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Waldschäden : Buchen, Eichen und 200 Kilometer Zaun

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zerstörte Landeswälder werden mit 1,2 Millionen jungen Bäumen aufgeforstet. Einfriedungen sollen Rehe fernhalten.

von
erstellt am 20.Okt.2014 | 12:54 Uhr

Nach den Aufräumarbeiten werden nun die Wälder im Norden Schleswig-Holsteins wieder hergestellt. Vor knapp einem Jahr hatten die Orkane Christian und Xaver für enorme Kahlschläge gesorgt. Etwa 1000 Hektar Wald fielen ihnen allein in den Landesforsten zum Opfer. „Wir sind jetzt so weit, dass wir mit den Herbst-Aufforstungen beginnen können“, sagte Tim Scherer, der Direktor der Landesforsten. 450 000 Bäume sollen bis zum ersten Frost gesetzt werden – insgesamt 1,2 Millionen sind notwendig, um die Sturmschäden langfristig auszugleichen. Und wenn alles funktioniert, wie es sich Scherer und sein Team vorstellen, sollen die Wälder anschließend widerstandsfähiger und mindestens ebenso profitabel werden wie zuvor.

„Wir haben jetzt die Gelegenheit, Fehler zu vermeiden, die unsere Vorfahren gemacht haben“, sagt der Direktor und verweist darauf, dass vor 50 bis 60 Jahren vornehmlich Fichten gepflanzt wurde – schnell wachsend, profitabel, wegen ihrer flachen Wurzeln jedoch windanfällig. „Dies wird ein wohlsortierter Gemischtwarenladen“, erklärte Scherer gestern auf einer 16 Hektar großen und weitgehend kahlen Fläche an der B 77 bei Kropperbusch. Gepflanzt werden vor allem Buchen und Eichen, die schon kurz nach den Stürmen bei den einheimischen Baumschulen bestellt worden waren. Dass es nicht damit getan ist, einfach junge Pflanzen in den Boden zu setzen, macht schon der erste Blick auf das Gelände deutlich: Es ist von einem mannshohen, stabilen Zaun umgeben. „Für die Rehe sind Triebe junger Buchen wie Pralinés – die würden uns alles wegfressen“, sagt Scherer. Die Konsequenz: Um die Aufforstungsflächen in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg werden 200 Kilometer Zaum gezogen. Allein dafür werden rund 1,2 Millionen Euro ausgegeben.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde waren die Wälder Brekendorf und Lohe-Föhrden besonders stark von den Orkanen getroffen. Dort werden etwa 100 000 Bäume neu angepflanzt. Vorwiegend handelt es sich um Buchen und Eichen, die halb- bis vierjährig sind. Insgesamt bezifferte Scherer den Mehraufwand durch die Orkane mit neun Millionen Euro – und das, obwohl nach den Stürmen 400 000 Festmeter Holz verkauft werden konnten – in normalen Jahren liegt der Holzeinschlag bei 250 000 Festmetern.

Scherer machte zudem deutlich, dass die Landesforsten teilweise anders vorgehen als viele private Waldbesitzer. „Wir gehen nicht mit dem Mulcher über die Fläche, sondern lassen auch viel liegen und haben schweres Gerät nur in speziellen Schneisen in den Wald gelassen, die mindestens 20 Meter auseinander lagen.“ Das sei Bodenschutz, sagt der Direktor.

Dass die freigewehten Flächen jetzt nach den Vorstellungen der Landesforsten bepflanzt werden, wird auch Zeit, wie Revierleiter Rainer Mertens deutlich machte: „Wenn wir noch länger warten, ziehen Brombeere und Brennnessel die Nährstoffe aus dem Boden und die noch vorhandenen Fichten erneuern sich. Dann wird es schwer für unsere Buchen und Eichen.“

 

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