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Fähren am NOK : Breiholz auf Platz 1 der Ausfallstatistik

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Fährstelle war 2016 für 132 Stunden nicht in Betrieb. In diesem Jahr zeichnet sich bereits eine steigende Tendenz ab.

Die Autofahrer in der Region kennen das Problem: Wenn eine der fünf Fähren am Nord-Ostsee-Kanal zwischen Breiholz und Landwehr defekt ist, müssen sie lange Wartezeiten oder weite Umwege in Kauf nehmen. Und sie haben den Eindruck, dass Ausfälle immer häufiger auftreten. An einigen Fährstellen stimmt das auch, doch die Statistik zeigt: Unterbrechungen des Betriebs bewegen sich im niedrigen, zum Teil nicht einmal einstelligen Prozentbereich.

Spitzenreiter der Ausfälle ist Breiholz. Im vergangenen Jahr war die dort eingesetzte Fähre 132 Stunden lang kaputt – von 8513 Betriebsstunden insgesamt. Das entspricht einem Anteil von 1,55 Prozent. Platz 2 der Ausfallstatistik belegt die Tagesfähre Nobiskrug mit 1,12 Prozent (53 von 4690 Stunden). An den drei weiteren Querungen im Verbreitungsgebiet der Landeszeitung liegen die Anteile weit unter der Ein-Prozent-Marke: Die 24-Stunden-Fähren bei Nobiskrug sowie Sehestedt und Landwehr fielen 2016 durchweg weniger als 30 von jeweils 8513 Stunden aus. Dass Bordhydraulik, Schrankenbolzen oder Drehzahlsteuerung von Zeit zu Zeit schlapp machen, ist kein Wunder, denn die Schiffe sind zum Teil mehr als 60 Jahre alt. Und Ausfälle kommen offenbar häufiger vor: In den ersten vier Monaten dieses Jahres standen die Ampeln an der Fährstelle Breiholz bereits 53 Stunden lang auf Rot, obwohl sie eigentlich grün zeigen mussten. Damit liegt der Ausfallanteil bei knapp zwei Prozent. Auch Nobiskrug und Sehestedt kommen auf einen höheren Anteil als 2016, wenn es mit den Ausfällen so weitergeht.

„Auch wenn wir die Gerätschaften noch so gut pflegen, müssen sie irgendwann einmal ersetzt werden“, sagt der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Kiel-Holtenau, Matthias Visser, dazu auf LZ-Nachfrage. Er spricht damit das Alter der Schiffe an. Dass die Ausfallzeiten in Breiholz viel höher als an den anderen Fährstellen liegen, liegt laut Visser an der technisch komplexeren Ein-Mann-Fähre. Während auf den anderen Schiffen ein Decksmann das Boarding übernimmt, steuert der Breiholzer Fährführer Auf- und Abfahrt der Fahrzeuge vom Steuerstand aus. Per Computer werden Signale an die Schilderbrücken am Ufer gegeben. „Wenn das System ausfällt, müssen wir erst einen Decksmann organisieren“, so Visser.

Wenn etwa ein Motor streikt, wird die Rufbereitschaft für eine Schnellwartung in Gang gesetzt. Wenn die Techniker nicht helfen können, kommt die Ersatzfähre zum Einsatz. Dazu fährt die Besatzung des defekten Schiffes mit dem Auto zu der Fährstelle, wo die für diesen Zweck zur Verfügung stehende „Stolpmünde“ dann bereit liegt, um damit über den Kanal zurückzufahren. „Das dauert maximal zwei Stunden“, so Visser.

Fähren fallen jedoch auch planmäßig aus. Einmal wöchentlich wird jedes Schiff während verkehrsarmer Zeiten für eine halbe Stunde gewartet. Ebenso lange dauern die Maschinenkontrolle, die nachts gegen drei Uhr vorgenommen wird, und das Bunkern, das einmal wöchentlich stattfindet. Dabei nimmt die Fähre von einem Tankwagen bis zu 4000 Liter Diesel auf.

Claudia Thoma, Sprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn, versichert: „Durch die regelmäßige Wartung sind die Fähren in einem sicheren Betriebszustand.“ Dennoch will die Behörde alle Schiffe austauschen. Nachdem sich das Vorhaben mehrmals verschoben hatte (wir berichteten), ist im Februar der Bau der ersten drei 45-Tonnen-Fähren ausgeschrieben worden, um die ältesten Fahrzeuge mit den Baujahren 1952 und 1953 zu ersetzen. Das Volumen beträgt 14,5 Millionen Euro. Der erste Neubau soll 2019 den Betrieb aufnehmen.

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erstellt am 19.Mai.2017 | 12:19 Uhr

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