Abgespeckt : Büdelsdorfer verlor 77,5 Kilo

Gewicht annähernd halbiert:  Die Hose vom Abiball ist zum kuriosen Andenken geworden.
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Gewicht annähernd halbiert: Die Hose vom Abiball ist zum kuriosen Andenken geworden.

Der Abiball-Anzug passt Daniel Sahler nicht mehr

shz.de von
18. Januar 2018, 11:00 Uhr

„Als ich merkte, dass die Treppen in den ersten Stock zu anstrengend wurden, habe ich beschlossen, dass ich abnehmen muss“, erinnert sich Daniel Sahler. Heute sieht man dem 27-Jährigen nicht mehr an, dass er vor wenigen Jahren noch 167,5 Kilogramm wog – bevor er beschloss, sein Leben „nicht so einfach wegzuwerfen“, wie er sagt.

Das Übergewicht kam schleichend. Bis zum achten Lebensjahr war Sahler ein schmächtiger Junge, der viel Fußball spielte. Als seine Mutter anfing zu arbeiten, verbrachte Sahler die Mittage bei seinen Großeltern. „Und Oma kochte eben immer gut“, sagt Sahler. Mit der Zeit schlug die Waage immer weiter aus, der Sport wurde stetig weniger, bis Fußballspielen gar nicht mehr ging. Gemobbt wurde Sahler zwar nie, die Blicke von Fremden spürte er aber umso deutlicher. „Besonders beim Schwimmen war ich gehemmt und hatte Angst vor den Reaktionen“, erinnert er sich. „Was für andere Jungs normal war, war für mich mit meinem Übergewicht immer mit einer Hemmschwelle verbunden, die ich überwinden musste.“ Böswillige Sprüche im Schwimmbad wurden schon bald zur Normalität. Die ersten 42,5 Kilo verlor Sahler schließlich 2013 mit der 30-Gramm-Fett-Methode, die er im Internet recherchierte. „Man muss nur auf das Fett in den Lebensmitteln achten und kann eigentlich alles essen. Deswegen hat es funktioniert“, so der 27-Jährige. Mit Diäten und Verzicht hatte er es zuvor immer einmal wieder versucht. Doch geklappt hatte es nie.

„Als meine Tochter zur Welt kam, stagnierte die Gewichtsabnahme zunächst“, erzählt Sahler. Den nächsten Durchbruch erreichte er mit den „Weight Watchers“. 35 weitere Kilos purzelten im vergangenen Jahr. „Bei den Weight Watchers war ich zwar der Hahn im Korb, aber die Treffen haben mir sehr gut getan, und die Mädels sind mir ans Herz gewachsen“, sagt der 27-Jährige und lacht. Zu den Treffen fährt er noch immer gern. Ein Zeitlimit für die Abnahme hatte Sahler sich nie gesetzt. „Man darf sich nicht stressen. Wenn man damit anfängt, streikt der Körper – und es geht erst einmal gar nichts mehr.“

Seit seinem Gewichtsverlust hat sich aber nicht nur seine Kleidergröße verändert. „Ich habe Tagesroutinen aufgebaut. Ich wiege zum Beispiel alles ab, bevor ich es esse“, so Sahler. Aber auch die Menschen um ihn herum nehmen ihn anders wahr. „Ich hatte nie Probleme, Leute kennen zu lernen, aber seit ich abgenommen habe, sind viele mir gegenüber offener und behandeln mich einfach anders.“ Seine Freunde gaben ihm Halt während der Gewichtsabnahme. Sie haben ihn immer unterstützt, sind mit ihm durch Dick und Dünn gegangen, wortwörtlich. „Ohne den Rückhalt hätte ich es nicht geschafft.“

Jetzt bringt er 90 Kilo auf die Waage. Damit fühlt sich der Büdelsdorfer wieder wohl. „Im eigenen Kopf hat man aber ein verkorksteres Bild von sich selbst, als andere das haben. Das kriegt man nur schwer weg.“ Treppen sorgen aber nicht mehr für Schweißausbrüche, und auch auf dem Fußballplatz fühlt sich Sahler wieder heimisch.

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