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Bürgerstiftung will künftig am Aktienmarkt investieren

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Reaktion auf Niedrigzinsen: Zwei Drittel des Vermögens fließen in Fonds / Stiftermahl im Alten Rathaus

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 12:20 Uhr

Die Bürgerstiftung Region Rendsburg ist mit einem Vermögen von über 1,2 Millionen Euro die reichste in Schleswig-Holstein. Doch das Kapital wirft von Jahr zu Jahr weniger ab – eine Folge der Niedrigzinsphase. Jetzt hat der Vorstand entschieden, nicht mehr allein auf konservative Geldanlageformen wie Festgeldkonten zu setzen, die früher drei bis vier Prozent und aktuell weniger als ein Prozent Zinsen bringen. Wie Stiftungsratsvorsitzender Dr. Christopher Leptien am Donnerstagabend im Alten Rathaus sagte, wolle man zwei Drittel des Vermögens in zwei speziell für Bürgerstiftungen aufgelegte Fonds umschichten.

Das könnte die Summe der für wohltätige Zwecke auszuschüttenden Gelder spürbar erhöhen, machte er vor den Gästen des fünften Stiftermahls im Alten Rathaus deutlich. Denn ohne eine neue Anlagestrategie steuere man auf Zinseinnahmen von lediglich 10  000 Euro im Jahr zu. Die Tendenz der vergangenen Jahre hat den Vorstand alarmiert: 2012 erhielt man auf das Kapital 28  000 Euro Zinsen, 2014 waren es nur noch 18  000 Euro. Dass man im vergangenen Jahr 20  000 Euro habe ausschütten können, sei auf Spendeneinnahmen zurückzuführen. Von den Fonds erhofft sich Leptien einen Zinssatz, der je nach Lage des Aktienmarkts zwischen drei und sechs Prozent liegen könnte. Bei einem Anlagevermögen von 800  000 Euro würde die Bandbreite des Erlöses zwischen 24  000 und 48  000 Euro liegen.

Zum Stiftermahl im Ratssaal waren 40 Stifter erschienen, unter ihnen ein Ehrengast, den Vorstandsvorsitzender Hans Valdorf besonders begrüßte: Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt. In seiner Festrede sagte dieser: „Die Demokratie immer wieder zu erlernen und die Freiheit zu verteidigen, ist und bleibt die erste Bürgerpflicht.“ Entscheidend sei, dass man dieselben Werte teile, das Leben achte und Toleranz und Solidarität übe. Damit leitete er über auf die Situation der Flüchtlinge. Studt kritisierte den Bund, „der sich völlig aus der Verantwortung zieht“. Unterbringung und Integration der Flüchtlinge seien eine nationale Aufgabe. Der Minister schilderte, dass es darunter viele Jugendliche aus Kriegsgebieten gebe, die keinerlei Informationen über das Schicksal ihrer Eltern hätten. Dennoch hätten diese Jugendlichen einen großen Lebensmut, wollten sich zügig integrieren und die deutsche Sprache lernen. Studt rief dazu auf, die Flüchtlingswelle nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen, zum Beispiel bei der Bewältigung des drohenden Facharbeitermangels.

Hans Valdorf begrüßte beim Festmahl fünf neue Stifter: Astrid und Peter Carsten Ehlers, Adelheid Remberg sowie Dr. Hans-Günter und Kerstin Pekeikis. Und dann wurde getafelt. Es gab Räucherlachs mit Kohlrabi-Radieschen Tartar, Steinpilzcremesuppe, Kalbstafelspitz und Crème brûlée. Um das Stiftungsvermögen nicht anzutasten, zahlte jeder Stifter die Kosten von 60 Euro pro Person aus eigener Tasche.

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