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Rendsburger Traditionsunternehmen : Buchhandlung Reichel meldet Insolvenz an

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Geschäft läuft unverändert weiter. Insolvenzverwalter will eine „langfristige Lösung“ erreichen.

Seit fast 105 Jahren versorgt sie die Rendsburger mit Literatur und anderem Lesestoff – jetzt ist die Buchhandlung Reichel in finanzielle Schieflage geraten. Das Traditionsgeschäft hat Insolvenz beantragt. Das entsprechende Schreiben ging am Donnerstag beim Amtsgericht Neumünster ein. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter auf LZ-Anfrage mitteilte, werden die Geschäfte des am 1. Dezember 1909 gegründeten Unternehmens zunächst ohne Einschränkungen fortgesetzt. „Die Buchhandlung wird weiter beliefert, die elf Mitarbeiter wurden und werden weiter bezahlt“, sagte der Hamburger Rechtsanwalt Hendrik Gittermann. Eine Schließung stehe nicht bevor.

Vielmehr wolle man den Betrieb „sanieren und restrukturieren“, so Gittermann. „Uns geht es darum, eine langfristige Lösung zu erarbeiten.“ Ein unerfreuliches Geschäftsergebnis habe zu der Insolvenz geführt. Weitere Gründe nannte der Fachanwalt für Insolvenzrecht nicht. Er selbst sei erst seit wenigen Tagen mit dem Fall betraut. „Generell ist der Buchhandel momentan ein schwieriges Thema“, so der Jurist. Die Konkurrenz der Online-Händler und der digitale Wandel stelle das stationäre Geschäftsmodell vor Probleme. Vor diesem Hintergrund sei die Lage und Kundenfrequenz einer Buchhandlung „unheimlich entscheidend“, so Gittermann.

Der Standort indes könnte im Fall Reichel kaum besser sein. In jüngster Zeit hat sich das Leben in der Innenstadt deutlich spürbar in Richtung Schiffbrückenplatz verlagert. Nicht zuletzt der Umzug des Wochenmarktes hat zu einer Belebung dieses Teils der Altstadt geführt. In der Schiffbrücken-Galerie befindet sich die Buchhandlung seit August 2006. Mit dem Tag des Wechsels in die neuen Räume übernahm Benjamin Vohs die Geschäfte. Der Inhaber verwies auf den vorläufigen Insolvenzverwalter und betonte, dass sich „erstmal nichts“ verändere. Man plane unter anderem Lesungen – die nächste am Mittwoch mit der Bestseller-Autorin Petra Hammesfahr (siehe unten) und eine weitere im Januar mit Klaus-Peter Wolf (Ostfrieslandkrimis).

In der Geschäftswelt sorgte die Nachricht von der drohenden Insolvenz für Betroffenheit. „Ich bin zutiefst erschüttert, entsetzt. Das ist für Rendsburg ein ganz harter Schlag“, sagte Barbara Priese von der Coburg’schen Buchhandlung in der Nienstadtstraße. Sie selbst habe bei Reichel unter dem damaligen Chef Harro Reichel ihre Ausbildung zur Buchhändlerin absolviert. Man sehe sich nicht als Konkurrenten, sondern unterstütze sich, was das Sortiment angeht, sogar gegenseitig. Im Kampf gegen die schwindenden Kundenströme in der Innenstadt müsse man zusammenhalten. Allein mit dem Verkauf von Büchern sei es kaum noch möglich, sich über Wasser zu halten. Allerdings stelle sie in der jüngsten Zeit auch einen leicht gegenläufigen Trend fest. „Es kommt zu einem Umdenken“, so Priese. „Die Leute merken, dass der kleine Handel in der Stadt unterstützt werden muss.“

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erstellt am 25.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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