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Schacht-Audorf : Brücken-Neubau: Wird die Kaimauer zum Streitpunkt?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die jüngste Niederlage vor Gericht bringt das Fass jetzt zum Überlaufen: Friedrich und Uta Schreiber drohen, den Neubau der Autobahnhochbrücke auf der Rader Insel zu torpedieren.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Die jüngste Niederlage vor Gericht bringt das Fass jetzt zum Überlaufen: Friedrich und Uta Schreiber drohen, den Neubau der Autobahnhochbrücke auf der Rader Insel zu torpedieren. Der Geschäftsführer von Schreiber Yachtservice und seine Frau deuten an, ihren Besitz auf der Insel nicht für die Bauarbeiten zur Verfügung zu stellen. Neben großen Flächen links und rechts der Brücke gehört auch eine Kaianlage am Nordufer zu dem Unternehmen. Die wird offenbar zum Stein des Anstoßes.

In Uta Schreiber (62) gärt es schon lange. Besonders von der Kreisverwaltung fühlt sie sich und ihren Mann Friedrich (92) angegriffen. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht Schleswig ihren Antrag auf Zulassung der Berufung gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts abgelehnt (wir berichteten). Das hatte entschieden, dass die Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises rechtens war. Es ging um die Öffnung des Gertrudenwegs auf der Rader Insel. Der gehört zur Firma Schreiber – muss für Spaziergänger und Radfahrer aber offen sein. Das Unternehmen hatte das lange durch Verbotsschilder verhindert. Ein anderes Verfahren betrifft den Abriss von unrechtmäßig gebauten Wochenendhäusern auf Grundstücken, die das Unternehmen verpachtet. Das Kreisbauamt hatte den Abriss verfügt.

„Wir haben in der Vergangenheit viel aufs Auge bekommen“, sagte Uta Schreiber jetzt zur Landeszeitung. Besonders die beiden Entscheidungen der Verwaltung schränkten die Entwicklung von Schreiber Yachtservice stark ein. Denn auf dem Firmengelände zwischen den Bootshallen und der Rader Hochbrücke sei laut Uta Schreiber durchaus noch Platz für eine Erweiterung, etwa für mehr Winterlager. Doch dazu müsste die Firma den Gertrudenweg für die Transporte nutzen können. Das sei jedoch kaum möglich, wenn dort Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind. „Die tonnenschweren Transporter sind genauso breit wie die Straße – das ist viel zu gefährlich“, sagte sie. Deshalb könne sich der Betrieb nicht vergrößern und keine weiteren Mitarbeiter einstellen. Zudem entgingen der Firma Pachteinnahmen durch die Anordnung des Kreises zum Abriss der illegal in den 1950er-Jahren errichteten Wochenendhäusern auf der Insel. Das Unternehmen habe die Rechtmäßigkeit der Bauten durch die Finanzierung eines Bebauungsplans im Nachhinein herstellen wollen, um den Pächtern ihren Besitz zu sichern, so Uta Schreiber. Doch der Kreis habe davon nichts wissen wollen. „Die haben die kleinen Leute überrollt wie eine Dampfwalze“, empörte sie sich.

Seitdem bekannt sei, dass der Zugang über den Gertrudenweg für Fußgänger und Radfahrer offen ist, seien zudem viel mehr Passanten auf der Insel, die auch unberechtigt das Firmengelände betreten. Das Ehepaar Schreiber sorgt sich deshalb darum, dass Diebstähle und Sachbeschädigungen zunehmen. „In Deutschland hat es in diesem Jahr bereits vier Brände in Yacht-Lagerhallen gegeben“, berichtete Friedrich Schreiber. Ein Szenario, das er angesichts teurer Boote in seinen Hallen fürchtet. Uta Schreiber: „Wir müssen unser Gelände so sicher wie möglich machen.“ Das passe nicht mit der Öffnung des Gertrudenwegs zusammen.

Deshalb stellte Uta Schreiber unmissverständlich klar: Auf der einen Seite gebe es diese und weitere Fälle, in denen dem Unternehmen „Knüppel zwischen die Beine“ geworfen werden. Auf der anderen Seite gehörten ihm für den Bau der neuen Rader Hochbrücke im Jahr 2023 wichtige Flächen. Dazu gehöre Land auf beiden Seiten der derzeitigen Brücke „fast zu 100 Prozent“. Ihr sei klar, dass das Unternehmen um diese Flächen enteignet werden könne, weil es für den Neubau keine Alternative gebe. Anders sei es bei der Kaianlange unterhalb des nördlichen Teils der Brücke. „Wenn wir die nicht zur Verfügung stellen, müsste das gesamte Baumaterial über die kleine Brücke auf das Festland transportiert werden“, so Schreiber. Zumindest Borgstedt, vielleicht auch Büdelsdorf und Rendsburg seien davon betroffen, wenn die Transporte nicht über das Wasser erfolgen könnten. Sie ließ durchblicken: Für ihre Kooperation erwarte sie ein Entgegenkommen des Kreises.

Der ist überrascht. „Oberstes Gebot der Verwaltung ist rechtmäßiges Handeln“, sagte Bauamtsleiter Dr. Martin Kruse. Der Kreis könne von seinen Entscheidungen nicht abweichen. Zudem sei nicht er für den Bau der Hochbrücke zuständig, sondern der Bund.

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