„Brücke“ zieht in frühere Herberge

„Esst mehr Früchte“: Auch der Spaß kam nicht zu kurz, wie auf dem Bild aus der guten alten Zeit zu erkennen ist.
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„Esst mehr Früchte“: Auch der Spaß kam nicht zu kurz, wie auf dem Bild aus der guten alten Zeit zu erkennen ist.

Nach dem Umbau: Einrichtung lädt Nachbarn und Ehemalige zur ersten Besichtigung ihrer Räume im Rotenhof ein

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02. Juni 2014, 11:56 Uhr

Der Rotenhof war in seiner langen Geschichte schon Gastwirtschaft, Standort des Viehmarkts und Jugendherberge. Ab sofort dient er der Brücke Rendsburg-Eckernförde als Hauptsitz. Der Umzug findet in diesen Tagen statt. Die große Eröffnungsfeier folgt im Herbst, aber Nachbarn, ehemalige Beschäftigte und Neugierige dürfen bereits am Donnerstag, 5. Juni, schauen, was sich im Haus getan hat. Dabei stehen von 15 bis 17 Uhr Geschichte und Geschichten rund um den Rotenhof auf dem Programm: „Vielleicht hat jemand alte Fotos, etwa vom Betrieb in der Jugendherberge, oder Erinnerungen, die sich um das Haus ranken – wir freuen uns, davon zu erfahren“, sagt Klaus Magesching, Vorstand der Brücke Rendsburg-Eckernförde. Interessenten für den Kaffeenachmittag können sich im Sekretariat unter Telefon 04331 /1323-62 anmelden.

Für Inge Manß war der Rotenhof die erste Arbeitsstelle: „15 Mark gab es im Monat“, sagt die heute 80-Jährige. Sie arbeitete von April 1949 bis November 1951 im Jugendaufbauwerk, das kurz nach dem Krieg in den „Baracken“ neben dem Hauptgebäude untergebracht war. Die gebürtige Hamburgerin Inge Manß war im Krieg mit ihrer Mutter und Bruder vor den Bomben geflohen und kam nach einem Aufenthalt im Harz bei einer Großmutter in Rendsburg unter.

Die angehende Hauswirtschafterin war bei Arbeitsantritt kaum älter als die Jugendlichen, die einen einjährigen Aufbau-Kursus durchliefen und danach in Lehrstellen vermittelt wurden. „Mit den Jungs habe ich immer Fußball gespielt“, berichtet Inge Manß. Sie erinnert sich auch an Gespräche mit Reisenden in der Jugendherbergen: „Sehr spannend, was die zu erzählen hatten.“ Im Haus durchlief sie alle Bereiche, arbeitete in der Küche, beaufsichtigte die Mädchen aus dem Jugendaufbauwerk in der „Plättstube“ und „hielt alles in tadellosem Zustand“, wie ihr das Arbeitszeugnis bescheinigte. Weitere Stationen waren dann Wuppertal, Hamburg und wieder Rendsburg. „Ich habe mir ordentlich den Wind um die Nase wehen lassen“, sagt Inge Manß, die sich freut, den Rotenhof nach dem Umbau zu besichtigen.

„Wir wollen die Tradition des Rotenhofs als offenes Haus bewahren und pflegen“, verspricht Klaus Magesching. Diese Tradition reicht weit zurück. Laut einer Chronik, die Joachim Amm in den 1980-er Jahren verfasste, lässt sich die Geschichte mehr als 600 Jahre zurückverfolgen. Bis Ende des 17. Jahrhunderts lag der Hof gut einen Kilometer vom heutigen Platz entfernt. Damals musste er weichen, weil die Festung erweitert wurde. Am neuen Standort fand von 1770 bis zur Eröffnung der heutigen Nordmarkhalle 1913 der Rotenhöfer Pferde- und Viehmarkt statt. Eine Gastwirtschaft lockte mit Schießstand, „Liebeslauben“ und Freilichtbühne. 1933 überließ der Magistrat das Anwesen dem Jugendherbergsverband, heißt es in der Chronik.

Während der NS- und Kriegszeit wurde das Haus als „Landjahrheim“ für Großstadtjungen und als Jugendherberge genutzt. Nach dem Krieg bot es Obdachlosen und Flüchtlingen Schutz. 1948 begann wieder der Jugendherbergsbetrieb. Er dauerte bis 2004, dabei waren zwischenzeitlich das Evangelische Hilfswerk, später das Jugendherbergswerk zuständig.

Neue Eigentümerin des städtischen Gebäudes ist die Brücke, die das städtische Gebäude in stark sanierungsbedürftigem Zustand übernommen und es zu weiten Teilen umgebaut hat. Entstanden sind Arbeitsplätze für 80 bis 90 Beschäftigte der Verwaltung des Anbieters medizinischer und psychosozialer Hilfen. Im Rotenhof werden neben der Verwaltung eine Begegnungsstätte sowie in einem Nebengebäude ambulante Pflegeteams und die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Kibis, untergebracht.


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