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Landeszeitung

20. September 2017 | 13:18 Uhr

Brummi-Fahrer trainierten für den Alltag

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Turnier mit Teilnehmern aus ganz Deutschland

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 14:52 Uhr

Passt der Wagen durch die Toreinfahrt? Seht der Sattelzug nahe genug an der Rampe? Stimmt der Abstand zum Radfahrer? Die Kapitäne der Landstraße müssen jeden Tag herausfordernde Situationen meistern. In einem 19-Stationen-Parcours wurden diese am Wochenende nachgestellt: Auf dem Gelände der ehemaligen Feldwebel-Schmid-Kaserne hatte der Motorsportclub (MSC) Rendsburg zum Fahrsicherheitstraining eingeladen.

„Die Übungen helfen mir im Alltag. Ich geh’ dann meine Tagesaufgaben anders an“, schilderte Alexandra Bruns. Die 32-Jährige war extra aus Tauberbischofsheim angereist. Sie wollte schon als Kind Berufskraftfahrerin werden, seit 2010 hat sie sich diesen Traum erfüllt. Beruflich fährt sie einen Sattelzug, in Rendsburg nahm sie auch hinter dem Steuer eines Solo-Lkw Platz.

In sechs verschiedenen Klassen wurde gestartet. „Jeder Fahrer hat zwei Läufe und jeweils 15 Minuten Zeit“, erklärte Detlef Karstens. Der MSC-Sportwart begutachtete die Läufe. Aber zuvor hatte er selbst den Parcours absolviert. Der Spediteur aus Frestedt in Dithmarschen setzt sich oft selbst ans Lenkrad. Jahrelang hatte er kein Hobby. Aber das Geschicklichkeitsfahren, das „hat mir gleich gefallen“.

Die Veranstaltung war aber nicht nur Training, sondern auch Wettbewerb. Die Sieger qualifizierten sich für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft in Köln. 47 Starter waren gemeldet. Gemessen an der Zahl von Berufsfahrern sei das sicherlich wenig, so Detlef Karstens. Aber nach fünf bis sechs Tagen hinter dem Steuer nehme nicht jeder gerne eine weite Anfahrt auf sich, um wieder „auf dem Bock“ zu sitzen. Und es wissen wohl auch nicht alle Fahrer von diesen Veranstaltungen und nur wenige Firmen unterstützen sie.

Gleich zu Anfang einer Wettbewerbs-Runde galt es, die Treffsicherheit unter Beweis zu stellen. In einer Pfahlkurve sollten die grünen Pfeiler zu Fall gebracht werden. „Aber so, dass die roten stehen bleiben“, betonte Karstens. Damit die Fahrzeuge keinen Schaden nahmen, waren sie an den entsprechenden Stellen mit Noppenfolie geschützt.

Günter Büsing erlegte die Pfähle ganz zügig. Bei Station Nummer fünf sollte dann ein Tor geöffnet werden – möglichst schmal, das brachte am meisten Punkte. Der treffsichere Fahrer verschätzte sich hier jedoch um ein paar Millimeter, berührte eine der seitlichen Tonnen. Das bedeutete: Null Punkte. Büsing nahm es gelassen. Schließlich ist er schon mal Deutscher Meister geworden – 1983, als er begann, an den Wettbewerben teilzunehmen. Und sein Geld verdient er nicht am Brummi-Steuer. Günter Büsing (65) ist Steuerberater. Als er eine kaufmännische Ausbildung im Groß- und Außenhandel machte, entdeckte er die Liebe zum Lkw. „Es hat mich nie losgelassen“, sagte er von seiner Leidenschaft.

Beim Passieren des Tores durften die Fahrer nicht aus dem Fenster schauen. Auch sonst galt es, sich auf die Spiegel zu verlassen. Denn: „Hinauslehnen während der Fahrt – 50 Punkte Abzug“, hieß es in den Regeln. Hinauslehnen ist im Alltag allerdings erlaubt. Die Höhe der Brücke muss meist nicht geschätzt werden. Im Alltag helfen Schilder bei der Orientierung, erklärte Hans Dohse. Der 64-Jährige aus Elsdorf-Westermühlen ist seit mehr als 20 Jahren bei den Wettbewerben dabei. Als Busfahrer war er 36 Jahre lang im Linienverkehr unterwegs. Jetzt ist Dohse zwar Rentner, steuert aber noch drei Mal die Woche einen Bus. Und fährt im September zu den Internationalen Meisterschaften im polnischen Krakau.

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