Diskussion über Verkehrsprobleme : Bühne frei für die Wirtschaft

Gäste und Gastgeber: UV-Mittelholstein-Vorsitzender Jens van der Walle (links) und Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich (rechts) mit Innenminister Hans-Joachim Grote (zweiter von links) und Bürgermeister Pierre Gilgenast.
1 von 2
Gäste und Gastgeber: UV-Mittelholstein-Vorsitzender Jens van der Walle (links) und Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich (rechts) mit Innenminister Hans-Joachim Grote (zweiter von links) und Bürgermeister Pierre Gilgenast.

20. Mai-Meeting des Unternehmensverbandes im Stadttheater mit 400 Gästen. Innenminister Grote als Hauptredner.

shz.de von
29. Mai 2018, 09:25 Uhr

Rendsburg | Wenn sich die Wirtschaft zum traditionsreichen Mai-Meeting versammelt, sind die größten Säle der Region gerade eben groß genug. 400 Gäste machten dem Unternehmensverband Mittelholstein gestern ihre Aufwartung, und dieser hatte dafür wohlweislich das Stadttheater gebucht. Vorsitzender Jens van der Walle und Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich empfingen im Foyer Firmenlenker, Politiker und Verwaltungsleute. Der Ehrengast des Abends verspätete sich um 18 Minuten. Die Sperrung der A7 bei Bad Bramstedt wegen eines schweren Unfalls hatte Innenminister Hans-Joachim Grote zu einem Umweg über Bundes- und Landstraßen gezwungen.

Für das sich durch den Unfall ergebende Stau-Chaos dürften die meisten im Saal Verständnis gehabt haben. Sie kennen das ja aus eigenem Erleben, auch wenn die andauernden Verkehrsprobleme in der Region Rendsburg eine ganz andere Ursache haben. Vorsitzender van der Walle sprach dies in seinen Begrüßungsworten an, so wie zuvor auch Bürgermeister Pierre Gilgenast. Wirtschaft und Gesellschaft seien gebeutelt durch die sich von Jahr zu Jahr verlängernde Sanierung des Kanaltunnels und den Ausfall der Schwebefähre. Hinzu kommen die aktuellen Bauarbeiten am Rendsburger Kreuz, so van der Walle. „Und nun steht uns, längst überfällig, noch die Sanierung der Eiderbrücke kurz vor dem Tunnel auf der B77 bevor.“ Er schilderte, dass Neuansiedlungen in der Wirtschaft an den Verkehrsverhältnissen scheitern und Mitarbeiter sich andere Jobs an anderen Standorten suchen, weil sie die täglichen Staus vermeiden wollen.

Der Vorsitzende nutzte den Besuch des Innenministers, um ein weiteres Thema anzusprechen, das der Wirtschaft auf den Nägeln brennt. „Wer in Schleswig-Holstein lebt, hat nicht den Eindruck, dass es an Verwaltungseinheiten mangelt“, sagte er. Im Norden gibt es 1106 Gemeinden, 50 Ämter, elf Kreise, vier kreisfreie Städte, 70 eigenständige Landesbehörden – und das alles bei nur 2,8 Millionen Einwohnern. Wirtschaftliche Entwicklung werde durch diese Bürokratie nicht gefördert. Van der Walle: „Eine Verwaltungsebene ist im Grunde überflüssig.“

Innenminister Grote griff diese Steilvorlage auf und verglich Schleswig-Holstein mit dem bevölkerungsreichsten Bundesland. In Nordrhein-Westfalen (17,9 Millionen Einwohner) gibt es laut Grote nur 500 Gemeinden. Doch ob Größe allein der entscheidende Wert ist, bezweifelte er. „Ich glaube, dass sich Menschen in kleineren Einheiten wohlfühlen.“ Grote verwies darauf, dass in seinem Ministerium derzeit am neuen Landesentwicklungsplan gearbeitet wird. Dieser solle im Gegensatz zu früheren Plänen neue Freiräume ermöglichen. In den alten Regelwerken sei es vor allem darum gegangen, Dinge zu definieren, die nicht möglich sind. Der neue Landesentwicklungsplan hingegen werde eine Experimentierklausel enthalten. Details nannte das Kabinettsmitglied nicht. Nur soviel: Das Entscheidende sei, Ideen zu entwickeln und sich dann – im zweiten Schritt – zu überlegen, wie man sie umsetzen kann. Grote betonte, dass er kein Freund einer Gebietsreform wie in den siebziger Jahren sei. Die interkommunale Zusammenarbeit jedoch soll gestärkt werden: „Wenn Gemeinden gemeinsam etwas bewegen wollen, werden wir das unterstützen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen