Elsdorf-Westermühlen : Blick frei auf "die Idylle schlechthin"

Das Mühlenrad dreht sich noch leicht: Hartmut Przetak steht an seinem 'Geheimtipp' in Elsdorf-Westermühlen. Foto: Haller
Das Mühlenrad dreht sich noch leicht: Hartmut Przetak steht an seinem "Geheimtipp" in Elsdorf-Westermühlen. Foto: Haller

Ehemaliger Leiter des Standesamtes im Rendsburger Rathaus liebt die Stormsche Wassermühle in Elsdorf-Westermühlen

Avatar_shz von
07. Juni 2011, 10:50 Uhr

Elsdorf-Westermühlen | "Die Heimat hier und hier dein erster Traum! Das Mühlenrad rauscht, so lustig stäubt der Schaum". Mit diesen Versen beginnt das Gedicht "Westermühlen" von Theodor Storm. Hartmut Przetak hat die 1837 geschriebene Widmung für den Vater des Dichters jedes Mal vor Augen, wenn er sich auf seinem Lieblingsplatz niederlässt. Przetak, der in 25-jähriger Tätigkeit im Standesamt des Rendsburger Rathauses, darunter zehn Jahre als Leiter, 2850 Paare getraut hat, bevorzugt die Bank bei der Stormschen Wassermühle in dem Ortsteil der Gemeinde Elsdorf-Westermühlen. Über ein paar Stufen von der Straße aus zu erreichen, ermöglicht dieser Standort einen Blick auf "die Idylle schlechthin", wie Przetak (71) es empfindet: das alte Fachwerkhaus der ehemaligen Mühle mit dem Mühlenrad und dem von Grün umgebenen Teich. Oft hat Theodor Storm, dessen Großvater Pächter der Mühle war und dessen Vater Johann Casimir hier geboren wurde, die Ferien in Elsdorf verbracht.

Mit dem Autor vieler Novellen kam Przetak, mittlerweile seit fünf Jahren im Ruhestand, in seiner Zeit auf der Abendrealschule in Rendsburg während der Siebziger näher in Berührung: Er sollte ein Referat über Storm halten. In einem Band über dessen Leben und Werk fand er auch ein Bild der 1470 erstmals erwähnten Mühle. Beim ersten Besuch war er enttäuscht: Das 1957 großenteils abgebrochene Haus machte einen heruntergekommenen Eindruck.

Nachdem der Standesbeamte 1999 mit seiner Frau Ramona nach Hohn gezogen war, nahm er wieder "Tuchfühlung" mit der Mühle auf, die inzwischen einen wesentlich ansehnlicheren Anblick bot: In den Jahren 1991/92 wurde das Restgebäude im Zuge der Dorferneuerung mit Hilfe der Denkmalpflege saniert, das Mühlenrad wurde erneuert und auf dem "Aussichtsplatz" eine kleine Storm-Gedenkstätte mit Informationen über die Geschichte der Mühle und dem "Westermühlen-Gedicht" eingerichtet.

"Literaturfreak" Przetak, der sich zu Hause dem Garten widmet und Musik "von Klassik bis Pop" hört, fühlt sich dem Dichter in mehrerer Hinsicht verbunden. Er schreibt kleine Erzählungen und Gedichte und würde in Hohn gern einen Literaturkreis ins Leben rufen. Und weil er als Stralsunder "ewiges Heimweh" nach dieser Stadt verspürt, hat er auch Verständnis für Storms "Husum-Duselei".

Seinen Lieblingsplatz sucht Hartmut Przetak nur ein- bis zweimal im Jahr auf - damit der Aufenthalt etwas Besonderes bleibt. Was er tut, wenn er dort sitzt? "Gar nichts. Ich sinne den Dingen des Lebens nach".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen