G10 : Bündnis für die Gieselau-Schleuse

Damit Eiderkreuzfahrten weiterhin möglich sind: Kommunen, ETS GmbH und Politiker haben sich zu einer Arbeitsgruppe für die Gieselau-Schleuse zusammengeschlossen.
Damit Eiderkreuzfahrten weiterhin möglich sind: Kommunen, ETS GmbH und Politiker haben sich zu einer Arbeitsgruppe für die Gieselau-Schleuse zusammengeschlossen.

Die Eider-Anrainergemeinden gründen eine Arbeitsgruppe für den Erhalt des Bauwerks.

shz.de von
24. August 2017, 12:48 Uhr

Karsten Jasper nimmt kein Blatt vor den Mund. „Die Schließung der Gieselau-Schleuse wäre verheerend für die Region.“ Der Geschäftsführer der Eider-Treene-Sorge (ETS) GmbH hatte darum gestern Vertreter von Kommunen, Kreisen sowie Landtags- und Bundestagsabgeordnete zusammengetrommelt. Mehr als 60 Vertreter der Eider-Anrainergemeinden waren erschienen Das Ergebnis: Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die den Erhalt der Schleuse vorantreiben will. „G10“ nennt sie sich. „Wir wollen die Kräfte bündeln und mit einer Stimme sprechen“, sagt Martin Schmedtje, Bürgermeister von Breiholz.

Seit mehr als zwei Jahren verunsichern Meldungen von der maroden Schleuse Touristen wie Einheimische. Seitdem bekannt wurde, dass sich der Bund der Zuständigkeit für Gieselau-Kanal und -Schleuse entledigen will, regt sich Widerstand. So haben die betroffenen Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde sowie das Amt Nordsee-Treene und die Städte Tönning und Friedrichstadt Resolutionen verabschiedet und eingereicht, in denen sie den Bund auffordern, die Funktionsfähigkeit der Schleuse weiterhin sicherzustellen. Für Thomas Klömmer, ETS-Vorsitzender und Bürgermeister von Erfde, ist klar: „Der Tourismusbranche ist schon jetzt Schaden entstanden. Die Zahlen sind bereits rückläufig“. Was in den Köpfen der Menschen hängen bliebe, seien die negativen Schlagzeilen. „Es gibt Ferienhausgebiete, die mit der Gieselau-Schleuse rechnen“, so Jasper. Das Treenehotel, die Hausboot-Station in Süderstapel, die Hohner Fähre – überall sei investiert worden.

Zudem würde Privatbooten und den Ausflugsschiffen der Adler-Reederei gleichermaßen der Weg in den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) abgeschnitten. Notwendig ist die Schleuse, weil NOK und Eider einen unterschiedlich hohen Wasserspiegel haben. Über den Gieselau-Kanal gelangen die Schiffe vom Nord-Ostsee-Kanal in die Eider, können auf ihr bis nach Tönning fahren und von dort in die Nordsee (oder umgekehrt). Auf dem Weg sind in Lexfähre und Nordfeld weitere Schleusen zu passieren. Zudem dienen die Schleusen der Regulierung bei Hochwasser.

Das Verkehrsministerium in Berlin bekennt sich zur Eider als Bundeswasserstraße, zum Gieselau-Kanal und dessen Schleuse jedoch nicht. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Kreise oder Kommunen Schleuse und Kanal übernehmen. In dem Fall würde der Bund die Hälfte der Gesamtinvestitionssumme tragen. Den Rest sowie Planung, Genehmigung und Bau müsse der neue Eigentümer übernehmen, verlautete bereits vor einiger Zeit.

„Wir wollen die Schleuse, aber auch nicht die Katze im Sack“, betont Jasper. So wird die Arbeitsgemeinschaft zunächst das Gutachten über die Schleuse prüfen, das nach zwei Jahren endlich fertig ist. Dann werden Gespräche unter anderem mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz anvisiert. Das Land, das übrigens einer Entwidmung zustimmen muss, dürfe sich nicht aus der Verantwortung ziehen, ist er überzeugt. Wichtig sei aber auch, rechtlich zu klären, welche Verpflichtungen der Bund in punkto Wasserstraßen hat, betonte Mark Helfrich (CDU). „Wir stehen am Anfang der Verhandlungen“, sagt Martin Schmedtje, der wie Jasper der Meinung ist: Die Stilllegung der Schleuse „wäre eine Katastrophe für die Region“. Er ist optimistisch, dass sich eine Lösung finden lässt. Wie genau die aussehen wird, werde sich im Laufe der Zeit zeigen. Aber das der Bund im Falle eines Besitzerwechsels lediglich 50 Prozent der Kosten übernehme, ist für den Breiholzer Bürgermeister nicht hinnehmbar.

Das Bündnis:

G10 nennt sich die Arbeitsgruppe für den Erhalt der Gieselau-Schleuse. Geschäftsführung: Eider-Treene-Sorge GmbH (vertreten durch Karsten Jasper und Thomas Klömmer), Bundestagsabgeordneter Mark Helfrich, Landtagsabgeordneter Andreas Hein, Christian Rüsen (Leitender Verwaltungsdirektor Kreis Dithmarschen), Cora von der Heide (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Martin Schmedtje (Bürgermeister Breiholz), Manfred Lindemann (Amtsvorsteher Amt Eider), Stefan Ploog (Bürgermeister Kropp), Eggert Vogt (Bürgermeister Friedrichstadt), Dorothe Klömmer (Bürgermeisterin Tönning).


Bedeutung für die Region (2016):

> Zirka 1600 Schleusungen

> 22 Häfen mit zirka 820 Liegeplätzen und acht Hafenmeistern

> Angelvereine: 22 an der Mitteleider

> Gastlieger: 330 in Tönning, 328 in Friedrichstadt, 300 Lexfähre

> Tagesgäste Gastlieger: Tönning 1200, Friedrichstadt 750. 1200 Gäste = Kaufkraft von circa 120  000 Euro

> Dauerliegeplätze: 640 mit einer Jahresgebühr von insgesamt 131  200 Euro

> Tagesgäste „Adler Princess“: Mehr als 10  000 mit Ausstieg in Lexfähre, Süderstapel, Friedrichstadt oder Tönning

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