Tatort Friedhof : Botschaft an die Blumendiebe

Ärgert sich über respektlose Diebe: Marion Ehmke auf dem Urnengrab ihrer Mutter mit dem kleinen Schild, das Langfinger nachdenklich machen soll. Fotos: eckhardt (4)
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Ärgert sich über respektlose Diebe: Marion Ehmke auf dem Urnengrab ihrer Mutter mit dem kleinen Schild, das Langfinger nachdenklich machen soll. Fotos: eckhardt (4)

Marion Ehmke wehrt sich mit Schild gegen Langfinger. Immer wieder werden Pflanzen und Blumen von Gräbern in Nortorf gestohlen.

shz.de von
18. Juli 2018, 10:05 Uhr

„Das gibt es doch nicht!“ Fassungslos steht Marion Ehmke vor dem Urnengrab ihrer Mutter auf dem alten Nortorfer Friedhof. Erneut haben Unbekannte die Blumen gestohlen, die sie erst einen Tag vorher dort hingestellt hatte. „Mittlerweile ist es schon so weit gekommen, dass ich alle paar Tage auf den Friedhof gehe, nur um zu kontrollieren, ob die Blumen noch da sind“, sagt die 49-Jährige Nortorferin verärgert.

Der Diebstahl ist kein Einzelfall. Einer Nachbarin wurden die auf dem Friedhof erst gerade neu gepflanzten Buchsbäume wieder ausgegraben, bei einer anderen Bekannten wurden einfach frische Blumen gegen vertrocknete ausgetauscht. Da es Marion Ehmke jetzt reicht, hat sie ein Schild aufgestellt, in der Hoffnung dem Treiben Unterhalt zu gebieten. „So kann es jedenfalls nicht weitergehen“.

„Der Pflanzendiebstahl auf den Friedhöfen ist kein Kavaliersdelikt“, betont Friedhofsverwalter Heinz-Jürgen Schafranski, der das Problem schon seit einigen Jahren kennt. Erfüllt die Störung der Totenruhe doch den Bestand einer Straftat. Ein Umstand, der vielen höchstwahrscheinlich nicht einmal wirklich bewusst ist. Und das, obwohl die Friedhofsverwaltung mittlerweile in ihren Informationskästen sowohl auf dem alten als auch auf dem neuen Friedhof ausdrücklich darauf hinweist. Verschwinden doch ebenfalls immer wieder Pflanzen von den Gemeinschaftsanlagen, die von der Friedhofsverwaltung bepflanzt und gehegt werden.

Die Gründe für den Pflanzendiebstahl können vielseitig sein. Das gehe vom Geldsparen über private Fehden unter den Erben und Hinterbliebenen bis hin zur reinen Gehässigkeit, kann sich Schafranski vorstellen. „Die Probleme, die einige bereits im Leben haben, spiegeln sich oft genug auf dem Friedhof wieder“, merkt der Friedhofsverwalter an. Dennoch könne man den Friedhof nicht diesbezüglich überwachen. „Das bringt ja auch nichts – selbst wenn einem etwas komisch vorkommt, ist es schwierig, vor Ort die Eigentumsrechte beziehungsweise die Erlaubnis nachzuweisen, da man nicht jeden kennt“.

Und rein rechtlich gesehen gebe es auch keinerlei Befugnis, die Personalien zu überprüfen, geschweige denn, die betreffende Person deshalb festzuhalten.

Auch die Polizei-Zentralstation Nortorf weiß um die Problematik. „Natürlich kommt es ab und zu vor, dass jemand bei uns Anzeige wegen eines Pflanzendiebstahls gegen Unbekannt stellt – das ist aber relativ selten“, berichtet Oberkommissar Rüdiger Ahrens. Zumal der Ermittlungserfolg in diesen Fällen relativ gering sei. „Auf jeden Fall sind solche Taten eine Respektlosigkeit, die wir hier nicht nachvollziehen können“, fügt der Oberkommissar an.

Keinerlei Verständnis zeigt ebenfalls die Pastorin von der St. Martin Kirchengemeinde, Anna Trede. „Ich glaube dass sich viele einfach keine Gedanken darüber machen, was sie damit anrichten“, ist sich die Pastorin, die auch regelmäßig die Trauergruppe leitet, sicher. Schließlich sei die Last der Trauernden schon so groß genug. Wenn diese sich auch noch mit diesen Taten konfrontiert sehen, verstärke das nur unnötig den Schmerz, den sie ohnehin empfinden. Zumal der Grabschmuck ebenfalls ausdrückt: „Wir haben dich nicht vergessen“. „Deshalb sollte der Friedhof auch für alle ein Ort des Respekts und der Ruhe sein“, bringt es die Pastorin auf den Punkt.

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