Rendsburg : „Bullenwiese“ fehlt nur noch der Bulle

Gemeinsam unterwegs: Zwei Kälber vertreiben sich die Zeit.
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Gemeinsam unterwegs: Zwei Kälber vertreiben sich die Zeit.

Schottische Hochland-Rinder weiden seit kurzer Zeit im Naturerlebnisraum Untereider. Die Ökokontofläche dient als Ausgleich für städtische Baumaßnahmen.

shz.de von
06. Juni 2014, 07:00 Uhr

Sind das etwa Hörner? Ja, es sind Hörner! Schläfrig hebt das Tier den Kopf, blickt dösend nach links und rechts – und verkriecht sich dann doch wieder im hohen Gras. Im Schatten unter einem großen Baum haben es sich die zotteligen Viecher bequem gemacht. Seit kurzer Zeit bevölkern Schottische Hochland-Rinder die Wiese zwischen Raiffeisenstraße und Untereider. Der „Bullenwiese“ fehlt derzeit nur noch eines, um ihrem Namen vollauf gerecht zu werden – der Bulle.

„Der kommt in etwa zwei Monaten dazu. Jetzt steht er noch auf der Fläche an der Büsumer Straße“, sagt Hans-Willi Henningsen. Dem 52-jährigen Hobbyzüchter aus Alt Duvenstedt, der seit 30 Jahren beim Umwelt- und Technikhof als Landschaftsgärtner arbeitet, gehören die robusten Tiere. Als er sich der Weide mit einem Eimer voll trockener Brötchen nähert, da ist es mit der großen Ruhe vorbei. Ein lautes und langgezogenes „Muuuuuh“ einer Mutterkuh läutet die Zwischenmahlzeit ein.

Am Anfang waren es zehn Rinder – fünf Mutterkühe und fünf einjährige Kälber. Ende vergangener Woche erblickten dann zwei weitere Kälber auf der Wiese unweit des Nordkollegs das Licht der Welt und stiefeln nun – noch etwas unsicher auf den Beinen und wenn sie nicht gerade im hohen Gras verborgen liegen – ihren Müttern ganz dicht hinterher.

Dass die genügsamen Vierbeiner auf der Fläche – wegen ihrer historischen Nutzung durch eine ehemals angrenzende Besamungsanstalt auch „Bullenwiese“ genannt – weiden, hat einen Grund. „Die Fläche zwischen Raiffeisenstraße und Untereider ist rund sieben Hektar groß. Davon werden jetzt 5,7 Hektar als Ökokontofläche ausgewiesen und extensiv beweidet“, erklärt Stephanie Schönbach, Landschaftsplanerin im Fachdienst Tiefbau der Stadt. Beim Kreis Rendsburg-Eckernförde wird auch für Rendsburg ein Ökokonto geführt. Größere Flächen werden zum Beispiel durch Extensivierung oder Bepflanzungen ökologisch aufgewertet, ohne dass an anderer Stelle schon ein Eingriff besteht, der eben jenen Ausgleich nötig macht. „Die Aufwertung wird in Ökopunkten gutgeschrieben“, erklärt Schönbach: „Wenn dann eine Baumaßnahme ausgleichspflichtig wird, werden entsprechende Punkte abgelöst.“ Die „Bullenwiese“ dient als Ausgleich für Erweiterungen von Regenwasserbehandlungsanlagen im Norden der Stadt sowie für den Neubau eines Trinkwasserreservoirs des Wasserwerks Armensee.

Durch das Ökokonto-Prinzip können laut Schönbach größere und für den Naturschutz sinnvollere Maßnahmen im Vorwege „in einem Rutsch umgesetzt“ werden. Zudem müsse nicht für jede kleinere Baumaßnahme, die nach dem Landes- oder Bundesnaturschutzgesetz einen Eingriff darstellt, immer erst eine neue Ausgleichsfläche gesucht werden. Dadurch sei es möglich, Genehmigungen für Vorhaben viel schneller zu erteilen. Anders als bei der konventionellen Bewirtschaftung einer Weide gelten bei einer Ökokontofläche dem Naturschutz dienende Einschränkungen – beispielsweise geringerer Viehbesatz, keine Zufütterung, kein Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie keine frühe Mahd.

Seit dem Jahr 2000 hat Rendsburg verschiedene Ökokontoflächen ausgewiesen – unter anderem an der Büsumer Straße, in der Kortenfohr-Niederung sowie am Klinter Weg (Goldwiese). Da diese allerdings weitgehend erschöpft seien, nach wie vor aber der Bedarf besteht, sei nun die „Bullenwiese“ als Ökokontofläche eingerichtet worden.

Doch die Stadt sieht auch weiteren Nutzen in der Beweidung durch die Schottischen Hochland-Rinder. Schönbach: „Die Rinder sollen langfristig den alten Namen der Fläche wieder mit Leben füllen. Gleichzeitig stellt die Beweidung eine Attraktivitätssteigerung für den Naturerlebnisraum Untereider dar.“ Ob die Tiere das ganze Jahr über auf der Weide bleiben oder im Winter in Alt Duvenstedt unterkommen, ist noch nicht endgültig geklärt.

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