Top Regional : Boomtown Büdelsdorf

An der Hollerstraße-West werden 63 Wohneinheiten gebaut.
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An der Hollerstraße-West werden 63 Wohneinheiten gebaut.

In der jungen Stadt entstehen mehr als 150 Wohneinheiten.

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24. Mai 2018, 09:45 Uhr

Büdelsdorf | Die Stadt wächst. „Wir haben einen ungebrochenen Zuzug von Familien“, sagt Bürgermeister Rainer Hinrichs. Als er 2012 im Rathaus anfing, wohnten weniger als 10 000 Menschen in Büdelsdorf. Seither ist die Stadt um etwa 600 Einwohner gewachsen. „Das ist seit Jahren der höchste Stand. Büdelsdorf ist attraktiv.“

Leerstände gibt es nicht, stattdessen entstehen 150 Wohneinheiten: Die Baugenossenschaft Mittelholstein errichtet 48 Sozialwohnungen an der Konrad-Adenauer-Straße, 22 davon darf die Stadt vergeben. Einzugstermin ist im Herbst.

Ein Hamburger Investor kaufte die sogenannte Dänenkoppel, An der Rauhstedt. Baustart für etwa 50 Wohnungen ist Ende 2018.

Die Büdelsdorfer „Dachgenossenschaft für generationsübergreifendes Wohnen“ (DGW) baut am westlichen Abschnitt der Hollerstraße acht mehrgeschossige Energiesparhäuser mit 63 barrierefreien Appartements in Größen von 50 bis 88 Quadratmetern, davon 46 Sozialwohnungen. Der Verein „Brücke Rendsburg-Eckernförde“ will darin Pflege anbieten. „Büdelsdorfer mit Behinderungen freuen sich darauf.“ Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant.

Die Stadt will die Hollerstraße-West zu einer Flaniermeile ausbauen. „Die Kaufkraft an der Ecke wird steigen.“ Im April eröffnete Hinrichs in einem mehr als 100 Jahre alten Gebäude, Hollerstraße 16, ein Künstlerhaus (siehe Interview). Ihm schwebt vor, in der Nachbarschaft einen Laden für Künstlerbedarf oder ein Restaurant anzusiedeln.

Nicht nur Wohnungen, auch Gewerbeflächen sind gefragt. Eine moderne Verbindung von Wohnen und Arbeiten soll im Osten an der Wollinstraße entstehen. Noch sind auf einer drei Hektar großen Industriebrache verfallene Hallen zu sehen. Die Idee ist, mehrstöckige Gebäude zu errichten. „Ein Geschoss kann Gewerbe enthalten, ein anderes Wohnungen.“ Solch ein „Urbanes Quartier“ könne Fachkräfte anziehen, die auf Autos verzichten und sich kurze Wege zum Arbeitsplatz wünschen. Der Eigentümer des Geländes lebt in der Schweiz und will es an einen Bauträger verkaufen.

Am Trichterbecherweg verkaufte die Stadt jüngst 2,5 Hektar an die Firma Vetiefbau. In der Vergangenheit siedelten sich dort Besko, ein dänischer Lieferant für Lkw-Ersatzteile, Nielsen-Maaß Maschinen- und Zerspanungstechnik, die Firma Hans Paasch sowie Sievers Garten- und Landschaftsbau aus Jevenstedt an.

„Wirtschaftsförderung ist Chefsache“, begründet Hinrichs diese Erfolge. Firmen auf der Suche nach Flächen fänden in ihm und seinem Vertreter Torben Sievers Ansprechpartner. Auch die Unternehmenskultur trage zum Erfolg bei. „Wir wertschätzen uns alle.“ Zugleich wüssten die Fachbereichsleiter, dass sie ihren Beitrag für die Betriebsansiedlung leisten müssen. Auch andere Mitarbeiter sind auf Zack: Nachdem der Besko-Chef in einer größeren Verwaltung keinen Ansprechpartner gefunden hatte, bog er auf dem Weg zur Autobahn spontan in Büdelsdorf ab. Das Rathaus schließt um 12 Uhr. Um 12.05 Uhr traf er im Foyer allein die Putzfrau an. Sie schickte ihn sofort zum Bürgermeister.

Bürger bauen Praxen

Viele Hausärzte in Büdelsdorf sind im Rentenalter, berichtet Bürgermeister Rainer Hinrichs. Laut Kassenärztlicher Vereinigung kann die Zahl der Ärzte in der Region, zu der Büdelsdorf gehört, zwar nicht erhöht werden. Viele Unternehmer bauen aber Praxen, damit junge Mediziner nicht die sogenannten Arztsitze übernehmen und dann nach Eckernförde oder Damp abwandern: Die Baugenossenschaft Mittelholstein errichtet am Eschenweg eine Hausarztpraxis. Bäcker Drews will das Ex-Gebäude der Hypovereinsbank an der Hollerstraße zu einer Praxis mit Apotheke umbauen. Ein Chirurg will im Gewerbegebiet „Am Dolmen“ ein Gebäude für bis zu vier Mediziner errichten. Stadt und „Brücke“ planen eine Hausarztpraxis am Altenheim.

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