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Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 08:46 Uhr

Kanalgeflüster : Brückentag

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 07:46 Uhr

Es ist schon erstaunlich, womit sich eine Verwaltung so beschäftigen muss. Im Rendsburger Rathaus tauchte im Zusammenhang mit der Kommunalwahl unlängst eine Zukunftsvision auf, die Verwirrung und Erschrecken auslöste. Normalerweise ist die Sache ganz einfach: Am 26. Mai wird die neue Ratsversammlung gewählt - ihre Arbeit nimmt sie mit der konstituierenden Sitzung am 20. Juni auf. Nur tauchte aber plötzlich irgendwo eine Vorschrift auf, die die Amtszeit der alten Ratsversammlung mit dem 1. Juni enden lässt.

Die bange Frage lautete nun: Wer ist dazwischen für die Stadt verantwortlich? Drei Wochen ohne rechtskräftig legitimierte Selbstverwaltung - ist das überhaupt zulässig? Ein Fall der Juristen auf den Plan rief und die Telefondrähte zwischen Rathaus und Innenministerium glühen ließ. Über den Ausweg aus diesem Dilemma ist noch nichts bekannt.

Juristisch betrachtet, mag es ja ein durchaus interessantes und vielleicht auch kniffliges Problem sein. Aber die Rendsburger warten seit fünf Jahren auf eine Bewegung im Obereiderhafen und ertragen seit gefühlten Jahrzehnten Herties geschlossene Türen - da sollten eigentlich auch drei Wochen ohne Ratsversammlung zu meistern sein.

Viel wichtiger ist es, dass Menschen in Rendsburgs wichtigstes Gremium gewählt werden, die sich mit voller Kraft für das Wohl der Stadt einsetzen. Und das ist Sache der rund 18 000 Wahlberechtigten. Wer sich noch nicht für einen Kandidaten oder eine Partei entschieden hat, bekommt am Montag die Gelegenheit, sich noch ein Bild zu machen. Die Landeszeitung lädt die Spitzenkandidaten zur Podiumsdiskussion ins Kinocenter. Dort gibt es auch die Chance, selbst Fragen zu stellen. Und vielleicht erleichtert die eine oder andere Antwort ja die Entscheidung darüber, an welche Stelle auf dem Wahlzettel man sein Kreuz macht.

Hier bestimmen die Bürger, wer in ihrem Namen in den nächsten fünf Jahren die Entscheidungen über alles trifft, was in der Kommune wichtig ist. Das Kreuz hinter einem Namen ist ein Zeichen des Vertrauens. Die Podiumsdiskussion ist möglicherweise ein Weg um herauszufinden, wer dieses Vertrauen verdient.

In letzter Zeit war auffällig viel von Brückentagen die Rede. Bekannte, die man sonst nie wochentags in der Stadt trifft, sprachen mit einem Lächeln davon, die Telefonistin in der Verwaltung sprach das Wort mit einem süffisanten Unterton aus, als sie erklärte, dass der gewünschte Gesprächspartner nicht im Hause sei. Und die wenigen verbliebenen Kollegen bedauerten sich gegenseitig, dass sie diesen besonderen Tag nicht nutzen konnten.

Dabei hätte man den gestrigen Super-Brückentag doch auch nutzen können, um endlich die Weiße Brücke einzuweihen. Doch Anrufe in der Verwaltung und bei der Baufirma ergaben, dass dies leider nicht möglich sein. Wegen des Brückentags. Eigentlich kurios.

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