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Kriminalität in Rendsburg : Brennpunkt Kanal: Diebe auf Beutezug

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Polizei kritisiert, dass ein Großteil der Einbrüche und Diebstähle nicht angezeigt wird. Betroffen sind auch maritime Vereine in Rendsburg.

Motoren, technische Geräte oder auch ganze Boote: Es gibt auf und um dem Nord-Ostsee-Kanal nichts, was von Dieben verschont wird. Und da kommen Jens Oltmann und sein Kollege Kai Solterbeck ins Spiel. Denn die beiden Wasserschutzpolizisten der Station Rendsburg machen Jagd auf Langfinger. Allerdings könnte ihre Arbeit wesentlich einfacher sein – wenn tatsächlich jeder Diebstahl gemeldet werden würde.

Genau das ist das Problem. Denn in diesem Jahr haben die beiden Polizisten und zwei Kollegen erst 50 Diebstähle bearbeitet – bei 3500 Sportbooten und 10 000 Tagesgästen in ihrem Revier zwischen Breiholz und Königsförde auf den ersten Blick eine ungewöhnlich geringe Zahl. „Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Stationsleiter Oltmann. „Denn die Dunkelziffer ist sehr hoch.“ Da kein Versicherungszwang besteht, kommt der Bestohlene oft selbst für den Schaden auf. Das wiederum erschwert den Beamten, Tatserien als solche zu erkennen. Die Informationen seien meist zu lückenhaft. Einziger Ausweg: Jeder Diebstahl müsse angezeigt werden.

Am häufigsten werden Außenbord-Motoren gestohlen. „Klassiker sind die Geräte mit fünf bis 15 PS. Die sind leicht zu tragen“, sagt Oltmann. Aber auch hochwertiges technisches Equipment wie GPS-Geräte und Ferngläser, manchmal sogar komplette Boote, nehmen die Langfinger mit.

Dabei ist es gar nicht schwer, sein Eigentum gegen Diebe zu sichern. Oltmann und Solterbeck haben Tipps für die Sicherheit in und ums Boot parat. „Die Eigentümer sollten ihr Hab und Gut individuell kennzeichnen und fotografieren“, sagt Oltmann. Zum Schutz von technischen Geräten raten die Polizisten: von hochwertiger Ausrüstung wie Ferngläsern die Seriennummer des Herstellers zu notieren. Zudem bietet die Wasserschutzpolizei den Service „Gravierend mehr Sicherheit“ an. Ordnungshüter gravieren eine Nummer in maritime Gegenstände; der Eigentümer erhält einen Boots-Pass dazu. Damit kann man im Zweifel sein Eigentum nachweisen. Für die Absicherung von Motoren kann gleich beim Einbau gesorgt werden. „Es gibt Schrauben, etwa für Außenborder, die man abschließen kann“, sagt Solterbeck. Dadurch können die Antriebe nicht einfach abgeschraubt werden. Ansonsten gilt: Hochwertige Ausrüstung nicht offen liegen lassen, sondern mit an Land nehmen.

Nicht nur Bootseigner sind Opfer von Dieben geworden, auch Sportboothäfen und maritime Vereine in Rendsburg bekamen ungebetenen Besuch. Einen Einbruch ohne Diebstahl gab es in diesem Jahr beim Regattaverein Rendsburg. „Ein Boots-Schott wurde aufgebrochen, aber nichts gestohlen. Wir vermuten, dass ein Obdachloser im Boot übernachtet hat“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Storm. Im vergangenen Jahr war der Verein am Obereiderhafen jedoch von schwerwiegenderen Einbrüchen betroffen: Gleich dreimal brachen zwei Diebe in das Hafenmeisterbüro ein. „Der Schaden war erheblich“, so Storm. Neben dem Verlust von über 500 Euro Bargeld schlugen die Reparaturen am Gebäude zu Buche. Die Täter konnten gefasst werden. Für Storm ist dies nur ein kleiner Trost, denn: Die Diebe sind polizeibekannt. „Einer ist sogar zweimal hintereinander eingestiegen. Unsere Überwachungskameras haben ihn aufgenommen.“ Dennoch wurde er freigelassen. Storm ist enttäuscht. „Die Polizei darf nicht anders handeln, aber ich zweifle an der Justiz.“ Den Eider-Yacht-Club an der Obereider hat es nicht ganz so schlimm getroffen. „Es gab zwei, drei Diebstähle in den vergangenen vier Jahren“, berichtet Hans-Marcus Zielke, Hafenmeister des Clubs. Dabei sind ein Funkgerät und Navis entwendet worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. In jüngster Zeit gab es keine Diebstähle. Allerdings: „Nachts sind manchmal Schlauchboote durch den Hafen gefahren.“ Dies könnten potenzielle Diebe auf Erkundungstour gewesen sein.

Diebe mit einer Vorliebe für Maritimes suchen nicht nur Segel- und Sportboothäfen heim. Der Rendsburger Ruderverein hatte vor zwei Jahren ebenfalls Besuch von Langfingern. Und die hätten beinahe fette Beute gemacht. „Diebe hatten einen Katamaran nachts losgemacht und paddelten schon auf der Eider“, sagt Florian Berndt, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Die aufmerksamen Mieter des Vereinsheims bemerkten die Aktion und machten sich lautstark bemerkbar. „Die Diebe brachten daraufhin das Boot zurück und machten sich aus dem Staub.“ Wäre der Diebstahl geglückt, hätte der Verein einen Verlust von 12 000 Euro zu beklagen gehabt. Der Katamaran kostet 8000, der Motor 4000 Euro.

 

 

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erstellt am 08.Mai.2014 | 15:44 Uhr

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