Filmproduktionen auf dem Programm. Die erste Vorstellung im neuen Saal ist bereits so gut wie ausgebucht: Die Zuschauer dürfen sich am heutigen Donerstag ab 20 Uhr auf den Oscar gekrönten US-amerikanischen Film „Moonlight“ freuen.

Mit dem neuen Saal schafft sich das Kino mehr Freiraum für Sonderveranstaltungen. Die Lounge kann ab sofort für private Feste gebucht werden, ebenso für Weihnachtsfeiern. Geboten werden neben einem Tresen mit Küchenzugang auch die Möglichkeit, Buffets aufzubauen. Und wen weder der Film auf der Leinwand noch das Buffet am Tresen interessiert, greift sich eines der Bücher aus den Regalen. Sie stammen zum größten Teil aus der Privatbibliothek der Fehrn-Stenders. Allerdings ist auch hier ein Bezug zum Kino unübersehbar, wie die Hausherren deutlich machen: „Fast alle Bücher im Saal sind bereits verfilmt worden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen