Bewährungsstrafe : Büdelsdorfer hortete Kinderpornos

Die Ermittler stellten auf dem Computer des Angeklagten über 10000 Dateien mit verbotenen Inhalten sicher.

Die Ermittler stellten auf dem Computer des Angeklagten über 10000 Dateien mit verbotenen Inhalten sicher.

44-Jähriger zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Ermittler fanden 11 400 Dateien mit verbotenen Inhalten.

shz.de von
22. März 2017, 08:59 Uhr

Kein Zuschauer im Gerichtssaal, keine Nebenkläger. Nach nur 15 Minuten war alles vorbei. Das Urteil: Neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro. Das Verbrechen: Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie. Vier Jahre hatte der 44-jährige Angeklagte aus Büdelsdorf auf sein Urteil gewartet. Der letzte von mehreren Verhandlungstagen gestern Vormittag im Rendsburger Amtsgericht dauerte nicht einmal eine halbe Stunde.

Still saß der Beschuldigte neben seinem Verteidiger, sah aus dem Fenster, während die Anklage verlesen wurde. Zwischen Juni 2007 und März 2012 soll der Mann aus Büdelsdorf kinderpornografische Bilder und Filmaufnahmen auf seinem Computer gespeichert haben. Zudem wurde er beschuldigt, die Inhalte über eine Tausch-Software im Internet an Dritte weitergegeben zu haben. 20 Mal habe der Angeklagte die Dateien zum Download zur Verfügung gestellt, so die Staatsanwaltschaft.

Sechs Festplatten sowie mehrere mobile Datenträger stellten die Ermittler bei dem Büdelsdorfer sicher. Insgesamt fanden die Beamten 11 432 Dateien, die unter anderem Kinder bei sexuellen Handlungen mit Erwachsenen oder Jugendlichen zeigen. Auch der sexuelle Missbrauch von Kleinkindern unter zwei Jahren wurde auf den Speichermedien dokumentiert.

Bereits in der Hauptverhandlung hatte der Beschuldigte alle Vorwürfe eingeräumt. Gestern betonte der 44-Jährige noch einmal, dass der Besitz der Dateien für ihn nur nebensächlich gewesen sei. „Mir ging es vor allem um die Jagd und die Suche“, so der Büdelsdorfer. Die Nachfrage der Staatsanwaltschaft, ob er über eine Therapie nachgedacht habe, verneinte der Angeklagte. „Ich habe mir einige der Sachen gar nicht angeschaut“, gab er an. „Und die letzten fünf Jahre habe ich auch ohne gelebt.“

Der 44-Jährige versicherte, mit Kinderpornografie nichts mehr zu tun zu haben. Nicht einmal einen Internet-Anschluss habe er sich zugelegt, nachdem die Polizei bei ihren Ermittlungen seinen Computer eingezogen hatte. „Ich wollte einen Schlussstrich ziehen.“ Auf die Rücknahme der konfiszierten Geräte und Festplatten verzichtete der Büdelsdorfer. Die Frage des Richters, ob er sich keine Gedanken über die Kinder auf den Fotos und in den Videos gemacht habe, quittierte er mit Schweigen.

Im Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung sowie 2000 Euro Geldstrafe, die dem Kinderschutzbund zu Gute kommen sollen. Eine gerichtlich angeordnete Therapie hielt die Staatsanwaltschaft nicht für sinnvoll: „Der Angeklagte sollte selbst reflektieren.“ Die Ankläger hielten es für glaubhaft, dass der Beschuldigte auf Internet und verbotene Inhalte verzichtet. Der Verteidiger stellte noch einmal das Geständnis seines Mandanten heraus und betonte, dass der 44-Jährige sich in einem stabilen sozialen Umfeld befinde, so sei er beispielsweise bei einer Firma fest angestellt.

Das Urteil bewegte sich schließlich am unteren Rand des möglichen Strafmaßes: Neun Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro. Richter Jörg Napirata erkannte strafmildernd an, dass die Taten teilweise schon zehn Jahre zurück liegen. Auch der Angabe, dass der Angeklagte über keinen Internet-Anschluss mehr verfügt, schenkte er Glauben.

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