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Sorge um die Innenstadt : Bündnis gegen die „Toten Augen von Rendsburg“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Stadt und Wirtschaft in Sorge über Leerstände in der Innenstadt.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Die leeren Schaufenster aufgegebener Läden wirken leblos und abstoßend. Bürgermeister Pierre Gilgenast sowie Jens van der Walle und Michael Thomas Fröhlich vom Unternehmensverband Mittelholstein sprechen von „toten Augen“. Der Leerstand in der Altstadt macht ihnen Sorgen. Von den 35000 Quadratmetern Verkaufsfläche sind derzeit 20 Prozent (7000 Quadratmeter) unvermietet. Gemeinsam wollen Stadt und Wirtschaft gegensteuern – mit einer „Initiative zur Revitalisierung der Rendsburger Innenstadt“.

Das Fernziel: Die Altstadt soll so attraktiv werden, dass Existenzgründer, Jungunternehmer und Dienstleister sich geradezu darum reißen, einen der derzeit zwei Dutzend leeren Läden zu ergattern. Die Vorgehensweise: Die Initiatoren bringen zwar kein Geld ein, wollen aber ihre Netzwerke nutzen, um Hauseigentümer und potenzielle Mieter zusammenzubringen. Dazu muss allerdings an einigen Stellschrauben gedreht werden. Da wäre zum einen die Größe der Läden. Von Hertie abgesehen (5200 Quadratmeter) sind die meisten verwaisten Geschäfte zwischen 20 und 70 Quadratmeter groß. „Interessenten haben wir für Flächen ab 200 Quadratmeter“, sagt der Bürgermeister. Und hier kommt das Bauamt ins Spiel: Wie wäre es, so die Initiatoren, wenn man nebeneinander liegende leere Läden zu einem Geschäft verknüpft? Gilgenast jedenfalls sichert zu, dass das Bauamt jede derartige Anfrage wohlwollend begleiten werde. Und wenn sich ein Objekt partout nicht mehr als Geschäft nutzen lassen, müsse auch über eine Nutzungsänderung nachgedacht werden. Wohnen statt arbeiten – auch darüber will die Stadt mit sich reden lassen.

Zweiter Aspekt: die Höhe der Mieten. Insbesondere bei den Geschäftshäusern, deren Eigentümer nicht in der Region leben, unterscheiden sich die Mietpreisforderungen offenbar deutlich von dem, was potenzielle Mieter zu zahlen bereit sind. Weder Stadt noch Wirtschaft nennen konkrete Zahlen. Insider jedoch berichten gegenüber der Landeszeitung, dass eine Miete zwischen zehn und 13 Euro pro Quadratmeter in Teilen der Altstadt das Maximum dessen sei, was man verlangen könne. Tatsächlich lägen die Forderungen bisweilen um mindestens das Doppelte über diesen Sätzen. Noch vor 20 Jahren sollen je nach Lage zwischen 40 und 100 Euro pro Quadratmeter aufgerufen worden sein.

Der Niedergang der südlichen Altstadt, darin sind sich Gilgenast, van der Walle und Fröhlich einig, ist wesentlich auf die Schließung des Hertie-Kaufhauses im August 2009 zurückzuführen. Fröhlich nennt aber noch weitere Aspekte: den Abzug der Bundeswehr und den Bau des Eider-Parks. Beides habe Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen. Um das Ruder herumzureißen, brauche die Innenstadt ein besseres Image. Dazu könne beitragen, an bestimmten Sonderverkaufstagen über ein kostenfreies Parken nachzudenken. Für Jens van der Walle ist die Belebung der Innenstadt „eine Herzensangelegenheit“, nicht zuletzt aus durchaus eigennützigen Motiven: „Stirbt eine Innenstadt, kann eine ganze Region sterben.“

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