Flut von Anträgen : Bürger bewaffnen sich

<p>Der 'Kleine Waffenschein' berechtigt zum Führen von Schreckschusswaffen. Für das Tragen von Schusswaffen hingegen wird der reguläre Waffenschein berechtigt.</p>
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Der "Kleine Waffenschein" berechtigt zum Führen von Schreckschusswaffen. Für das Tragen von Schusswaffen hingegen wird der reguläre Waffenschein berechtigt.

Die CDU hat eine Debatte darüber angestoßen, die Hürden für den Erwerb des „Kleinen Waffenscheins“ zu verschärfen. Das führt zu einer Antragsflut.

shz.de von
15. Januar 2018, 18:58 Uhr

Eine Äußerung von Torsten Geerdts (CDU), Staatssekretär im Innenministerium, hat in der vergangenen Woche einen Ansturm auf den Kleinen Waffenschein im Kreis Rendsburg-Eckernförde ausgelöst. Geerdts vertrat die Meinung, dass die Hürden für den Erwerb des Scheins zu niedrig sind. Hintergrund seiner Aussage sind die steigenden Antragszahlen. Das Dokument wurde 2017 landesweit über 4000 Mal nachgefragt. Diesen Trend will Geerdts mit einer Verschärfung der Zugangsvoraussetzungen stoppen.

Barbara Rennekamp vom Fachdienst Allgemeine Ordnungsverwaltung und Verkehr, bestätigt, dass durch die Aussage des Staatssekretärs eine Antragsflut ausgelöst wurde: An nur einem Tag gingen 73 Anträge ein – mehr als im gesamten Jahr 2015. „Durch die Berichterstattung über das Thema kamen wahrscheinlich viele auf die Idee: ‚Mensch, das will ich auch haben‘ “, kommentiert Rennekamp. Die Reaktionen auf die Aussicht, dass der Schein vielleicht bald deutlich schwerer zu bekommen ist, vergleicht sie mit Hamsterkäufen von Glühbirnen und 2000-Watt-Staubsaugern.

Einen grundsätzlichen Trend zu mehr Kleinen Waffenscheinen gab es aber bereits in den Vorjahren: 2016 wurden mit 622 fast neun Mal so viel Anträge gestellt wie 2015. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl noch einmal leicht auf 677. Rennekamp führt diese Entwicklung darauf zurück, dass „das Sicherheitsempfinden ein anderes geworden ist“. Auslöser dafür war die Silvesternacht 2015 in Köln, ist sie überzeugt.

Mit dem kleinen Waffenschein darf man Schreckschusspistolen, Gas- und Signalwaffen mit dem Zulassungszeichen PTB mit sich führen. Wer ohne den Schein mit den entsprechenden Waffen unterwegs ist, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen.

Der Weg zu dem Schein ist unkompliziert: Auf der Internetseite des Landes kann man eine Onlineanfrage stellen, die automatisch an die Kreisverwaltung weitergeleitet wird. Alternativ kann man das Formular per Post schicken. Persönlich vorstellig werden muss man nicht. Der zentrale Unterschied zu dem Großen Waffenschein und Waffenbesitzkarten ist, dass man nicht begründen muss, weshalb man eine Waffe benötigt, erklärt Simon Lehnert, zuständiger Sachbearbeiter bei der Waffenbehörde im Kreishaus.

Gemeinsam mit einer Kollegin muss er die Flut an Anträgen bearbeiten, die aktuell bei der Behörde ankommt. Zunächst muss er die Meldedaten des Antragstellers mit der Kreisdatenbank abgleichen. Anschließend startet er eine Zuverlässigkeitsüberprüfung: Hierfür werden Auszüge aus dem Bundeszentralregister und dem Zentralen Staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister angefordert. Außerdem wird beim LKA gefragt, ob Erkenntnisse über die betreffende Person vorliegen. Sofern es keine Auffälligkeiten gibt, wird das Dokument ausgefertigt und gegen eine Gebühr von 60 Euro verschickt. Die Gültigkeit der damit verliehenen Berechtigung ist unbefristet.

Das Profil eines typischen Antragstellers kann Lehnert nicht benennen: „Die ganze Bandbreite ist vertreten – von 18 bis 80, männlich wie weiblich.“ Die wenigsten kommen persönlich vorbei – zumeist gehen die Anträge online ein. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde werden landesweit die meisten Kleinen Waffenscheine ausgestellt. „Den Grund dafür wissen wir nicht“, so Rennekamp.

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