Urteil : Brandstifter muss vier Jahre in Haft

justizhammer

Vor dem Landgericht Kiel ist ein 42-jähriger Owschlager zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Brandstiftung verurteilt worden.

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28. August 2018, 11:15 Uhr

Vor dem Landgericht Kiel ist ein 42-jähriger Owschlager zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Brandstiftung verurteilt worden. Das Gericht ist überzeugt, dass er am 30. Januar auf einem Bauernhof bei Emkendorf den Trecker seines Chefs in Brand gesetzt hat. Am 17. und am 19. Februar soll er zudem Strohlager in Nortorf und bei Osterrönfeld angezündet haben.

Der 42-Jährige stritt den Tatvorwurf ab. Zudem gibt es keine Zeugen, die ihn beim Legen der Brände beobachtet haben. In allen drei Fällen ist die Brandursache unklar. „Dennoch sind wir von Ihrer Schuld überzeugt“, sagte Richter Markus Linder. Er verwies auf „eindeutige Indizien“. So konnte dem Angeklagten nachgewiesen werden, dass er in allen drei Fällen kurz vor Brandausbruch vor Ort war und jeweils mehrere Male an dem Feuer vorbeifuhr. Dieses Verhalten sei typisch für einen Brandstifter, so der Richter.

Dem Gericht lag ein Bewegungsprofil des Autos des 42-Jährigen vor. Seit dem 24.  Januar wurde sein Dacia mit einem Peilsender überwacht. Der Owschlager geriet nämlich schon vor dem Traktor-Brand ins Visier der Ermittler. In den Monaten zuvor hatte es Brände in der Region gegeben, die nicht aufgeklärt werden konnten, berichtete Richter Linder. Einer davon hatte sich auf dem Hof ereignet, auf dem am 30.  Januar der Traktor brannte. Die Polizei verdächtigte den Owschlager, der bereits 2006 wegen Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, hinter den Feuern zu stecken.

Auch seine Telefonate wurden daher überwacht. Einer Gesprächspartnerin gegenüber behauptete der 42-Jährige, Wehrführer bei der Feuerwehr zu sein und erzählte von spektakulären Rettungseinsätzen. Dieses auffällige Interesse für die Feuerwehr ist bei vielen Brandstiftern anzutreffen, so der Richter.

Bereits im Vorfeld des Prozesses wurde der 42-Jährige mehrmals als Verdächtiger vernommen, berichtete Markus Linder. Anders als bei der Hauptverhandlung äußerte er sich bei diesen Gelegenheiten zum Bewegungsprofil seines Autos. Nach Anhörung der Zeugen sei von den Erklärungsversuchen des Owschlagers wegen vieler Widersprüche aber „nichts übrig geblieben“, so der Richter.

Eine Gutachterin bescheinigte dem 42-Jährigen eine geminderte Intelligenz. Die Beeinträchtigungen seien aber nicht so stark, dass von einer Schuldunfähigkeit ausgegangen werden könnte, erklärte Linder. Er geht davon aus, dass die Haftstrafe nach zwei Dritteln der Zeit auf Bewährung ausgesetzt wird, wenn der Owschlager sich bereit erklärt, einen Therapeuten aufzusuchen. „Wir denken, dass das die beste Prävention ist.“

Der Verteidiger Marc Waschnick kündigte an, in Revision zu gehen. Aus seiner Sicht ist sein Mandant freizusprechen. Nach dessen Festnahme konnten keine Rußanhaftungen oder Strohreste an Körper und Kleidung des Owschlagers gefunden werden, betont Waschnick. Insgesamt hält er die Beweisführung für unzureichend.

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