Schacht-Audorf : Bürgerbegehren gegen die Aussichtsplattform am Kanal

illu laz plattform 6-2015 yal rz.JPG
1 von 2

Gegner wollen den Bau eines Schiffsbugs als Touristen-Attraktion verhindern. Jetzt sammeln sie Unterschriften.

Avatar_shz von
23. Juni 2015, 12:00 Uhr

Die Gegner der geplanten Aussichtsplattform am Nord-Ostsee-Kanal machen Ernst: Um das Tourismus-Projekt zu verhindern, initiieren sie ein Bürgerbegehren. Ziel ist es, die Entscheidung der Gemeindevertretung von Schacht-Audorf durch einen Bürgerentscheid zu kippen.

„Wir haben so viele Baustellen im Ort, die dringender sind als eine Aussichtsplattform“, sagt Klaus Waskönig, einer von drei Vertretungsberechtigten für das Bürgerbegehren. Das Steuergeld könne an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. Als Beispiel nennt der pensionierte Polizeibeamte 80 gemeindeeigene Wohnungen, die saniert werden müssten. Auch Straßen und Bürgersteige seien in keinem guten Zustand. Für eine Aussichtsplattform, die voraussichtlich 486  000 Euro kosten wird, wovon die Gemeinde Schacht-Audorf maximal 150  000 Euro übernimmt, sei einfach kein Geld vorhanden. „Tourismus gehört an die Nord- und Ostsee, aber nicht nach Schacht-Audorf am Kanal“, so Waskönig. Mit dem „Kiek-ut“ verfüge der Ort bereits über eine Aussichtsplattform, ergänzt Hausfrau Virginia Nagel. „Sie müsste nur besser gepflegt werden.“

Ihr Mitstreiter Matthias Salomon, ein pensionierter Lehrer, warnt vor den nicht absehbaren Unterhalts- und Bewirtschaftungskosten: „Der Schiffsrumpf ist eine Maßnahme zur Plünderung der Gemeindekasse.“ Die zu erwartenden Ausgaben stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen der Plattform.

Sechs Monate haben die Gegner Zeit, um zunächst zehn Prozent der wahlberechtigten Schacht-Audorfer für ihr Anliegen zu gewinnen. Haben sie mindestens 375 gültige Unterschriften beisammen, und die Kommunalaufsicht erklärt das Bürgerbegehren für zulässig, kommt es zum Bürgerentscheid. Dieser hebt den Beschluss der Gemeindevertretung zum Bau der Plattform auf, wenn mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten und zugleich die Mehrheit der teilnehmenden Wähler folgende Frage mit „Ja“ beantworten: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Schacht-Audorf die Planung und Errichtung einer weiteren Aussichtsplattform am Kanal einstellt?“ Kreuzen mindestens 750 Einwohner „Ja“ an und werden zugleich weniger „Nein“-Stimmen gezählt, sind die Plattform-Pläne der Gemeinde gescheitert. Bürgermeister Eckard Reese zeigte sich vom Bürgerbegehren „enttäuscht, aber es ist ein ganz normaler demokratischer Prozess“. Er sei vom Schiffsbug-Projekt, das nur ein Puzzleteil von mehreren sei, überzeugt und sehe dem Bürgerbegehren gelassen entgegen. „So bekommen wir ein gefestigtes Meinungsbild aus der Bevölkerung.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen